Kempten

Bayerisches Tourismuszentrum legt jetzt los

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Bild: Ralf Lienert

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Forschung Neues Institut in Kempten soll Wissenschaft und Praxis zusammenbringen und Erkenntnisse für den ganzen Freistaat aufbereiten. Die Finanzierung für fünf Jahre steht. In Füssen herrscht Stillstand: Geld noch nicht bewilligt
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Von sih/raf
07.10.2019 | Stand: 18:05 Uhr

Zukunftsthemen im Tourismus frühzeitig aufgreifen, wissenschaftlich aufbereiten und unterschiedlichen Nutzern im ganzen Freistaat zur Verfügung stellen: Das ist die Aufgabe des neuen bayerischen Tourismuszentrums in Kempten. Nach einjährigem Vorlauf nimmt das Institut jetzt Fahrt auf. Wie berichtet, fördert das Wirtschaftsministerium das an die Hochschule Kempten angelehnte Zentrum fünf Jahre lang mit insgesamt 4,5 Millionen Euro. Um die Finanzierung hatte es zuvor einen heftigen Disput zwischen Hochschule und Ministerium gegeben

„Es geht nicht nur ums Allgäu, sondern um ganz Bayern“, sagt Prof. Dr.  Alfred Bauer, Dekan der Hochschul-Fakultät Tourismus und Geschäftsführer des neuen Instituts. Drei Themenschwerpunkte sind demnach bereits festgelegt. So sollen in Kempten neue Zielgruppen und Märkte erforscht werden. Eine zentrale Frage wird dabei sein, wie Menschen mit Migrationshintergrund reisen. Ein zweiter Schwerpunkt ist die zukunftsfähige Tourismusentwicklung in ländlichen und städtischen Räumen – dabei gelte es besonders, die Belange Einheimischer nicht zu vergessen. Ein drittes Themenfeld beschäftigt sich laut Bauer mit der Mobilität. „Dahinter steckt viel Datenmanagement.“ Beispielsweise besagten Studien, dass junge Leute immer seltener einen Führerschein haben. Andere Stimmen widersprechen diesen Erkenntnissen. Im Tourismuszentrum sollen daher auch Daten gesammelt werden, anhand derer pauschale Aussagen auf einzelne Regionen heruntergebrochen werden können.

Die Förderdauer des Instituts ist vorerst auf fünf Jahre festgelegt. Fünfeinhalb Stellen wurden geschaffen. „Ich sehe das Zentrum als dauerhafte Einrichtung. Dafür müssen wir aber zeigen, dass wir Impulse für Wirtschaft und Politik setzen können“, sagt Bauer.

Das Institut ist eigenständig, bleibt aber dauerhaft an die Hochschule Kempten angelehnt. Der vom Wirtschaftsministerium geforderte jährliche Eigenanteil des Instituts in Höhe von 100 000 Euro ist laut Hochschulpräsident Prof. Wolfgang Hauke ein machbarer Kraftakt. Die Hälfte der Summe bringt demnach der Trägerverein des neuen Zentrums auf, dem unter anderem die Hochschule, die Allgäu GmbH und die vier großen bayerischen Tourismusverbände angehören. Die Vereinsmitglieder zahlen einen Jahresbeitrag von insgesamt 50 000 Euro, der komplett an das Institut gehen soll. Die übrigen 50 000 Euro werden über Personalkosten eingebracht, die die Hochschule für das Institut übernimmt. Im Gegensatz zum Kemptener Zentrum steht die Finanzierung des geplanten Wissenstransferzentrums (WTZ) in Füssen noch aus. Dort wird nicht bayernweit geforscht, sondern es gilt, regionale Tourismusstrategien zu erarbeiten – etwa für überbordende Urlauberströme (Overtourism). „Wir haben dafür Geld aus dem Doppelhaushalt beantragt, dies wurde aber nicht berücksichtigt“, sagt Hochschulpräsident Hauke. Jetzt hoffe man auf den Nachtragshaushalt. Dabei geht es um eine Anschubfinanzierung von über zwei Millionen Euro, verteilt auf fünf Jahre. Danach soll sich das WTZ über Projektaufträge aus der freien Wirtschaft selbst tragen.

Die Stadt Füssen ist laut Hauke bereit, fünf Jahre lang die nötigen Räume zu bezahlen. Ohne staatliche Finanzierung würden aber keine weiteren Schritte unternommen. Der Nachtragshaushalt 2020 werde wohl im Frühjahr vom Landtag verabschiedet, heißt es im Wissenschaftsministerium.

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