Bilanz der Bergwacht zum Winter

Warum die Bergwacht einen ruhigen Winter erlebte

Bergetauübung an der Reuterwanne

Die Allgäuer Bergwacht hat im vergangenen Winter ungewöhnlich wenige Einsätze absolviert. Wegen geschlossener Bergbahnen und Lifte gab es keine Einsätze nach Ski- oder Snowboard-Unfällen.

Bild: Archivfoto: Matthias Becker

Die Allgäuer Bergwacht hat im vergangenen Winter ungewöhnlich wenige Einsätze absolviert. Wegen geschlossener Bergbahnen und Lifte gab es keine Einsätze nach Ski- oder Snowboard-Unfällen.

Bild: Archivfoto: Matthias Becker

Über 30 Prozent der Einsätze spielten sich in den Oberstdorfer Bergen ab. Dort mussten die Bergwachtler auch vier Chinesen aus einer misslichen Lage befreien
28.04.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Bei der Allgäuer Bergwacht ist die Zahl der Einsätze im vergangenen Winter stark zurückgegangen: Während normalerweise in der kalten Jahreszeit 1670 bis 2000 Rettungen und Hilfeleistungen zu bewerkstelligen sind, waren es im Winterhalbjahr 2020/21 nur 200. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wegen der geschlossenen Bergbahnen und Skilifte entfielen sämtliche Pisteneinsätze nach Ski- oder Snowboard-Unfällen.

Allgäuer Bergwacht: Wie sich die Tourengeher verhalten haben

Die erwartete Häufung von Rettungseinsätzen sei nicht eingetreten, sagt der Allgäuer Bergwacht-Regionalleiter Peter Eisenlauer. Im Vorfeld war befürchtet worden, dass viele unerfahrene Skitourengeher und Schneeschuhwanderer abseits der Pisten unterwegs sind und die Lawinengefahr unterschätzen. Doch so sei es nicht gekommen, sagt Eisenlauer: „Viele Tourengeher sind auf den Skipisten geblieben und haben sich in eher unkritischen Gebieten aufgehalten.“

Von den 200 Einsätzen spielten sich über 30 Prozent in den Oberstdorfer Bergen ab. Auffällig ist die gestiegene Zahl von 40 „Sondereinsätzen“, heißt es im Tätigkeitsbericht der Bergwacht. Im Schnitt der Vorjahre waren es 25 bis 30. Zu solchen Einsätzen gehören unter anderem die Rettungen von Menschen, die sich verlaufen oder verstiegen haben.

Zahl Notfalleinsätze im Allgäu ist gleich geblieben

In etwa gleich geblieben ist im zu Ende gegangenen Winterhalbjahr die Zahl der alpinen Notfalleinsätze mit großem Aufwand. Einer davon spielte sich am Sonntag vor einer Woche in den Oberstdorfer Bergen ab. Vier Chinesen hatten sich am Abend im Bereich Petersalpe/Enzianhütte in den Oberstdorfer Bergen verlaufen, einer stürzte schließlich ab.

Daraufhin waren ein Dutzend Bergwachtler im lawinengefährdeten Gebiet unterwegs, erst kurz vor Mitternacht wurden die Bergwanderer zwischen 25 und 40 Jahren geborgen. Einer hatte bei dem Absturz Verletzungen erlitten. Die Chinesen würden jetzt wegen eines Verstoßes gegen die Corona-Regeln angezeigt, sagte Polizeisprecher Holger Stabik auf Anfrage. Die Männer hätten feste Wohnsitze in München, im Raum Karlsruhe und Stuttgart. Sie hätten nach Polizeiangaben nicht zu Viert unterwegs sein dürfen.

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Die Corona-Schutzvorkehrungen hätten für die Bergwachtler den ganzen Winter über einen zusätzlichen Aufwand mit sich gebracht, sagt der Allgäuer Regionalleiter Eisenlauer.