Festival in Kempten

Beim Tanzherbst in Kempten lautet das Motto heuer: „Weniger ist mehr“

Stadttheater Tanzherbst: Kamea Dance Company aus Israel zeigt Carmina Burana.

Blick zurück ins Jahr 2018: Da trat beim Tanzherbst in Kempten die Kamea Dance Company aus Israel auf.

Bild: Hermann Ernst

Blick zurück ins Jahr 2018: Da trat beim Tanzherbst in Kempten die Kamea Dance Company aus Israel auf.

Bild: Hermann Ernst

Festival-Leiter Richard Klug wollte den 20. Geburtstag groß inszenieren. Nun aber gibt es wegen Corona eine abgespeckte Version. Die könnte dennoch spannend werden.

30.07.2020 | Stand: 17:58 Uhr

Im Oktober wollten Richard Klug und sein Team eigentlich großen Tanzherbst-Geburtstag feiern. Denn das Kemptener Festival findet zum 20. Mal statt. Doch dann kam Corona und bremste die – schon sehr weit gediehenen – Planungen aus. Den Kopf in den Sand stecken wollte Klug aber auch nicht. „An eine Absage habe ich nie gedacht“, versichert er. Schließlich möchte er, dass weiterhin Kultur ganz allgemein angeboten wird – und speziell zeitgenössischer Tanz. Schließlich hat Klug sich durch seine beharrliche Arbeit über 20 Jahre hinweg ein Publikum „herangezogen“.

Der Vorverkauf ist gestartet

Also wird der 20. Kemptener Tanzherbst, terminiert von 10. bis 18. Oktober, stattfinden. Allerdings in einer abgespeckten Version. Und das Motto der Jubiläums-Ausgabe lautet auch nicht mehr „Von Mozart bis Bach“, sondern in Anspielung auf die neuen Umstände: „Weniger ist mehr“. Die Performances, für die der Vorverkauf am kommenden Samstag startet, gehen nun im großen Saal des Stadtheaters über die Bühne, damit die Zuschauer auf Abstand bleiben können.

Klug dampfte den Reigen von ursprünglich neun geplanten Veranstaltungen auf fünf ein. „Ich musste den Umfang reduzieren, um das Festival bezahlbar zu machen“, sagt er. In den vergangenen Monaten hatte er Fragen zu klären wie: Wer darf reisen? Wie viele Tänzer dürfen auf der Bühne agieren? Und natürlich trieb ihn auch die Sorge um: Kommt überhaupt Publikum?

Internationales Flair beim Tanzherbst in Kempten

Wenn alles klappt und die Gastcompanys anreisen können, wird wieder internationales Flair im Theater herrschen. Klug hat Tänzerinnen und Tänzer aus Italien, Frankreich, Mittelamerika und Afrika verpflichtet. 100 000 Euro kostet der Tanzherbst; etwa 20 Prozent werden durch Eintrittskarten finanziert, 80 Prozent durch Förderungen aus privaten und gewerblichen Kassen sowie durch Zuschüsse verschiedener öffentlicher Hände.

Mit einem großen Ensemble startet das Festival: Das zehnköpfige „NRW Juniorballett“ aus Dortmund tanzt am Samstag, 10. Oktober. Klug weiß sehr wohl, dass ihm Corona noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte – bis hin zu einer kompletten Absage. „Aber“, sagt er, „ich bin ein großer Optimist und möchte nach vorne blicken.“ Einen eventuellen Ausfall muss er auch fürs Finale eine Woche später einplanen, wenn am 17. Oktober die „Ntoroso Odido Dance Company“ aus Nigeria zu Gast ist. Doch die Afrikaner will er unbedingt dabei haben, denn sie seien in diesen Zeiten besonders auf Unterstützung angewiesen. Das Goethe-Institut schießt für diesen Auftritt sogar 10000 Euro zu.

Tänzer auf den Straßen und Plätzen von Kempten

Nicht abrücken möchte Richard Klug von einer anderen Idee: Zum Jubiläum sollen Tänzer „Out of House“ auftreten, also auf Kemptens Straßen und Plätzen. Ob sich das realisieren lässt, wird freilich ebenfalls von Corona abhängen. Etwas geschrumpft ist das diesjährige Workshop-Programm, das querbeet durch die Tanzwelt führt. 17Kurse kann Klug in der Festivalwoche anbieten, eine Handvoll weniger als üblich.