Verkehr

Bremst Corona die Fuchstalbahn für Jahre aus?

Zwischen Landsberg und Schongau sollen wieder Personenzüge verkehren. Unser Bild zeigt die Bahngleise am ehemaligen Bahnhof in Asch.

Zwischen Landsberg und Schongau sollen wieder Personenzüge verkehren. Unser Bild zeigt die Bahngleise am ehemaligen Bahnhof in Asch.

Bild: Thorsten Jordan

Zwischen Landsberg und Schongau sollen wieder Personenzüge verkehren. Unser Bild zeigt die Bahngleise am ehemaligen Bahnhof in Asch.

Bild: Thorsten Jordan

Zwischen Landsberg und Schongau sollen wieder Personenzüge fahren. Es gibt die Sorge, dass wegen der wirtschaftlichen Folgen durch das Virus das Geld fehlt.
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Von Christian Mühlhause
18.06.2020 | Stand: 06:15 Uhr

Im vergangenen Dezember setzte der Kreistag Landsberg ein klares Zeichen für die Wiederinbetriebnahme der Fuchstalbahn für den Personenverkehr. Dieser soll zwischen Landsberg und Schongau wieder aufgenommen werden. Seither ist es aber ruhig geworden um das Projekt, und es gibt Befürchtungen, dass das Vorhaben wegen der Corona-Krise unter die Räder kommen könnte.

Der Denklinger Tyll-Patrick Albrecht, stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn Bayern, rechnet damit, dass sich die finanziellen Folgen von Corona bemerkbar machen werden. „Es wird sehr viel Geld ausgegeben, um unter anderem die Wirtschaft zu unterstützen. Irgendwie müssen die Ausgaben auch gegenfinanziert werden. Ich fürchte deswegen, dass die Reaktivierung der Fuchstalbahn um mindestens drei bis vier Jahre zurückgeworfen wird.“

Dabei sei er kurz vor Ausbruch der Pandemie sehr zuversichtlich gewesen, sagt Albrecht. Dies hing damit zusammen, dass unter anderem ein parlamentarisches Frühstück im Landtag zu dem Thema geplant gewesen sei. Zudem hätten sich die Rahmenbedingungen verbessert, bei den Voraussetzungen, die für eine Wiederinbetriebnahme erfüllt sein müssen.

Mehr Fördermittel stehen bereit

Das bestätigt auch Andreas Holzhey, Ingenieur für Verkehrswesen und Betreiber der Bahnhofsgebäude in Landsberg und Schongau. Er erarbeitet derzeit ein Eckpunktepapier, das eigentlich noch dieses Frühjahr vorgestellt werden sollte, sich aber wegen der Auswirkungen von Corona verzögert. In dem Papier setzt er sich unter anderem damit auseinander, welche Maßnahmen die anliegenden Kommunen treffen müssen, damit eine Reaktivierung möglich ist und welche Optionen der Finanzierung es gibt. So seien die Richtlinien im vergangenen Jahr geändert worden, und es gebe nun mehr Fördermittel.

Entlastung für die Kommunen

Auch sei neu geregelt worden, dass die Kommunen bei der Sicherung der Bahnübergänge entlastet werden. Bisher galt, dass Kommune, Straßenlastträger und Bahn jeweils ein Drittel zahlen. Jetzt beträgt der Anteil der Gemeinden nur noch ein Sechstel, sagt Holzhey. Er sieht die Zukunft auch nicht so pessimistisch wie Albrecht. „Bei der Deutschen Bahn hat ein Umdenken stattgefunden. Ursprünglich gab es die feste Absicht, die Strecke der Fuchstalbahn nach dem Rückzug der Localbahn Augsburg auszuschreiben. Hätte sich da kein Interessent gefunden, wäre die Strecke stillgelegt worden und es hätte auch keine Chance mehr für den Personenverkehr gegeben. Im vergangenen Herbst wurde aber beschlossen, dass doch keine Ausschreibung erfolgt.“ Die neue Chefin der DB Cargo – das Tochterunternehmen ist für den Güterverkehr – habe zudem bekräftigt, den Güterverkehr ausweiten zu wollen.

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Die Fuchstalbahn dürfe nicht nur als lokales Thema der Gemeinden entlang der Strecke verstanden werden, betont der Verkehrsingenieur. „Die Fuchstalbahn ist für das Mittelzentrum Schongau/Peiting als Anbindung an den Fernverkehr sehr wichtig. Die Fahrgäste aus dem Landkreis Weilheim-Schongau erhalten dadurch einen deutlich verbesserten Anschluss an Kaufering oder Augsburg.“ Auch die Umweltinitiative Pfaffenwinkel kämpft für die Reaktivierung, und der Kreistag Weilheim-Schongau unterstützt dies ebenfalls.

Holzhey ist zudem überzeugt, dass auch der Pendlerparkplatz in Kaufering entlastet würde, sollten wieder Züge durchs Fuchstal fahren. Wichtig sei auch, dass die Kommunen an der Strecke die benötigten Flächen freihalten. Alexander Dorow, CSU-Landtagsabgeordneter und Befürworter einer Reaktivierung, teilt die Sorgen von Albrecht, dass wegen Corona kein Geld für andere Projekte mehr da ist, nicht. „Das sind alles zweckgebundene Mittel“, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung. Auch habe er festgestellt, dass es parteiübergreifend ein Umdenken in der Politik gebe.

1000 Reisende pro Tag

Jahrelang hätten nur die Fahrgastzahlen als relevant gegolten. Bislang gilt die starre Vorgabe von mindestens 1000 Reisenden pro Kilometer an Werktagen, ab denen sich die Inbetriebnahme von Bahnstrecken rechnet. Vor allem für Trassen im ländlichen Raum hatte sich dies in der Vergangenheit als sehr hohe Hürde erwiesen. Alexander Dorow hofft, dass hier Änderungen erreicht werden können. Positiv bewertet er auch, dass Bahnhöfe nicht mehr ausgebaut werden müssten, sondern Haltepunkte und ein Häuschen zum Schutz vor Regen genügten.

Neue, günstigere Technik

Zudem gebe es neue Signaltechnik, die an Bahnübergängen eingesetzt werden könne und günstiger sei als bisherige Lösungen. „Wir haben eine bestehende Strecke, die brach liegt. Das sollten wir ändern. Das ist eine Investition in die Zukunft“, sagt Dorow.

Bis es so weit ist, werde aber noch einige Zeit vergehen, glaubt Andreas Holzhey. „Ich gehe davon aus, dass es Minimum fünf Jahre dauern wird, bis dort ein Zug fährt. Und das gelingt auch nur, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.“