"Häufig unterschätztes Absturzrisiko"

Schnee in höheren Lagen: Wo er noch liegt und was Bergwanderer beachten sollten

Blick an Pfingsten 2022 in die Allgäuer Alpen mit dem Schneck (r.) und dem Großen Krottenkopf (hinten links). In höheren Lagen liegt durchaus noch Schnee.

Blick an Pfingsten 2022 in die Allgäuer Alpen mit dem Schneck (r.) und dem Großen Krottenkopf (hinten links). In höheren Lagen liegt durchaus noch Schnee.

Bild: Kristian Rath

Blick an Pfingsten 2022 in die Allgäuer Alpen mit dem Schneck (r.) und dem Großen Krottenkopf (hinten links). In höheren Lagen liegt durchaus noch Schnee.

Bild: Kristian Rath

Kaum ein Frühjahr, das den Winter so schnell vertrieben hat, wie in diesem Jahr. Doch es gibt sie noch, die Altschneefelder - und die können tückisch sein.
08.06.2022 | Stand: 07:01 Uhr

Des einen Leid, des anderen Freud'. Normalerweise gehen sich um diese Jahreszeit noch allerletzte Skitouren in den Allgäuer Alpen aus. Doch in diesem Frühjahr ist rund einen Monat früher Schluss. Ein in vielen Gebieten schneearmer Winter und ein überdurchschnittlich warmes Frühjahr sorgen dafür, dass die Bergwander-Saison in mittleren Lagen bereits begonnen hat.

Bergsteigen im Allgäu: Wo in diesem Frühjahr noch Schnee liegt

Mancher Bergwanderer schielt vermutlich schon in Richtung Hochlagen. "Es liegen schon noch Altschneefelder, aber deutlich weniger als letztes Jahr um diese Zeit", sagt der Hindelanger Bergexperte Kristian Rath. Vor allem in östlichen Expositionen liegt durchaus noch Schnee. Mit ein Grund dafür ist, dass es in den Wintermonaten bei Stürmen aus Südwesten umfangreiche Schneeverfrachtungen gegeben hat. So waren bereits im Frühjahr viele Westseiten abgeblasen, dahinter lag in östlichen und nordöstlichen Rinnen und Mulden der Schnee dafür umso höher.

Deshalb sollten, so Rath, Touren in höheren Lagen gut geplant werden. Denn bereits eine kurze schneegefüllte Rinne, die Bergwanderer derzeit ost- oder nordseitig queren müssen, kann schnell zur Gefahr werden. Mit Schneefeldern müssen Bergwanderer vor allem in den Hochlagen der Allgäuer Alpen rechnen. Beispielsweise im Gebiet um das Giebelhaus, das ohnehin ein richtiges Schneeloch gilt. Aber auch am Allgäuer Hauptkamm sollte man vor allem bei Touren von Norden aus noch auf Altschnee gefasst sein.

Das sind leider nicht alle Wanderer in den Allgäuer Alpen. Allein in den vergangenen Tagen waren Allgäuer Bergretter nach einem ersten Überblick mehr als zehn Mal im Einsatz, um Bergwanderer, die sich verstiegen hatten, von Schneefeldern zu bergen.

Alpenverein gibt im Video Tipps zum Queren von Schneefeldern

"Altschneefelder stellen ein häufig unterschätztes Absturzrisiko dar", heißt es vom österreichischen Alpenverein. In einem Video informiert er, was es beim Queren von Schneefeldern zu beachten gilt. Und wie man am besten reagiert, falls man doch einmal ins Rutschen kommt.

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Altschnee in den Allgäuer Alpen wird zur Gefahr für Wanderer

"Bei einem Rutsch über einen 40 Grad steilen Firnhang erreicht man beinahe freie Fallgeschwindigkeit“, sagt Michael Larcher, Leiter der Bergsportabteilung im österreichischen Alpenverein. „Auch bereits flachere Hänge mit 30 Grad Neigung bergen ein Risiko, welches den wenigsten Wanderern bewusst ist.“ Auf den eisigen Flächen kann man kaum mehr bremsen, auch wenn sie auf den ersten Blick gar nicht so steil wirken. „Ein Ausrutscher auf einem Schneefeld, das in felsdurchsetztes Gelände oder gar in einen Steilabbruch übergeht, kann schwerwiegende Folgen haben“, so Larcher.

Nassschneelawinen sind auch späten Frühjahr möglich

Neben Altschneefeldern sollten Bergwanderer auch mit vereinzelten Lawinen rechnen. "Skitourengeher informieren sich meist über die Lawinengefahr und kennen sich gut damit aus. Viele Bergwanderer haben das aber meistens nicht auf dem Schirm", sagt Kristian Rath. "Während die letzten Tourengeher meist auf die Zeichen achten, nicht unter den Rissen durchqueren, latschen die ersten Wanderer oft völlig unbekümmert unter den Anrissen hindurch", so Rath. Das Problem im Frühjahr: Nassschneelawinen müssen keine größeren Ausmaße haben, um gefährlich zu werden. Denn der Schnee ist tonnenschwer.

Ein Lawinenabgang am Schneck in der letzten Maiwoche 2022.
Ein Lawinenabgang am Schneck in der letzten Maiwoche 2022.
Bild: Kristian Rath

Schnee im Frühjahr: Diese Ausrüstung sollten Bergwanderer dabei haben

Auf Touren im Frühjahr sollten Bergwanderer nur gut ausgerüstet gehen. Neben Teleskopstöcken sorgen sogenannte Grödeln oder Eisspikes für besseren Halt auf Altschnee. Noch besser sind Leichtsteigeisen, die man auf Bergschuhe oder mittlerweile sogar auf die immer beliebter werdenden Trailrunningschuhe montieren kann. Weitere Experten-Tipps zur Ausrüstung und Tourenplanung finden Sie hier.

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