Artenschutz im Allgäu

Allgäuer Alpensalamander: Dem "Bergmännle" droht der Tod durch Überrollen

LF Alpensalamander

Der Alpensalamander gilt als bedrohte Art. Im Allgäu kommt er oft unter die Reifen von Rädern und Autos.

Bild: Oliver Scherm

Der Alpensalamander gilt als bedrohte Art. Im Allgäu kommt er oft unter die Reifen von Rädern und Autos.

Bild: Oliver Scherm

Alpensalamander werden im Allgäu häufig überfahren. In Oberstdorf wurde zu ihrem Schutz ein Wegebau vorübergehend gestoppt.
12.06.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Wegen angeblicher Vorkommen von Alpensalamandern ist in Oberstdorf-Tiefenbach der Bau eines forstwirtschaftlichen Rückeweges vorübergehend gestoppt worden. Nach einer Beschwerde von zwei Bürgern hatte die Regierung von Schwaben den Baustopp dem Landratsamt empfohlen, bis die Angelegenheit geklärt ist. Inzwischen laufen die Arbeiten weiter, teilte das Landratsamt mit.

In dem Gebiet gebe es überhaupt keine Alpensalamander, sagt Schutzwaldmanager Klaus Dinser vom Amt für Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kempten/Oberallgäu. Der 800 Meter lange Weg sei notwendig für die Pflege des Bergwalds in diesem Bereich. Zudem verwies Dinser darauf, dass es für den Wegebau eine sogenannte biologische Baubegleitung gebe.

Alpensalamander werden im Allgäu oft überfahren

Dass die schwarzen Amphibien, im Allgäu auch Bergmännle genannt, unter die Reifen von Autos und Fahrrädern geraten können, ist als Problem längst bekannt. Besonders groß ist die Gefahr in den Morgenstunden nach Regenfällen im Sommer. Dann halten sich viele Tiere auf feuchten Straßen auf, vorausgesetzt die Temperaturen sind hoch genug. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) hatte untersucht, wo und wann die Amphibien besonders gefährdet sind. Die Untersuchungsergebnisse sollen demnächst vorgestellt werden. Dann soll auch beraten werden, wie die Alpensalamander besser geschützt werden können.

Dem bis zu 15 Zentimeter langen, schwarzen Alpensalamandern droht zudem noch eine ganz andere Gefahr: Eine Pilzkrankheit greift seit Jahren um sich, hat den Alpenraum aber noch nicht erreicht. Dabei wird die Haut der Schwanzlurche befallen und extrem geschädigt, sodass erkrankte Tiere nach kurzer Zeit sterben. Dieser Pilz sei im Unterallgäu bereits bei Kammmolchen nachgewiesen worden, sagt der Oberallgäuer Diplom-Biologe Hennig Werth.

Alpensalamander lebt in Höhenlagen bis zu 2100 Meter

Der Alpensalamander lebt vorwiegend in feuchten Bergwäldern und Bergschluchten in Höhenlagen zwischen 600 und 2100 Metern. Steine, Felsen und Totholz dient den Tieren als Versteck. Auf feuchten und lockeren Waldböden graben sich die Bergmännle ein. Auch nutzen sie Mäusebauten als Versteck. Die schwarzen Amphibien bringen ihre voll entwickelten Jungen lebend zur Welt. Die Jungtiere sind vier bis fünf Zentimeter lang. Abhängig von der Höhenlage dauert die Tragzeit der Weibchen zwei bis vier Jahre. Bergmännle können über 15 Jahre alt werden. „Durch die geringe Reproduktionsrate und die lange Lebenszeit können sich negative Auswirkungen auf die Population erst Jahrzehnte später bemerkbar machen“, erläutert Biologin Brigitte Kraft vom LBV.

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