B12-Ausbau

"Ausbau ist alternativlos": Allgäuer Wirtschaft macht sich für vierspurige B12 stark

B 12 Verkehr

Der B12-Ausbau ist ein großes Streitthema im Allgäu.

Bild: Mathias Wild

Der B12-Ausbau ist ein großes Streitthema im Allgäu.

Bild: Mathias Wild

Die Allgäuer Wirtschaft profitiert vom B12-Ausbau - das ist das klare Statement von IHK-Vertretern. Was sie zu den Protesten sagen.

31.07.2020 | Stand: 05:19 Uhr

Führende Vertreter der Allgäuer Wirtschaft stellen sich geschlossen hinter den vierspurigen Ausbau der B 12 zwischen Kempten und Buchloe. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) reagiert damit auf die jüngste Kritik am autobahnähnlichen Ausbau sowie dem geplanten Flächenverbrauch.

Wie berichtet, laufen seit mehreren Jahren die Vorbereitungen für die Verbreiterung der 51 Kilometer langen Hauptachse. Sie rangiert im Bundesverkehrswegeplan seit 2016 in der Kategorie „vordringlich“ und genießt daher höchste Priorität. Kalkulierte Kosten: 345 Millionen Euro. Im nördlichen Bauabschnitt nahe Buchloe ist bereits das Planfeststellungsverfahren eröffnet, hier läuft aktuell das öffentliche Beteiligungsverfahren. Bereits Ende 2021 ist ein Baubeginn denkbar. Ein gutes Jahr später soll die B 12 im Abschnitt zwischen Kempten und Wildpoldsried (Oberallgäu) ausgebaut werden. Bis vor wenigen Monaten waren in den sechs Bauabschnitten kaum öffentliche Bedenken gegen das Projekt zu hören.

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„Diese Straße ist ein Anliegen der Unternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen im östlichen und südlichen Allgäu“, betonen nun die IHK-Regionalvorsitzenden Peter Leo Dobler (Kaufbeuren-Ostallgäu) und Markus Brehm (Kempten-Oberallgäu). Der Ausbau sei alternativlos. Und weiter: „Es bringt nichts, jetzt noch einmal 20 Jahre alte Argumente auszutauschen“, erklärt Brehm mit Blick auf die in einigen Gemeinden aufgeflammten Proteste und das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt bei Buchloe. „Es gab und gibt einen breiten gesellschaftlichen Konsens im Allgäu, dass der Ausbau der B 12 erforderlich ist – für die Erreichbarkeit der Wirtschafts- und Tourismusregion Allgäu ebenso wie für die Sicherheit der Menschen, die dort fahren“, so Dobler. Jahrzehntelang habe die Region geschlossen und mit Nachdruck um eine Priorisierung des Vorhabens gekämpft – „dies jetzt alles infrage zu stellen, wäre wie einen Marathonlauf 100 Meter vor dem Ziel abzubrechen.“

Industrie und verarbeitendes Gewerbe sind auf gute Infrastruktur angewiesen

Die Notwendigkeit des Ausbaus untermauern Brehm und Dobler mit Zahlen vom Juni 2020, die die Prognos AG im IHK-Auftrag mit Blick auf die regionale Wirtschaftsstruktur erhoben hat. So ist der Beschäftigtenanteil im Maschinenbau im Allgäu 2,8 Mal so hoch wie im Bundesschnitt (Gesamt-Schwaben 2,2). Überraschendes Ergebnis der Untersuchung: Die sechs Branchen mit der stärksten Verankerung vor Ort zählen im Allgäu alle zur Industrie – vom Maschinenbau über Fahrzeugbau, Elektro und Ernährung bis zur Kunststoffverarbeitung. Erst danach folgen laut IHK Tourismus und Gastgewerbe.

„Gerade Industrie und verarbeitendes Gewerbe sind auf die schnelle Anlieferung von Rohstoffen und Vorprodukten angewiesen, ebenso wie auf den Abtransport ihrer Waren zu den Absatzmärkten im In- und Ausland. Dafür unverzichtbar ist eine optimale Verkehrsanbindung“ – gerade an einem vergleichsweise dezentralen Standort, so Brehm. Laut Dobler ist eine vierspurige B 12 ein bedeutender Wettbewerbsfaktor für die Unternehmen abseits der A 96. Und ein wichtiges Argument für neue Ansiedlungen, wie in Nordschwaben die B 17 zeige.

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Die IHK Schwaben werde in der aktuellen Anhörung dem Ausbau zustimmen und sich weiter für die Vierspurigkeit einsetzen. „Die wirtschaftliche Stärke des Allgäus resultiert vor allem daraus, dass es gelungen ist, neben dem Tourismus die Industrie zur strukturprägenden Branche zu entwickeln. Dazu braucht es Verkehrswege, und die B 12 ist einer der wichtigsten im Allgäu“, so Brehm und Dobler.