Brauchtum

Neuer Vorsitzender des Bayerischen Trachtenverbands kommt aus dem Ostallgäu

Der neue Vorsitzende des Bayerischen Trachtenvereins Günther Frey (links) mit seinem Vorgänger Max Bertl.

Der neue Vorsitzende des Bayerischen Trachtenvereins Günther Frey (links) mit seinem Vorgänger Max Bertl.

Bild: Frey

Der neue Vorsitzende des Bayerischen Trachtenvereins Günther Frey (links) mit seinem Vorgänger Max Bertl.

Bild: Frey

Günter Frey ist neuer Vorsitzender des Bayerischen Trachtenverbandes. Was er an den Traditions-Vereinen schätzt und wie sich das Trachtler-Image verändert hat.
08.11.2021 | Stand: 06:32 Uhr

Die Lederhose ist nicht aus Günter Freys Leben wegzudenken. Der 61-Jährige aus Sulzschneid im Landkreis Ostallgäu ist ein stolzer Allgäuer und engagierter Trachtler. Und das, obwohl bayerische Traditionen in seiner Jugend noch kaum eine Rolle spielten und er erst spät den Weg in den Trachtenverein fand. Seit einigen Wochen ist Frey Erster Vorsitzender des Bayerischen Trachtenverbandes. Ein anspruchsvolles Amt, das viel Zeit kostet und gleichzeitig eine große Ehre für ihn ist.

„Eigentlich bin ich überhaupt nicht traditionell aufgewachsen“, sagt Frey. Als Kind von Heimatvertriebenen sei er in dem Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz groß geworden. Als Jugendlicher habe er viel Sport gemacht und unter anderem Eishockey im Verein gespielt. „Ich bin also eher ein Spätberufener“, sagt Frey scherzhaft.

Ehefrau Gisela bracht Frey zum Trachtenverein

Denn erst im Alter von 22 Jahren habe er mit seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau Gisela – die aus einer eingesessenen Trachtlerfamilie kommt – zum ersten mal die Trachtenprobe des Vereins in Sulzschneid besucht. „Ich bin einfach mal mitgegangen und habe große Augen gemacht.“ Die Lederhosen, die Musik, das Platteln und das Miteinander hätten ihn damals schwer beeindruckt. Bis heute schätzt er vor allem die Geselligkeit und verbringt viel Zeit mit seiner Frau und seinen drei erwachsenen Söhnen bei den Trachtlern.

Einfach sei es allerdings nicht gewesen, das Platteln und das Tanzen zu lernen. Schließlich seien die meisten Mitglieder von Kindesbeinen an im Sulzschneider Verein gewesen. „Deshalb bin ich immer zusätzlich in die Jugendprobe gegangen“, sagt Frey. Dadurch sei sein Weg als Jugendleiter bereits vorgezeichnet gewesen: Im Laufe der Jahre engagierte er sich verschiedene Führungspositionen in Jugendringen, beim Oberen Lechgau-Verband und bei der Bayerischen Trachtenjugend. Seit 2017 war Frey einer der drei stellvertretenden Landesvorsitzenden des Bayerischen Trachtenverbands. Seit 2021 führt er nun für die nächsten drei Jahre Bayerns Trachtler.

Frey vertritt Verband gegenüber Politik und Gesellschaft

Zu seinen Aufgaben zählt, diese nach außen gegenüber der Politik und der Gesellschaft zu vertreten. So machte Frey sich beispielsweise dafür stark, dass die Vereine auch in der Corona-Krise gehört werden. Gleichzeitig unterstütze der Landesverband die zahlreichen Gau-Verbände in Bayern, stelle beispielsweise finanzielle Förderungen zur Verfügung und organisiere Aus- und Fortbildungen von Jugendleitern. „Der Verband schafft sozusagen die Rahmenbedingungen für die Trachtenvereine.“ Freys Amt nimmt viel Zeit in Anspruch: „15 Stunden pro Woche reichen nicht“, sagt der Verbandschef. Natürlich zusätzlich zu seiner beruflichen Tätigkeit im Landratsamt.

Ansehen der Trachtler zum Positiven verändert

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Das Ansehen der Trachtler habe sich laut Frey zum Positiven verändert. „Vor 30 Jahren galten wir noch als ewig Gestrige“, sagt Frey. Doch mittlerweile hätten die Begriffe „Heimat“ und „Tradition“ Konjunktur. „Heimatverbundenheit und Weltoffenheit widersprechen sich nämlich nicht.“ Brauchtum schaffe eine Basis, die Halt im Leben gibt.

100 000 trachtenbegeisterte Kinder und Jugendliche in Bayern

Wie jeder Verein kämpfen auch die Trachtler um Nachwuchs, sagt Frey. In Bayern gebe es jedoch insgesamt 100 000 trachtenbegeisterte Kinder und Jugendliche. „Damit sind wir auf einem recht hohen Niveau.“ Mundart und Tracht liegen laut Frey sogar im Trend. Das Brauchtum übe eine gewisse Faszination auf die Menschen aus, vermutet er. Nicht umsonst sei das Oktoberfest so beliebt.

Der Vorstand ermutigt die Allgäuer Trachtenvereine, aus der „Corona-Lethargie“ aufzuwachen. Bereits jetzt sollten die Verantwortlichen beginnen, große Veranstaltungen für das kommende Jahr zu planen und vorzubereiten, sagt Frey: „Wir müssen wieder zueinanderfinden und durchstarten.“

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