Bundesgerichtshof hebt Urteil auf

Bad Wörishofer totgeprügelt: Prozess wird neu aufgerollt

Der Bundesgerichtshof hebt das Urteil des Memminger Landgerichts im Fall einer Gewalttat in Bad Wörishofen mit tödlichem Ausgang teilweise auf. Warum jetzt nur einer der ursprünglich drei Angeklagten vor Gericht steht.

Der Bundesgerichtshof hebt das Urteil des Memminger Landgerichts im Fall einer Gewalttat in Bad Wörishofen mit tödlichem Ausgang teilweise auf. Warum jetzt nur einer der ursprünglich drei Angeklagten vor Gericht steht.

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Der Bundesgerichtshof hebt das Urteil des Memminger Landgerichts im Fall einer Gewalttat in Bad Wörishofen mit tödlichem Ausgang teilweise auf. Warum jetzt nur einer der ursprünglich drei Angeklagten vor Gericht steht.

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Der Bundesgerichtshof hebt ein Urteil des Landgerichts Memmingen zu der Gewalttat teilweise auf. Zwei der drei Angeklagten wurden jetzt freigesprochen.
22.10.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Es gibt eine neue Wende im Prozess um den Fall eines 46-Jährigen, der im September 2018 in einem ehemaligen Bad Wörishofer Kurhotel totgeprügelt worden ist: Weil der Bundesgerichtshof  (BGH) das Urteil des Landgerichts Memmingen vom August 2019 teilweise aufgehoben hat, muss nun erneut verhandelt werden: wieder am Landgericht Memmingen, allerdings vor einer anderen Strafkammer. Diesmal wird nur ein Mann auf der Anklagebank sitzen und nicht wie beim ersten Prozess auch zwei weitere Verdächtige.

Der Fall: Drei Männer sollen während eines Saufgelages in Streit geraten sein und dann abwechselnd so lange auf einen 46-Jährigen eingeprügelt haben, bis dieser starb – so lautete zumindest die Anklage vor dem Landgericht Memmingen. Das Opfer hatte durch zahlreiche Schläge und Tritte unter anderem ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Todesursache war offenbar jedoch Ersticken: Nach einem Nasenbeinbruch bekam der bewusstlose Mann wohl wegen Einblutungen keine Luft mehr.

Zwei Angeklagte freigesprochen

Verurteilt wurde nach einem langen Gerichtsprozess nur einer der drei Angeklagten: Der Jüngste – und zwar nicht, wie ursprünglich angeklagt, wegen (gemeinschaftlichen) Totschlags, sondern wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie einer weiteren schweren Körperverletzung, die der 34-Jährige nicht einmal einen Monat nach dem Vorfall in Bad Wörishofen begangen haben soll. Letztlich wurde eine Gesamtstrafe von zehn Jahren gebildet. Auch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt ordnete das Landgericht Memmingen an.

Die beiden anderen 56 und 37 Jahre alten Mitangeklagten wurden freigesprochen. Wie Richter Christian Liebhart im August 2019 in seiner Urteilsbegründung sagte, lege die Vielzahl der Verletzungen nahe, dass mehrere Personen an den Misshandlungen beteiligt waren. Den anderen Angeklagten sei diese Beteiligung jedoch nicht eindeutig nachzuweisen – auch wenn Blut- und DNA-Spuren sie belasteten. Es galt: „Im Zweifel für die Angeklagten“ – die Männer wurden sowohl in Bezug auf die Körperverletzung als auch vom Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung freigesprochen.

Der Mann ist mehrfach vorbestraft

Einer der beiden hatte im Prozess gegen den damals 34-Jährigen ausgesagt und ihn schwer belastet. Auch eine Zeugin hatte geschildert, wie der mutmaßliche Haupttäter sie telefonisch um ein Alibi für die Tatnacht gebeten hatte. Der Mann ist mehrfach einschlägig vorbestraft, was ebenso gegen ihn sprach wie „das brutale Tatbild“.

Das Urteil hat der BGH nach einer Revision des Angeklagten nun in Teilen aufgehoben – genauer gesagt: in Bezug auf die Körperverletzung mit Todesfolge sowie die daraus resultierende Strafe. Der BGH hat die Entscheidung an eine andere Strafkammer des Landgerichts Memmingen zurückverwiesen.

In den Augen des Bundesgerichtshofs sind die Feststellungen im ersten Urteil des Memminger Landgerichts „unzureichend“. Das Landgericht habe sich nicht davon überzeugt, dass der Angeklagte allein für sämtliche Verletzungen des Opfers verantwortlich war. Von den mindestens zehn Schlägen und Tritten gegen den Kopf des Opfers gehen nur zwei sicher auf sein Konto. Letztlich bleibe offen, wer von den dreien diejenigen Verletzungen verursacht hatte, die zum Tod des 46-Jährigen führten. Das genüge nicht für eine Verurteilung des 34-Jährigen wegen Körperverletzung mit Todesfolge.