Übergang in Memmingen auch für Fußgänger gesperrt

Bahnübergang umgebaut: Jetzt ist plötzlich die Straße zu schmal

Der Bau eines Gehwegs ist der Grund dafür, dass die Fahrbahn an einem Memminger Bahnübergang zu schmal geworden ist.

Der Bau eines Gehwegs ist der Grund dafür, dass die Fahrbahn an einem Memminger Bahnübergang zu schmal geworden ist.

Bild: Fritz Pavlon

Der Bau eines Gehwegs ist der Grund dafür, dass die Fahrbahn an einem Memminger Bahnübergang zu schmal geworden ist.

Bild: Fritz Pavlon

Bei Arbeiten an einem  Bahnübergang entsteht ein neuer Gehweg, doch jetzt ist nicht mehr genug Platz für Lastwagen. Wer ist schuld und wie geht es weiter?
03.08.2020 | Stand: 16:10 Uhr

Nicht zum ersten Mal waren im Zuge der Elektrifizierung der Strecke München-Memmingen-Lindau Bahnübergänge in Memmingen ein paar Wochen lang gesperrt. Diesmal wurden Signalanlagen erneuert. Und Sicherheitsgeländer zwischen Fußwegen und Fahrbahnen kamen hinzu. Die Folge der Sperrungen: umständliche Umfahrungen, lange Staus, und schimpfende Bürger. Jetzt rollt er wieder, der Verkehr – nur an einer Stelle nicht: am Übergang Stadtweiherstraße. Da ist etwas gründlich schiefgegangen.

Neuer Gehweg - dafür ist die Straße zu schmal

Auf einer Straßenseite wurde ein Gehweg neu gebaut, wo vorher keiner war. Denn in der Nähe gibt es vier Schulen und einen Kindergarten. Als die neue Fahrbahn-Markierung aufgetragen wurde, kam das böse Erwachen: Die Straße ist jetzt nicht mehr breit genug.

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Also bleiben die Absperrgitter erst einmal stehen, obwohl bereits alle Baufahrzeuge abgezogen sind, die Erde rund um die Baustelle wieder eingesät ist und die nagelneuen Schranken und Lichtsignale einwandfrei funktionieren. Ursprünglich sollte die Straße am 1. Juli wieder befahrbar sein. „Wir bedauern, dass die Straßensperrung andauern muss, wir wollen den Übergang aber so schnell wie nur irgend möglich freigeben“, sagt Franz Lindemair von der Deutschen Bahn.

„Absolut unbefriedigend“

Ein konkretes Datum kann er aber nicht nennen. Weil man keine falschen Erwartungen schüren wolle, sagt er. „Dieser Zustand ist absolut unbefriedigend, keiner wollte das so.“ Man sei in intensiven Gesprächen mit der Stadt Memmingen, aber es sei schwierig, eine Lösung zu finden, sagt Lindemair. Gleichzeitig betont er, dass die Stadt überhaupt keine Schuld an der Misere treffe: „Die Planungshoheit liegt bei der Bahn.“ Hat die also schlecht geplant oder haben ihre beauftragten Firmen schlampig gearbeitet? Auch das müsse erst noch geklärt werden, antwortet Lindemair.

Nur um zwei, drei Handbreiten ist die Fahrbahn zu schmal. „Ich will nicht ausschließen, dass es eine Ausnahmegenehmigung gibt und dass sie so bleiben kann“, sagt der Bahnsprecher. Im Umkehrschluss heißt das, dass schlimmstenfalls alles wieder aufgerissen und der Bahnübergang noch einmal für Wochen gesperrt wird.

Wird die Straße für Lkw gesperrt?

Laut Urs Keil, dem Leiter des Memminger Tiefbauamtes, hat die Fahrbahn an der fraglichen Stelle eine Breite von etwa 5,80 Meter: „Ein Begegnungsverkehr zweier Lastwagen wäre nicht möglich, aber in der Praxis kommt das ohnehin so gut wie nie vor.“ Die Stadt sei an einer „praktikablen Lösung“ interessiert, sagt Keil. Ihr Vorschlag laute, die Straße in einer Richtung für Lastwagen zu sperren.

Sollte es noch länger keine Lösung geben, wären davon nicht nur die Anwohner, die Schulen oder der Verkehr in zwei Memminger Stadtteile betroffen. Fast schon verzweifelt schlägt ein Gastwirt Alarm, dessen Lokal wenige Meter vom Bahnübergang entfernt ist. „Das ist für uns äußerst geschäftsschädigend und existenzbedrohend“, sagt Steffen Renger, Pächter des „Trachtenheims“, das nicht nur als Esslokal beliebt ist, sondern in dem auch viele Versammlungen stattfinden. „Das ist noch schlimmer als Corona“, klagt Renger. Den Lockdown habe man dank Homeservice-Angeboten einigermaßen überstanden, die geschlossene Schranke habe jetzt aber massive Auswirkungen. „Wir sind heilfroh, dass wenigstens unsere Stammkunden den großen Umweg auf sich nehmen“, sagt Renger.

Die Bahn vertröstet

Der Memminger Gastronom ruft immer wieder bei der Bahn in München an, um zu erfahren, wie es weitergeht – und wird jedes Mal wieder vertröstet. „Wenn sie wenigstens die Fußgänger oder Radfahrer wieder durchlassen würden, wäre uns schon ein bisschen geholfen“, hofft er jetzt.