Nach Attacke in Füssen

Allgäuer Hundetrainerin: "Bei Angriff möglichst nicht bewegen"

In Füssen wurde ein Polizist von einem Hund attackiert. Hundetrainerin Sandra Mendler im Interview über bellende und beißende Hunde.

Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

In Füssen wurde ein Polizist von einem Hund attackiert. Hundetrainerin Sandra Mendler im Interview über bellende und beißende Hunde.

Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

Im Allgäu kam es vermehrt zu Hunde-Angriffen. Doch wann greifen Hunde an und wie verhält man sich am besten? Die Hundetrainerin Sandra Mendler gibt Antworten.

18.05.2020 | Stand: 10:46 Uhr

Es war ein Vorfall, der bei vielen Menschen für Bestürzung und Kopschütteln sorgte: In Füssen hat ein Polizist vergangene Woche einen Hund erschossen. Das Tier hatte den Beamten attackiert (wir berichteten). Der Malinois rannte in einem Füssener Park auf den Mann zu und sprang ihn an. Der Polizist in Zivil gab zwei Schüsse aus seiner Dienstwaffe ab. "Ich gehe davon aus, dass unsere Hündin uns nur beschützen wollte", sagte die Besitzerin des getöteten Hundes im Gespräch mit unserer Zeitung. Hundetrainerin Sandra Mendler (46)  spricht hingegen von einem "falsch geprägten Sozialverhalten". Was Hunde dazu bringt anzugreifen und wie man sich bei einer Attacke am besten verhält, verrät die Leiterin der "Hundeschule Allgäu" in Altusried im Interview. 

Frau Mendler, wie haben Sie den Vorfall in Füssen empfunden?

Sandra Mendler: Ich finde eine solche Situation ist grundsätzlich vermeidbar, wenn Hunde in öffentlichen Räumen angeleint sind. Es ist durchaus beängstigend, wenn ein Schäferhund auf einen zuspringt. In diesem Fall hat es einen Polizisten getroffen. Es hätte aber auch eine Mutter mit Kind sein können. Der Hund kann einem insofern leidtun, weil er nicht angeleint war. 

Was bringt einen Hund dazu, fremde Menschen anzugreifen?

Mendler: Es handelt sich hier um ein falsch geprägtes Sozialverhalten des Hundes. Es kann sein, dass er schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hat. Einfache Sachen wie ein langer dunkler Mantel oder ein Hut können den Hund bereits provozieren und verrückt machen, sodass er sein Ziel anfällt und beißt. 

Sandra Mendler leitet die Hundeschule Allgäu in Altusried.
Sandra Mendler leitet die Hundeschule Allgäu in Altusried.
Bild: Sandra Mendler

Kann so etwas ganz plötzlich kommen oder gibt es erste Anzeichen?

Mendler: Ein Hund kann sich von seinem Wesen verändern. Wenn er beispielsweise Schmerzen hat oder krank ist. Sobald er Agressionen zeigt, sollte er an die Leine genommen werden. Erste Anzeichen sind Knurren, Zurückweichen und Bellen. Hunde geben akkustische Signale. Zubeißen tun sie erst in der letzten Instanz. 

Wie sollte man sich am besten verhalten, wenn ein fremder Hund auf einen zugerannt kommt?

Mendler: Das kommt immer auf die Größe des Hundes an. Es macht schließlich einen Unterschied, ob ein ausgewachsener Schäferhund mit gefletschen Zähnen oder ein kleiner Dackel auf einen zugerannt kommt. Grundsätzlich gilt: stehenbleiben und möglichst wenig bewegen. Schutzhunde sind beispielsweise darauf trainiert, zuzubeißen, wenn das Gegenüber seinen Arm bewegt. Aber in der Nähe des Besitzers sollte so etwas eigentlich gar nicht vorkommen. 

Warum?

Mendler: Der Hund sollte dem Besitzer untergeordnet sein. Bei einer guten Leinenführigkeit ist das Tier gut an den Besitzer angebunden und in der Regel auch gehorsam. Die Verbundenheit bringt Kontrolle und das Tier ist dadurch vermeintlichen Gefahren wie dunkel gekleideten Menschen gegenüber wesentlich gelassener. Dadurch fühlen sich alle Beteiligten wohler. Im öffentlichen Räumen sollten Hunde immer angeleint sein. Nach den gesetzlichen Regelungen besteht auch in Parks und auf Spielplätzen eine Leinenpflicht. Seit März ist Brut- und Setzzeit. Da sollten Hunde auch nicht frei herumlaufen. Leider halten sich viel zu wenige daran. 

Welche Übungen empfehlen Sie Hundebesitzern, die noch unerfahren sind?

Mendler: Ich empfehle jedem Besitzer, eine Hundeschule zu besuchen. Es gibt einen Hundeführerschein, bei dem auch theoretisches Wissen vermittelt wird. Zudem ist es immer gut, die örtlichen Begebenheiten mit dem Hund kennenzulernen. Ein zufriedener Hund sorgt für mehr Lebensqualität. 

 

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