Explosion der Holzpreise

Bald soll es im Allgäu wieder genügend Bauholz geben

Es geht um die Versorgung mit Bauholz. Um immer ausreichend zur Verfügung zu haben, wollen im Allgäu die Forstwirtschaft, die Sägewerke und das Handwerk enger zusammen arbeiten - auch digital.

Es geht um die Versorgung mit Bauholz. Um immer ausreichend zur Verfügung zu haben, wollen im Allgäu die Forstwirtschaft, die Sägewerke und das Handwerk enger zusammen arbeiten - auch digital.

Bild: Matthias Becker

Es geht um die Versorgung mit Bauholz. Um immer ausreichend zur Verfügung zu haben, wollen im Allgäu die Forstwirtschaft, die Sägewerke und das Handwerk enger zusammen arbeiten - auch digital.

Bild: Matthias Becker

Der Mangel an Holz und die Explosion der Preise machte Handwerkern und Häuslebauern im Allgäu zu schaffen. Das Holzforum will das Problem jetzt digital lösen.
27.10.2021 | Stand: 20:45 Uhr

Die Explosion der Holzpreise machte Handwerkern und Häuslebauern im Allgäu zu schaffen, mancher Zimmerer konnte nur Angebote mit geringer Halbwertszeit abgeben. Dieses Problem möchte das Holzforum Allgäu nun mit dem Digitalen Wald-Holz-Netzwerk, kurz Diwahn, angehen. Dabei sollen Forstwirtschaft, Sägewerke und Zimmereien digital vernetzt und eine regionale Wertschöpfungskette aufgebaut werden.

„Wir wollen, dass Zimmerer künftig 20 bis 40 Prozent der Holzprodukte wie Balken und Bohlen, die sie standardmäßig brauchen, aus der Region beziehen können“, sagt Holzforum-Vorstand Hugo Wirthensohn. Im Gegenzug sollen sie einen Jahrespreis erhalten und seien somit unabhängiger von Preisschwankungen. Das sei möglich, wenn sich kleine und mittlere Sägewerke, Waldbesitzerorganisationen und Zimmereibetriebe in der Region zusammentun. „Nur so bekommen wir die Volatilität der Preise in den Griff“, sagt Wirthensohn.

Der Mangel an Holz und die Explosion der Preise machte Handwerkern und Häuslebauern im Allgäu zu schaffen

Vergangenes Jahr hat ein Kubikmeter Langholz dem Holzfachmann zufolge teilweise nur 50 Euro gekostet, später sei der Preis bis auf 120 Euro gestiegen. Gleichzeitig sind internationale Lieferketten abgerissen. Regionale Wertschöpfungsketten funktionierten dagegen auch in der Pandemie – „wenn wir sie denn haben“. Nun müsse man sich zusammentun, und zwar gleich digital. „Dann bekommen wir ein regionales, zertifizierbares Produkt und faire Preise für alle“, hofft Wirthensohn. So wird nun eine digitale Plattform konzipiert, auf der die Zimmerer festlegen, welche Produkte sie das ganze Jahr über in welcher Menge brauchen. (Lesen Sie auch: Bauholz: Unternehmen kämpfen mit der Preisexplosion)

„Dadurch wissen die Säger, welche Stämme sie für die Trocknung brauchen. Die dauert rund drei Wochen und ist hier der Flaschenhals“, sagt Wirthensohn. Davon soll auch die Forstwirtschaft profitieren, da Waldbesitzer dadurch wissen, welche Durchmesser und Qualitäten sie liefern müssen und welche Preise sie bekommen. „Dadurch können alle Beteiligten verlässlich planen und wir können den Bedarf konstant decken“, sagt Wirthensohn. Gerade bei den Sägewerken sei eine Zusammenarbeit lange undenkbar gewesen. „Da müsste man ja zugeben, dass man etwas nicht hat, der Nachbar aber schon.“ Dieses Denken habe man aber überwunden.

Digitales Wald-Holz-Netzwerk des Holzforums Allgäu: Bauholz soll im Allgäu bald nicht mehr knapp sein

Durch das Projekt Diwahn soll das Holz den Weg vom Wald bis zum Zimmerer künftig auch digital zurücklegen. Geschlagene Bäume sollen per App erfasst werden, die Daten zu Herkunft, Durchmesser, Länge, Qualität und Menge erhalten die Sägewerke dann direkt auf digitalem Weg. Das soll auch die Trocknung vereinfachen. Am Ende sieht der Zimmerer, welche Bohlen oder Balken bei welchem Säger vorrätig sind – und bekommt automatisch einen Herkunftsnachweis. Dies sei das Ziel, sofern das Projekt zustande komme, sagt Wirthensohn. Diese Daten sollen auch an Architekten und Planer gehen. Diese könnten daraufhin so planen, dass ausschließlich regionale Hölzer verwendet werden. „Dann gibt es das Holzhaus, in dem nur Allgäu drin ist.“

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Durch das Netzwerk soll es gelingen, mehr Verlässlichkeit in der Holzwirtschaft zu schaffen – trotz naturbedingter Schwankungen. Das Allgäu ist laut Wirthensohn ideal, um beispielsweise wechselhaftes Wetter auszugleichen. „Im Sommer kommt das Holz aus dem Süden, im Winter aus dem Norden. Durch die Zusammenarbeit von Oberstdorf bis Buchloe kann man viel ausgleichen.“ Gleichzeitig gibt es in der Region noch einen weiteren Vorteil: Waldbesitzer, Sägewerke und Zimmer kennen sich bereits über das Holzforum. „Dadurch haben wir eine Diskussionskultur.“ (Lesen Sie auch: "Uns fehlen Kleinigkeiten wie eine Klemme" - 14 Wochen warten auf die Handwerker)