Das wird aus Fieberambulanz und Co.

Allgäuer Arzt zu Notfall-Plänen in Kliniken: "Bilder wie in Bergamo wollte niemand"

Corona  Fieberambulanz

Innerhalb von nur zehn Stunden könnten in der Kemptener Big Box wieder Räume für eine Notfallversorgung bereitgestellt werden.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Innerhalb von nur zehn Stunden könnten in der Kemptener Big Box wieder Räume für eine Notfallversorgung bereitgestellt werden.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Um viele Corona-Patienten versorgen zu können, wurden für die Allgäuer Kliniken umfangreiche Konzepte entwickelt. Sie können der Region auch in Zukunft helfen.

10.06.2020 | Stand: 12:49 Uhr

„Wir haben nahezu keine Corona-Patienten in den Krankenhäusern, eine Steuerung ist im Moment nicht notwendig“, sagt Gerhard Zipperlen. Als Ärztlichem Leiter im Gebiet des Allgäuer Rettungszweckverbandes obliegt es ihm unter anderem, die Patientenströme zu koordinieren. „Bilder wie in Bergamo wollte niemand“, sagt er. In der italienischen Stadt waren die Leichenhäuser zeitweise überfüllt, Särge mussten in einer Kirche zwischengelagert und vom Militär abtransportiert werden. „Um so etwas hier zu verhindern, wurde die Intensiv-Kapazität an den Krankenhäusern aufgerüstet und eine Koordination geschaffen, um Patientenströme regional und überregional steuern zu können. Das gab es vorher nicht.“

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Zunächst galt es, die Kapazitäten an den Kliniken zu erweitern. Zudem wurden Reha-Kliniken zu Hilfskrankenhäusern erklärt. In der Big Box in Kempten war zeitweise eine Fieberambulanz untergebracht, die aber nicht öffnen musste. Mittlerweile wird an den Kliniken wieder der Regelbetrieb hochgefahren. Formell ändere sich laut Zipperlen aber nichts. Die Hilfskrankenhäuser behalten ihren Status, genau wie die Häuser in Kempten, Immenstadt, Kaufbeuren, Füssen und Lindenberg weiter Schwerpunktkliniken bleiben. „Das Kochrezept, wie bei einem großen Patienten-Anfall vorzugehen ist, bleibt.“

Corona-Pläne wertvoll für die Zukunft

Auch wenn sich die Lage bislang nicht so entwickelt hat wie befürchtet: Die Konzepte können in Zukunft wertvoll sein. „Wir sind besser gerüstet. All das zu erarbeiten, braucht Zeit. Jetzt müssen wir die Konzepte im Ernstfall nur noch aus der Schublade ziehen“, sagt Zipperlen. Das gelte nicht nur für Corona: „Auch wenn jetzt in einer Klinik ein Feuer ausbrechen würde, wüssten wir, wohin mit den Patienten“, nennt Zipperlen ein Beispiel. Alarmpläne hat es zwar schon immer gegeben – der Mediziner denkt daran, wie 1999 das Immenstädter Krankenhaus wegen des Pfingsthochwassers evakuiert werden musste. „Jetzt haben wir aber Pläne mit anderem Ausmaß.“ Beispiel Big Box: Laut Stadt Kempten könnte innerhalb von zehn Stunden wieder eine Ambulanz eingerichtet werden.

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Zipperlen steht in engem Kontakt mit dem Ärztlichen Leiter des Bezirk Schwaben und seinen Kollegen der Leitstellen Donau-Iller und Augsburg. „Wir hätten auch zwischen den Regionen Patienten vermitteln können.“ Bislang hätten sich nur einzelne Kliniken ausgeholfen, wenn etwa nach einem Unfall mehrere Schwerverletzte gleichzeitig aufgenommen werden mussten. Jetzt gebe es eine bessere Koordination. Zunächst war Zipperlen bis 15. Mai bestellt, jetzt wurde sein Auftrag als Ärztlicher Leiter vorerst bis Ende Juli verlängert.