Memmingen

An Hühnchen und in der Höhe für den Notfall trainieren

Notfallsymposium Mehr als 300 Mediziner und Rettungskräfte bilden sich in der Memminger Stadthalle weiter
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Von Verena Kaulfersch
13.10.2019 | Stand: 16:17 Uhr

Einen Verletzten in Höhen und Tiefen aus unwegsamer Umgebung bergen: Wie das funktioniert, zeigte ein Rettungstechniker bei einem Workshop auf einem eigens errichteten Gerüst vor der Stadthalle. Drinnen wurde beispielsweise an einem Hühnerbrustkorb geübt, wie man eine lebensrettende Drainage bei einem Neugeborenen legt. Beim 8. Notfallsymposium „Notfallgäu“ in Memmingen haben sich an zwei Tagen mehr als 300 Teilnehmer über verschiedene Szenarien und Methoden der Versorgung fortgebildet.

Diese Möglichkeit nutzten laut Dr. Rupert Grashey, Leiter der Notfallklinik am Memminger Klinikum, Mitarbeiter von Rettungsdiensten, Ärzte und Notfallpflegekräfte, aber auch Schüler und Studenten. Angereist waren sie dem Leiter des Symposiums zufolge nicht nur aus Süddeutschland, sondern auch aus Vorarlberg, Tirol und der Schweiz. Bei Workshops und Seminaren am Freitag stand die Praxis im Vordergrund: so zum Beispiel bei Gipskursen oder einem Geburtshilfe-Seminar, bei dem mit Hilfe eines Simulators verschiedenste Situationen nachgestellt wurden.

Entwicklungen in der Notfallversorgung – auch solche, die in jüngster Zeit durch die Politik angestoßen wurden – griffen mehrere Vorträge am Samstag auf. Sie setzten sich etwa mit neuen Mindestanforderungen und Veränderungen in den Notaufnahmen der Krankenhäuser auseinander, aber auch mit der Notfallpflege und deren Aufgabengebiet. Überdies ging es etwa um Fallstricke bei der Versorgung alter und mehrfach erkrankter Menschen sowie Schwerverletzter.

Als wichtigen Aspekt nannte Grashey auch Notfälle mit Kindern: „Solche Einsätze kommen selten vor und viele Kollegen haben vergleichsweise wenig Erfahrung damit.“ Um dies auszugleichen, sei die Beschäftigung mit dem Thema entscheidend. Einen Blick über den Tellerrand boten laut Grashey die Ausführungen eines Experten zur Offshore-Rettung, etwa in Windparks oder Industrieanlagen vor der Küste. „Da gibt es auch durchaus Ansätze und Ideen, die für uns übertragbar sind: Denn Wetterextreme, schlechte Sicht und fehlende Notlandeplätze sind Faktoren, mit denen wir es ebenso zu tun haben – zum Beispiel im alpinen Bereich.“ Und die Frage „Wie fliege ich bei der Luftrettung eine Windkraftanlage an?“ stelle sich hier genauso wie in Norddeutschland.

Die Breite der Themen, die an beiden Tagen abgedeckt wurde, spiegelt laut Grashey die Breite der Herausforderungen wider, denen die Notfallmedizin gegenübersteht. Immer wieder änderten sich Strategien – etwa bedingt durch neue Möglichkeiten der Auswertung – und bisherige Sichtweisen würden durch neue ersetzt: „Darum ist das jährliche Symposium absolut sinnvoll.“

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