Bilder und Video von der Großübung

"Im Katastrophenfall müssen wir sicher sein" - Bundeswehr und THW üben am Hochgrat

THW und Bundeswehr Übung

Sandsäcke und ein zweieinhalb Tonnen schweres Stromaggregat brachten THW und Bundeswehr mit dem Hubschrauber zur Oberstiegalpe.

Bild: Martina Diemand

Sandsäcke und ein zweieinhalb Tonnen schweres Stromaggregat brachten THW und Bundeswehr mit dem Hubschrauber zur Oberstiegalpe.

Bild: Martina Diemand

Starkregen, Hangrutsch, kein Strom: THW und Bundeswehr proben am Hochgrat bei Oberstaufen den Ernstfall. Warum der Testlauf gerade jetzt wichtig ist.
14.10.2021 | Stand: 21:21 Uhr

Tief gebeugt und mit einem schweren Koffer in der Hand läuft Rebecca Planinc aus dem Frachtraum eines Bundeswehrhubschraubers vor dem Hochgrat. Sie ist Helferin beim Technischen Hilfswerk (THW) Lindenberg und sagt: „Die ersten Schritte sind noch einfach, dann hast du das Gefühl, du fliegst gleich weg.“

Es ist keine alltägliche Übung für die 45 Ehrenamtlichen. Vor der Oberstiegalpe bei Oberstaufen trainieren sie für den Ernstfall. Das Szenario: Unwetter, kein Strom, ein Hangrutsch und Menschen in Not.

THW Lindenberg war bei Hochwasser im Ahrtal im Einsatz - und probt jetzt selbst für den Katastrophenfall

„Es wird immer mehr solcher Katastrophen geben“, sagt Christian Straschek vom THW Lindenberg, der die Übung organisiert hat. Vier Jahre lang hat er diesen Testlauf gemeinsam dem Kreisverbindungskommando (KVK) der Bundeswehr in Lindau und zahlreichen anderen Behörden geplant. Dieser Sommer aber habe ihnen gezeigt, wie wichtig es ist, für solche Situationen vorbereitet zu sein.

THW-Helfer Gunnar Straschek war wie 25 weitere seiner Kolleginnen und Kollegen aus Lindenberg bei der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal (Nordrhein-Westfahlen) im Einsatz. Er sagt: „Da muss dann jeder Handgriff sitzen und man muss wissen, wer welche Aufgabe übernimmt.“ Welche Wege gibt es? Woher bekommen die Einsatzkräfte Strom? Und wer kann in der Umgebung einen Hubschrauber stellen?

"Das ist Realität": Hüttenwirt der Oberstiegalpe hat selbst erfahren, was Unwetter auf dem Berg bedeuten

Drei Tonnen wiegen die Sandsäcke, die die Helferinnen und Helfer des THW in einer Kette aufgestellt über die Wiese vor der Oberstiegalpe tragen. Im Katastrophenfall soll so verhindert werden, dass ein Hang auf Wohnhäuser in beispielsweise einem Bergdorf oder Weiler abrutscht. Heute aber scheint die Sonne über dem Hochgrat – und trotzdem soll alles so realistisch wie möglich ablaufen.

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Von Lindenberg zum Hochgrat: THW-Helfer und Bundeswehrsoldaten üben für Unwetterkatastrophe

Unter dem großen Bundeswehrhubschrauber baumelnd, brachten die Einsatzkräfte die Säcke auf den Berg. Übungsleiter Straschek erklärt: „Bei Starkregen und Hochwasser könnten wir die Straßen hier nicht mit unseren Fahrzeugen befahren.“ Auch der schwere Anhänger, in dem sich ein Stromaggregat verbirgt, kam so aus Lindenberg zur Alpe. Es versorgt – wie im tatsächlichen Katastrophenfall – den Berghof während der Übung mit Strom. „Für uns ist das Realität. Wenn ein Baum umstürzt, läuft auf der Alpe gar nichts mehr“, sagt Werner Hepp, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Oberstiegalpe.

Außergewöhnlicher Testlauf soll Zusammenarbeit von Bundeswehr und THW in Krisensituationen stärken

Neugierige Wanderer und Hüttengäste beobachten das Spektakel. „In so einem Hubschrauber würde ich auch gerne einmal mitfliegen“, sagt der vierjährige Samu, der mit seiner Familie auf der Alpe Urlaub macht. Ein aufregender Tag für den Bub aus Tettnang. Doch auch für erfahrene Soldaten ist so ein Einsatz am Berg außergewöhnlich. Oberstleutnant Johannes Bischoff vom KVK sagt: „Im Katastrophenfall müssen wir sicher sein. Eine Landung auf unebenem Gelände ist auch für uns eine wertvolle Übung.“ Zwölf Soldaten sind bei dem Testlauf mit zwei Hubschraubern des Bundeswehrstandorts Laupheim im Einsatz.

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THW und Bundeswehr üben am Hochgrat

„Im Ernstfall ist es gut, Gesichter zu kennen. Mit dieser Übung bekommen wir auch einen Einblick in die Bundeswehrarbeit“, sagt Wolfgang Strahl, Ortsbeauftragter des THW Lindenberg. Seit sechs Uhr morgens sind die Ehrenamtlichen für die Übung auf den Beinen, die 26-jährige Helferin Planinc sagt: „Das lohnt sich. Wir lernen viel und es ist eine einmalige Erfahrung.“