Zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung

7 Tipps für Familien: So kommt man gut durch die anstrengende Corona-Zeit

Die Corona-Krise stellt für den Familienalltag immer wieder eine besondere Belastung dar. Eine Expertin gibt sieben Tipps, wie man sich als Familie in der Corona-Zeit nicht verliert und das Familienleben harmonisch bleibt.

Die Corona-Krise stellt für den Familienalltag immer wieder eine besondere Belastung dar. Eine Expertin gibt sieben Tipps, wie man sich als Familie in der Corona-Zeit nicht verliert und das Familienleben harmonisch bleibt.

Bild: Christin Klose, dpa

Die Corona-Krise stellt für den Familienalltag immer wieder eine besondere Belastung dar. Eine Expertin gibt sieben Tipps, wie man sich als Familie in der Corona-Zeit nicht verliert und das Familienleben harmonisch bleibt.

Bild: Christin Klose, dpa

Vor allem für Familien ist der Corona-Alltag anders und oft anstrengender. Eine Allgäuer Expertin gibt Tipps, wie das Familienleben trotzdem harmonisch bleibt.
08.11.2020 | Stand: 08:49 Uhr

Der zweite Teil-Lockdown hat gerade Familien in Bayern getroffen. Die Herbstferien haben begonnen, die Schulkinder sind zuhause, dürfen aber keine bzw. nur einen Freund treffen. Die Kleinsten dürfen nur symptomfrei in die Kita - und alle Eltern wissen, wie oft Kinder im Herbst eine Schnupfennase haben. Die Eltern jonglieren zwischen Job und Kinderbetreuung. Was kann man trotz aller Anspannungen tun, damit es innerhalb der Familie entspannt bleibt und sich keiner "an die Gurgel" geht?

Ellen Schmidt, Sexualpädagogin von ProFamilia in Kempten, hat sieben Tipps. Der Verband bietet Beratung bei allen Fragen und Problemen zu Partnerschaft, Sexualität, Familienplanung und Schwangerschaft.

  1. Kommunikation. „Das Reden miteinander hat in der jetzigen Situation eine noch größere Bedeutung bekommen,“ erklärt Schmidt. Eltern haben im Frühjahr ja bereits „Lockdown-Erfahrung“ gesammelt, an die man sich erinnern kann. Was lief damals gut oder schlecht? Was davon kann man wieder anwenden? Beispielsweise feste Rituale für die Familie, Hilfe bei der Kinderbetreuung oder tolle Spiele für die Kleinen.
    „Familien, die eine gute Kommunikation miteinander haben, die schaffen Krisen auch gut“, erläutert sie. In Familien, wo es auf Kommunikationsebene eher Probleme gibt und wo wenig miteinander gesprochen wird, „da kommen in der Krise mehr Probleme auf“.
  2. Austauschen und Schreiben. „Manchmal hilft es, Probleme zu erkennen, wenn man sie niederschreibt“, sagt die Sexualpädagogin. Reflektieren sei wichtig. Und dabei kann man sich auch Ideen außerhalb der Familie suchen: „Es ist ganz wichtig, bewusst das Gespräch zu suchen und sich auszutauschen“, erklärt sie. Nicht nur mit dem Partner, sondern auch mit Freunden oder Kollegen. Familien würden derzeit alle im gleichen Boot sitzen und könnten von den Erfahrungen untereinander profitieren.
  3. Unterstützung. Manchmal ist die Situation innerhalb der Familie aber auch so angespannt, dass es hilfreich ist, mit jemandem von extern zu reden. „Jemand, der einen anderen Blickwinkel schafft und ganz neutral ist“, erklärt Schmidt. Da setzen die Angebote von profamilia an – die Beratungsstelle bietet unter anderem kostenlose Gespräche für Familien an, gibt Tipps für Erziehung bei Kleinkindern, berät beim Thema Verhütung und Schwangerschaft. Man solle sich nicht scheuen, solche Hilfsangebote anzunehmen.
  4. Bewegung und gemeinsame Aktionen. An die frische Luft zu gehen, ist für Familien in jetzigen Zeiten sehr hilfreich. „Einfach mal den Kopf durchlüften“, sagt Schmidt. Raus aus dem Haus, keine Wäscheberge oder Teller in der Küche sehen, kein Spielzeug im Wohnzimmer – einfach mal durchatmen.
    Gemeinsam Zeit verbringen, stärkt das Familienleben. Auch Spiele spielen gehört dazu. Da rät Schmidt: „Am besten etwas spielen, wo es nicht ums Siegen geht und es nur einen Gewinner gibt – das birgt nämlich erneutes Konfliktpotenzial.“ Auch feste Rituale (wie gemeinsames Essen oder abends zusammen ein Buch anschauen) helfen in turbulenten Zeiten, das Familienleben im Lot zu halten.
  5. Freiräume. Neben der Familienzeit ist es in anstrengenden Phasen – wie im jetzigen Teil-Lockdown – für alle Familienmitglieder wichtig, Rückzugsorte zu schaffen. Das kann eine gebaute Höhle für die Kinder oder der Rückzugsort im Schlafzimmer für ein paar Minuten für die Mama sein. „Jeder sollte jeden Tag ein bisschen Zeit für sich haben, und wenn es nur zehn Minuten sind“, sagt Schmidt. Die eigenen Bedürfnisse dürfe man nicht vergessen.
  6. Paar-Zeit. Apropos Bedürfnisse: Auch Eltern sollten nicht vergessen, dass es noch mehr gibt, als Arbeiten, Haushalt und Kindererziehung. Paare sollten ehrlich über ihre Bedürfnisse reden und sich Zeit dafür nehmen. „Es wirkt banal: Aber sich mit dem Partner hinzusetzen, ihn anzuschauen und bewusst zu fragen: Wie geht es dir? Was wünschst du dir gerade? hilft oft schon weiter.“ Schmidt ergänzt: „Klar, in einer Partnerschaft gehört eine Durststrecke auch mal dazu. Aber wichtig ist, sich als Paar nicht dauerhaft aus den Augen zu verlieren.“ Sie rät, sich mindestens einmal pro Woche mit dem Partner hinzusetzen und zu schauen, wer welche Wünsche hat und offen über Sorgen und Bedürfnisse zu reden.
    Über die Internetseite www.sextra.de können sich Paare, Männer, Frauen außerdem an die profamilia wenden und anonym Fragen zu den Bereichen Sex, Partnerschaft und Schwangerschaft stellen. „Manchmal hilft es schon, einen Gedankenanstoß von außen zu bekommen, um das Paar-Leben wieder aufzufrischen“, meint Schmidt.
  7. Stopp. Falls es im Familienalltag doch einmal lauter wird und es zu Diskussionen kommt– das Kind beispielsweise gerade schreiend auf dem Boden liegt, weil es etwas anderes will als der Papa und die Nerven bei allen Beteiligten blank liegen – hilft es, ein Stopp-Zeichen zu setzen. Sich aus der Situation rausnehmen, den Raum verlassen, durchatmen. Gerade bei der Kommunikation mit Kindern bringe es oft nichts, einfach weiter zu reden. „Da muss man aussteigen, was anderes tun – und wenn der Erwachsene einmal in eine Zitrone beißt, um runterzukommen“. So deeskaliert man. Wenn sich die Gemüter beruhigt haben, könne man wieder aufeinander zugehen und ggf. über die Situation reden (wenn die Kinder alt genug sind).

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