Jede zweite Alpe im Allgäu ist dabei

Bereits 74 Älpler servieren nur noch Regionales - wie vor 20 Jahren Gäste die Aktion auslösten

Alpe Oberberg

Auch Familie Beck von der Alpe Oberberg in Blaichach-Gunzesried (Kreis Oberallgäu) macht beim Allgäuer Alpgenuss mit. Auf den Tisch kommen nur Lebensmittel aus der Region. So lässt sich das Bergpanorama auf jeden Fall genießen.

Bild: Ralf Lienert

Auch Familie Beck von der Alpe Oberberg in Blaichach-Gunzesried (Kreis Oberallgäu) macht beim Allgäuer Alpgenuss mit. Auf den Tisch kommen nur Lebensmittel aus der Region. So lässt sich das Bergpanorama auf jeden Fall genießen.

Bild: Ralf Lienert

Lebensmittel aus dem Allgäu statt Ware vom Discounter: Jetzt machen schon 74 Älpler mit. Wie die Idee aufkam und wie die Mitgliedsalpen kontrolliert werden.
15.08.2021 | Stand: 08:35 Uhr

Als der Verein Allgäuer Alpgenuss vor 14 Jahren gegründet wurde, hat wohl niemand geglaubt, dass die Mitgliederzahl der teilnehmenden Betriebe so nach oben schnellen würde. Inzwischen macht jede zweite Alpe im Oberallgäu, die im Besitz einer Bewirtungskonzession ist, mit: 74 sind das zur Zeit. Diese Betriebe haben sich verpflichtet, bei der Bewirtung ihrer Gäste nur Regionales auf den Tisch zu bringen. Das geht beim Brot, Fleisch oder Käse los und hört beim Bier oder Schnaps auf. Die Waren müssen von „Partnerlieferanten“ stammen, erläutert Alpgenuss-Vereinsvorsitzender Alois Ried, Bürgermeister von Ofterschwang im Oberallgäu. Wanderer und Radfahrer erkennen die teilnehmenden Alpen am Logo des Vereins.

Mit Elena Dornach hat der Zusammenschluss inzwischen eine hauptamtliche Geschäftsführerin. Vor allem in der Corona-Zeit habe der Beratungsbedarf von Älplern stark zugenommen, erzählt Ried. Beispielsweise ging es darum, wie die vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregelungen eingehalten werden können, was erlaubt und was verboten ist.

Gäste beschweren sich über Discounter-Ware

Es waren ausgerechnet Gäste, die vor etwa 20 Jahren mit dazu beitrugen, dass es zur Gründung des Zusammenschlusses kam. Beschwerden gingen damals ein, dass auf manchen Alpen Discounter-Ware auf den Tisch kam statt authentischer, regionaler Produkte aus dem Allgäu. Der Gipfel: Statt Bergkäse wurde ausgerechnet in der Käse-Region Allgäu mancherorts Supermarkt-Ware aufgetischt – „oder es gab gekauften Fertig-Wurstsalat“, berichtet Ried (54) und schüttelt den Kopf.

Partnerlieferanten des Vereins sind viele Lebensmittel-Hersteller, darunter Bäckereien, Metzgereien und Brauereien, Sennereien sowieso. „Die Wertschöpfung soll im Allgäu bleiben“, sagt Ried. Genauso wie die Älpler selbst beteiligen sich auch die Lieferanten über die Vereinsbeiträge an den Kosten des Projekts – darüber hinaus gibt es über das Oberallgäuer Landratsamt eine finanzielle Förderung durch die EU.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – dieses Motto gilt auch beim Alpgenuss. So werden die Mitgliedsalpen denn auch regelmäßig unangemeldet überprüft. Geschäftsführerin Elena Dornach und Zweite Vereinsvorsitzende Theresia Schwarz werfen dann einen Blick in den Kühlschrank oder Keller. „Das sind Kontrollen mit Augenmaß“, erläutert Ried. Im Wesentlichen sei überall alles in Ordnung: „Diejenigen, die bei uns dabei sind, haben nichts zu verbergen“, ist der Bürgermeister überzeugt.

Allgäuer Alpgenuss: "Man wird ständig dranbleiben müssen"

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Immer mehr Alpgenuss-Alpen und Partnerlieferanten: Ob der Verein irgendwann überflüssig ist, weil Regionalität selbstverständlich geworden ist? Alois Ried glaubt das nicht: „Man wird ständig dranbleiben müssen, um Älpler und Verbraucher zu überzeugen und zu sensibilisieren.“

Den Kunden und Gästen komme dabei eine Schlüsselrolle zu. Sie müssten bereit sein, für gute und regionale Qualität etwas mehr zu zahlen und die handwerkliche Arbeit beispielsweise von Sennern, Bäckern oder Metzgern zu honorieren. „Immer noch billiger geht nicht“, fordert Ried eine Abkehr von der „Geiz-ist-geil“-Mentalität.

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