Kommentar

Amazon will sich in Memmingen ansiedeln: Warum das keine gute Nachricht ist

AZ-Redaktionsleiter Uli Hagemeier kommentiert die Pläne von Amazon, am Memminger Flughafen ein Verteilzentrum zu bauen.

AZ-Redaktionsleiter Uli Hagemeier kommentiert die Pläne von Amazon, am Memminger Flughafen ein Verteilzentrum zu bauen.

Bild: Ralf Lienert

AZ-Redaktionsleiter Uli Hagemeier kommentiert die Pläne von Amazon, am Memminger Flughafen ein Verteilzentrum zu bauen.

Bild: Ralf Lienert

Amazon will am Memminger Flughafen ein Verteilzentrum bauen. AZ-Redaktionsleiter Uli Hagemeier findet, dass das keine gute Nachricht ist.
04.12.2020 | Stand: 07:24 Uhr

Grundsätzlich ist es eine gute Nachricht, wenn Unternehmen sich im Allgäu ansiedeln wollen. Für Amazon und das Gewerbegebiet am Flughafen gilt das jedoch in mehrfacher Hinsicht nicht:

Amazon ist der größte Feind des Einzelhandels, der Versandriese zerstört dessen Lebensgrundlagen. Das Argument, die Welt wandle sich und auf ein verändertes Kundenverhalten müssten sich auch die Händler einstellen, greift zu kurz. Denn Aufenthaltsqualität in unseren Gemeinden und Städten schaffen auch Handel und Gastronomie, und wie schnell die Zentren an Anziehungskraft verlieren, sehen wir jetzt gerade, wo die Gastronomie weitgehend dicht ist.

Eine Besonderheit am Allgäu Airport

Das Gewerbegebiet am Airport ist eine Besonderheit: Die Kommunen aus dem Allgäu haben es von der Flughafengesellschaft gekauft, um dieser finanziell das Überleben zu sichern. Kommunalpolitiker haben ihr Kirchturmdenken beiseite und sich ins Zeug gelegt, damit der Allgäu Airport eine Zukunft hat – und nun soll auf dieser Fläche etwas entstehen, das die Zukunft ihrer Innenstädte bedroht?

Verschwindet der Einzelhandel, dann verschwinden auch Steuereinnahmen und Jobs. Das kann kein Bürgermeister, kein OB, kein Landrat und kein Ratsmitglied wollen.

Wirtschaftlich spricht auch wenig dafür, Amazon willkommen zu heißen: Die Firma verbraucht viel Fläche für wenige Arbeitsplätze, ist spezialisiert auf Steuervermeidung und drückt sich geschickt um einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens.

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