Arbeitsmarkt im Allgäu

Das Allgäu hat ein „enormes wirtschaftliches Potenzial“ - doch der Fachkräftemangel ist ein großes Problem

Agentur für Arbeit Kempten

Die Pandemie führte zu einem Ansturm aufs Kurzarbeitergeld, der auch in den Arbeitsagenturen zu spüren war – in Form deutlich aufgestockter Abteilungen.

Bild: Martina Diemand (Archivbild)

Die Pandemie führte zu einem Ansturm aufs Kurzarbeitergeld, der auch in den Arbeitsagenturen zu spüren war – in Form deutlich aufgestockter Abteilungen.

Bild: Martina Diemand (Archivbild)

Zwischen Kurzarbeit und Fachkräftemangel: Nicht nur die Inzidenz, auch der Arbeitsmarkt im Allgäu schwankte 2021 - und erreichte dennoch eine Bestmarke.
05.01.2022 | Stand: 04:45 Uhr

2021 war auf dem Arbeitsmarkt im Allgäu ein Jahr mit mehreren Gesichtern. Es begann mit vergleichsweise hoher Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. So bezogen im Februar 2021 mehr als 4700 Unternehmen für 37.000 Beschäftigte in der Region Kurzarbeitergeld. Die Zahl der Arbeitslosen war im Januar 2021 gar auf annähernd 13.900 gestiegen – und lag damit 31 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

„Zu Jahresbeginn hatten wir hohe Zahlen an Kurzarbeitern, auch durch den Lockdown“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. Damals hatten Gaststätten, Hotels, Textilgeschäfte und Friseure geschlossen – doch auch das verarbeitende Gewerbe war vielerorts von Kurzarbeit betroffen.

Arbeitsmarkt im Allgäu: Fachkräftemangel löst Kurzarbeit ab

Es folgte jedoch eine Erholung im Zeitraffer. So zeigte sich mit Beginn der Lockerungen ab dem späten Frühling laut Agenturleiterin Amtmann „das enorme wirtschaftliche Potenzial“ des Allgäus. Die Zahl neu gemeldeter Arbeitsstellen habe Höchststände erreicht, in einigen Regionen waren die Arbeitslosenquoten niedriger als im Vorkrisenjahr 2019.

Dadurch wurde jedoch ein anderes Problem akut: fehlende Fachkräfte. „Arbeitskräftemangel ist in diesem Jahr zum drängendsten Problem der Allgäuer Unternehmen geworden“, sagt Amtmann. Und zwar nicht nur in den Bereichen Hotellerie, Gastronomie und Pflege. „Auch Logistik und verarbeitendes Gewerbe suchen händeringend nach Fachkräften.“

Arbeitsagentur Kempten-Memmingen zufrieden mit 2021

Ab Herbst stiegen die Inzidenzzahlen jedoch wieder und es traten neue Beschränkungen in Kraft. Das hatte laut Amtmann zweierlei Auswirkungen: Einen verstärkten Fachkräftemangel in der Pflege, während geringe Gästezahlen in Hotels und Gaststätten sowie Lieferschwierigkeiten im verarbeitenden Gewerbe mehr Kurzarbeit zur Folge hatten. Das führte laut Amtmann zu „deutlichen Verschiebungen zwischen den Branchen“.

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Bei der Arbeitsagentur blickt man dennoch zufrieden auf 2021 zurück. Vor allem aus Arbeitnehmersicht sei die Entwicklung „erfreulich“, so Amtmann. Zwar sei die durchschnittliche Arbeitslosenquote von 2,9 Prozent im Allgäu hoch – das „liegt aber am hohen Wert zum Jahresbeginn“.

Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren gesunken

Damit lag der Wert 0,2 Prozentpunkte unter 2020, aber immer noch 0,5 über dem Vorkrisenjahr 2019. Im Schnitt waren vergangenes Jahr 11.242 Allgäuerinnen und Allgäuer arbeitslos gemeldet, 857 weniger als 2020. Gleichzeitig stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Allgäu zum Stichtag am 30. Juni 2021 auf 281.535 Menschen – den höchsten Stand seit drei Jahren. Damit übertraf die Region auch das Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 um 1,3 Prozent.

Davon profitierten vor allem junge Menschen, die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren sank im Jahresdurchschnitt von 1392 auf 1138. Bei Menschen über 55 Jahren sah es dagegen anders aus, hier stieg der Jahresschnitt von 3276 auf 3469.

Pandemie sorgte auch in der Arbeitsagentur für Veränderungen

In Anbetracht der Rahmenbedingungen sei man „sehr zufrieden“ mit dem vergangenen Jahr, sagte Amtmann – auch wenn momentan die Nachfrage nach Kurzarbeit wieder steige, vor allem Hotellerie und Gastronomie seien hier betroffen.

Damit veränderte die Pandemie auch die Arbeitsagentur selbst. Das Kurzarbeitergeld, erklärt Amtmann, „war früher ein Saisongeschäft“ – um das sich vergleichsweise kleine Abteilungen kümmerten. (Lesen Sie auch: Bankenpräsident: Mehrere Jahre höhere Inflationsraten)

Corona "hat uns hier auch zusammengeschweißt"

So waren es in der Agentur Kempten-Memmingen zuvor fünf Mitarbeiter, die sich mit Kurzarbeit befassten – zu Spitzenzeiten während der Coronakrise waren es dagegen bis zu 80. Die Pandemie, sagt Amtmann, „hat uns hier auch zusammengeschweißt“. (Lesen Sie auch: Bauernhöfe und Berghütten setzen auf Digitalisierung - auch gegen den Fachkräftemangel)