Medizin

Mit Künstlicher Intelligenz gegen den Krebs

In der endoskopischen Diagnostik und Therapie hat es in den vergangenen Jahren große Fortschritte gegeben.

In der endoskopischen Diagnostik und Therapie hat es in den vergangenen Jahren große Fortschritte gegeben.

Bild: Klinikverbund Allgäu

In der endoskopischen Diagnostik und Therapie hat es in den vergangenen Jahren große Fortschritte gegeben.

Bild: Klinikverbund Allgäu

Beim Allgäuer Onkologentag stehen Innovationen im Mittelpunkt. Roboter werden künftig Ärzten assistieren. Das soll Behandlungen präziser machen.
08.10.2021 | Stand: 19:00 Uhr

Denkt man an Roboter, kommt einem wohl eher der Staubsauger in den Sinn, der durch die eigenen vier Wände fährt, während man selbst in der Arbeit ist – oder die großen, orangefarbenen Greifarme, die an den Fließbändern der deutschen Autoindustrie brav ihren Dienst verrichten. Doch auch in der Medizin werden Roboter eingesetzt, die Künstliche Intelligenz spielt hier ebenfalls eine Rolle.

„In der Erkennung, aber auch der Behandlung von Tumor-Erkrankungen gibt es derzeit große Paradigmenwechsel“, sagt Professor Christian Langer, Facharzt für Innere Medizin am Kemptener Klinikum. Dort findet am Samstag der dritte Allgäuer Onkologentag statt, die Fachtagung steht diesmal ganz im Zeichen dieser tiefgreifenden Veränderungen. „Durch den Einsatz von Robotern, Künstlicher Intelligenz und der Immuntherapie haben wir neue Möglichkeiten“, sagt Langer.

Da Vini-Roboter hilft, Nervengeflechte zu schonen

So ermögliche das robotische System Da Vinci komplexe Operationen, die bislang nur über große Schnitte durchgeführt werden konnten. Das gelingt Langer zufolge durch eine hochauflösende 3D-Sicht und durch sehr bewegliche Präzisionsinstrumente. „Die Operationen werden dadurch präziser“, sagt Langer. Davon profitierten vor allem die Patienten, da empfindliche Strukturen wie Nervengeflechte besser identifiziert und damit geschont werden könnten.

Doch nicht nur bei Operationen kommen Fortschritte den Erkrankten zugute. „Bei manchen Tumorpatienten ist eine Heilung leider nicht möglich“, sagt Langer. Hier sei die klassische Chemotherapie jahrelang das einzige Mittel gewesen. „Sie gleicht aber eher einem Kahlschlag, der möglichst viele bösartige Zellen töten soll, bei dem aber auch andere Zellen geschädigt werden.“

Immuntherapie kann Chemotherapie bei manchen Tumoren ersetzen

Die Immuntherapie funktioniert anders. Hier werde das Immunsystem durch Infusionen „spezifisch so aktiviert, dass es die Tumorzellen erkennt und sie im besten Fall zerstört“. Bei manchen Tumoren könne man dadurch bereits komplett auf eine Chemotherapie verzichten. Bei der Vorsorge soll Künstliche Intelligenz (KI) den Ärzten künftig über die Schulter schauen. Die Darmkrebsvorsorge sei zwar sehr erfolgreich, sagt Dr. Marc Nguyen-Tat. Er ist Chefarzt für Gastroenterologie am Kemptener Klinikum. Der Erfolg bei der Suche nach bestimmten Polypen, also potenziellen Krebsvorstufen, hängt dem Arzt zufolge aber von mehreren Faktoren ab, auch die Erfahrung des Arztes sei wichtig. Manche Polypen seien tückisch und wachsen flach auf der Darmschleimhaut, „man erkennt sie deshalb manchmal erst auf den dritten oder vierten Blick“. Aus übersehenen Polypen kann Krebs werden – und Patienten könnten trotz absolvierter Vorsorge erkranken.

Darmkrebsvorsorge: Künstliche Intelligenz schneller als der Mediziner

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Genau das soll die KI künftig verhindern. Sie untersucht das Videobild anhand zahlreicher Merkmale und markiert Stellen, an denen Polypen sitzen, mithilfe eines Kästchens auf dem Bildschirm. „Neue Systeme sind dabei sogar schneller als der Mediziner selbst und haben eine sehr hohe Trefferquote“, sagt Nguyen-Tat. Ab 2022 werde man die Technologie am Kemptener Klinikum einsetzen.

Die KI lernt außerdem dazu – und kann erkennen, ob es sich um einen gefährlichen oder harmlosen Polypen handelt. Heute brauche man dafür eigene Untersuchungen. Die KI habe das Potenzial, dass man künftig harmlose Polypen wahrscheinlich nicht mehr entfernen müsse und sich auf das Abtragen der gefährlichen konzentrieren könne. Doch schon jetzt ist sie eine wertvolle Unterstützung für den Arzt. Für Patienten steige die Qualität der Untersuchung, die Vorsorge „wird noch effektiver“, sagt Nguyen-Tat.

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