Aufnahmen landen im Netz

19-jähriger Kaufbeurer quält Jugendlichen vor laufender Kamera

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Ein 19-Jähriger Kaufbeurer hat einen Jugendlichen vor laufender Kamera geschlagen und eine Zigarette auf seiner Strin ausgedrückt.

Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Ein 19-Jähriger Kaufbeurer hat einen Jugendlichen vor laufender Kamera geschlagen und eine Zigarette auf seiner Strin ausgedrückt.

Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Ein Kaufbeurer verletzt einen 17-Jährigen mit Schlägen und einer glühenden Zigarette. Ein Freund (15) filmt die Tat. Welches Urteil die beiden erwartet.

07.06.2020 | Stand: 09:07 Uhr

Es waren Szenen wie aus einem Film: Ein heute 19-jähriger Kaufbeurer passte im Mai vergangenen Jahres mit einem Freund einen Jugendlichen (17) ab, traktierte ihn in einem Garagenhof mit Schlägen und drückte auf seiner Stirn und seinem Handrücken eine glühende Zigarette aus. Das Opfer musste zeitweise vor seinem Peiniger knien und ein „Geständnis“ zu angeblichen Lügengeschichten ablegen. Das Ganze wurde vom Begleiter des Angreifers mit dem Handy gefilmt und anschließend im Internet verbreitet.

Jetzt hat die Verhandlung vor dem Kaufbeurer Jugendgericht stattgefunden. Die Richterin machte kein Hehl aus ihrem Entsetzen und bezeichnete das Verhalten der Angeklagten als „brutal, menschenverachtend und erniedrigend“. Der 19-jährige Haupttäter wurde der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen und nach Jugendstrafrecht zu einem dreiwöchigen Dauerarrest verurteilt. Er hatte Reue gezeigt und gesagt, er wisse nicht, „was da in mich gefahren ist“. Der wegen Beihilfe mitangeklagte 15-Jährige machte vor Gericht einen weitgehend ungerührten Eindruck. Gegen ihn wurden ein zweiwöchiger Dauerarrest und 40 Sozialstunden verhängt. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Opfer wanderte aus

Der Geschädigte konnte nicht als Zeuge gehört werden, weil er zwischenzeitlich ausgewandert ist. Am Ablauf des Geschehens gab es wegen des Videos aber keine Zweifel. Die Vorgeschichte ging aus dem Geständnis des Hauptangeklagten hervor. Demnach hatten sich er und andere junge Leute darüber geärgert, dass der Jugendliche „Dinge herumerzählt hat, die nicht gestimmt haben“. Als er den 17-Jährigen am fraglichen Tag zufällig gesehen habe, seien er und sein Begleiter „auf die blöde Idee gekommen“, ihn zur Rede zu stellen.

Die Angeklagten gingen mit ihrem Opfer in einen Garagenhof. Hier sollte der 17-Jährige vor laufender Handy-Kamera eine Art Geständnis ablegen. Währenddessen schrie der 19-Jährige auf ihn ein, schlug ihn mit der Faust vor die Brust und traktierte den Jugendlichen mit der brennenden Zigarette. An dieser Stelle des Videos ist zu hören, wie der 17-Jährige seinen Peiniger anfleht aufzuhören. Dieser bleibt jedoch ungerührt, zwingt das Opfer auf die Knie und schlägt ihm ins Gesicht.

Für Tat "gefeiert"

Das Handy mit dem Tat-Video wurde beschlagnahmt. Es stellte sich heraus, dass der 15-Jährige die Aufnahmen an etwa 25 Personen weitergeleitet hatte. Ein Ermittler erinnerte sich, dass manche von ihnen die Angeklagten „gefeiert“ hätten, während andere deutlich machten, „dass das zu weit ging“. Aus den Chats ging außerdem hervor, dass der 15-Jährige dem Opfer offenbar am Tag darauf erneut auflauern wollte. Die Polizei verhinderte eine mögliche weitere Attacke.

Vor Gericht machte der 15-Jährige keine Angaben, legte aber über seinen Verteidiger ein Geständnis ab. Der Staatsanwalt sah den Jugendlichen „auf einem extrem schlechten Weg“ und auch die Richterin konnte bei ihm keine Reue oder Einsicht erkennen. Der 19-jährige Haupttäter wirkte dagegen deutlich beeindruckt. Ihm war nach dem Vorfall auf Initiative seiner schockierten Familie ein Erziehungsbeistand zur Seite gestellt worden. Laut dessen Einschätzung hat sich das Leben des jungen Mannes mittlerweile „um 180 Grad verändert“. So habe er mit seinem alten Freundeskreis gebrochen, sich freiwillig in einen dreimonatigen Hausarrest begeben und das Haus nur noch für die Arbeit verlassen.