Hilfsprojekt

Buchloer Benefiziat baut in der afrikanischen Savanne eine Schule

Nigeria

Die Stiftung des Benefiziats kümmert sich auch um Brunnen und Nahrung für die Bewohner Ishiagus.

Bild: Ambrose Ikwuagwu

Die Stiftung des Benefiziats kümmert sich auch um Brunnen und Nahrung für die Bewohner Ishiagus.

Bild: Ambrose Ikwuagwu

Der Buchloer Benefiziat Ambrose hat eine Stiftung gegründet, mit der er in Nigeria eine Schule finanziert. Warum ihm das ein Herzensanliegen ist.
16.04.2021 | Stand: 12:26 Uhr

„Das Leben hier in Deutschland ist fast wie der Himmel auf Erden“, sagt Ambrose Onwumere Ikwuagwu. Er meint damit, dass viele Leute fast schon im Überfluss leben: große Häuser, zwei Autos in der Familie, teure Weihnachtsgeschenke, 24 Stunden am Tag Strom und Wasser. Der 59-Jährige ist seit 2019 Benefiziat in der Pfarreigengemeinschaft Buchloe. In dieser Zeit hat er erkannt, wie viel in seinem Herkunftsland Nigeria anders läuft.

Nigeria ist eins der ärmsten Länder der Welt

Das Land in Westafrika hat ungefähr 200 Millionen Einwohner – und die zählen zu den ärmsten der Welt. Wenig Nahrung, kein sauberes Trinkwasser, kein Strom in den Dörfern, dafür eine korrupte Regierung: Das sei in Nigeria alltäglich. Benefiziat Ambrose ist in Ishiagu, einem Dorf im Süden Nigerias, als Waisenkind aufgewachsen. Er hat dort wahre Armut erlebt. „Die meisten Dorfbewohner sind einfache Bauern“, sagt er. Die Felder zu bestellen, sei hart, da sie alles per Hand machen müssen und keine Maschinen besitzen. Außerdem sei es entweder so trocken und heiß, dass das Getreide vertrocknet oder es regne so stark, dass die Felder überflutet werden. Viele junge Erwachsene sehnen sich danach, in die Stadt zu ziehen, wo das Leben zwar teurer, aber die Jobaussichten besser sind – zumindest ein wenig.

Mit dem Bau der Schule wurde schon begonnen.
Mit dem Bau der Schule wurde schon begonnen.
Bild: Ambrose Ikwuagwu

Um auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben, brauchen die jungen Leute jedoch einen Schulabschluss – und genau das sei oft Mangelware. 93 Prozent der Kinder werden eingeschult, nur die Hälfte davon beende die Grundschule. 50 Prozent der Jugendlichen seien Analphabeten, wie Benefiziat Ambrose berichtet. Obwohl die Leute sehr arm sind, müssen sie Schulgeld bezahlen – für viele Eltern unmöglich. Er sei damals von seinem großen Bruder aufgezogen worden, der ihm auch den Unterricht bezahlt habe. Die nächste Schule für Kinder aus Ishiagu liegt etwa eineinhalb Stunden entfernt – mit dem Auto. Die meisten der rund 15.000 Bewohner können von einem Auto – oder Fahrrad – jedoch nur träumen. Der Schulweg ist lang und beschwerlich.

Seine Geschwister leben immer noch in dem Dorf

„Bildung ist das Fundament des Lebens“, sagt der gebürtige Nigerianer. Aus diesem Grund hat er die Stiftung „Star Voice of Hope Foundation“ (übersetzt: Sternenstimme der Hoffnung) gegründet und baut aus diesen Mitteln ein Schul- und Kindergartenzentrum in seinem Heimatdorf, in dem seine Geschwister und deren Familien noch leben.

Wegen Corona konnte er nicht in seine Heimat fliegen

Er möchte einen Kindergarten für bis zu 200 Kinder, eine Grundschule – in Nigeria bis zur sechsten Klasse – für 300 Schüler und eine weiterführende Schule für etwa 600 Lernende schaffen. Er möchte auch gerne ein Internat an das Schulgebäude anschließen für die Kinder, die einen weiten Schulweg haben. Das Gelände dafür hat er vor einiger Zeit von einem befreundeten Landwirt geschenkt bekommen. Das Areal liege etwas außerhalb von Ishiagu. Aus den bereits gesammelten Spenden haben Jugendliche aus dem Dorf, die immer Arbeit suchen und gerne helfen, das Fundament errichtet. Ursprünglich wollte er dieses Jahr nach Nigeria fliegen, um seine Verwandten zu besuchen und den Baufortschritt zu begutachten. „Wegen der Corona-Pandemie konnte ich leider nicht fliegen“, sagt Ambrose Ikwuagwu.

Dr. Ambrose Onwumere Ikwuagwu ist seit 2019 Benefiziat in Buchloe. Mit seiner Stiftung möchte er eine Schule in Ishiagu in Nigeria bauen.
Dr. Ambrose Onwumere Ikwuagwu ist seit 2019 Benefiziat in Buchloe. Mit seiner Stiftung möchte er eine Schule in Ishiagu in Nigeria bauen.
Bild: Alexandra Hartmann

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Das gesamte Bildungszentrum soll etwa 293 Millionen Naira kosten – umgerechnet 620.000 Euro. „In Nigeria wird die Währung aber immer schwächer“, sagt der 59-Jährige. Die Inflationsrate sei sehr hoch und über die tatsächlichen Kosten kann er nur spekulieren. Sicher ist er sich jedoch darüber, dass das Bildungszentrum den Ort voranbringen werde. Zum einen die Schüler, denen der Zugang zu Bildung erleichtert wird, und zum anderen schafft das Projekt gute Arbeitsplätze. „Lehrer, die keinen Job haben, können dort unterrichten“, betont Pfarrer Ambrose.

In Nigeria müssen Schulen bewacht werden

Zudem sollen einige Wachmänner eingestellt werden. „In Deutschland braucht das keine Schule, aber in Nigeria müssen sie aufpassen, dass nichts geklaut und die Schüler nicht entführt werden“, berichtet er. Als trauriges Beispiel nennt er eine Schule im Norden des Landes, wo die Terrororganisation Boko Haram im Jahr 2014 über 200 Schülerinnen entführt hatte. Einige von ihnen werden immer noch vermisst. Und sogar erst diesen Monat hat die extremistische Islamistengruppe Hunderte Schüler im nördlichen Nigeria entführt. Nach Verhandlungen mit der Regierung sind kurz vor Weihnachten rund 300 Buben freigelassen worden. Ob alle Gefangenen befreit wurden, bleibt jedoch ungewiss. Ishiagu liegt zwar im christlich dominierten Süden, wo derartige Übergriffe seltener sind – aber auch dort sind sie nicht unmöglich.

Spenden gehen auf ein Treuhandkonto

Wachpersonal und Lehrer wird der Seelsorger ebenfalls mit Stiftungsgeld bezahlen. Bis er sich über die Angestellten der Schule Gedanken machen muss, ist es jedoch noch ein weiter Weg. Um den zu meistern, sei er auf Spenden angewiesen. Sein Schulprojekt wird von OPAM – Verein zur Förderung der Alphabetisierung – unterstützt, der auch Spendenquittungen ausstellt. Die Spenden gehen auf ein Treuhandkonto, damit sichergestellt ist, dass das Geld auch wirklich nur zum Bau des Bildungszentrums genutzt wird.

Und obwohl sich das Leben in Buchloe und das in Ishiagu in vielerlei Hinsicht unterscheiden, gibt es doch Gemeinsamkeiten: An beiden Orten wird Weihnachten gefeiert. Auch in Ambroses Heimatdorf kommen Familien zusammen. Die Gottesdienste seien jedoch lebendiger als in Deutschland: Die Besucher singen und tanzen gemeinsam. Im Anschluss wird zusammen gegessen und getrunken – auch in Deutschland zur Weihnachtszeit keine unbekannte Beschäftigung – wenn nicht gerade Corona das Leben einschränkt.

Spendenkonto: Kreissparkasse Köln, IBAN DE25 3705 0299 0301 0002 75, Verwendungszweck: Schulbau in Nigeria, Projekt-Nr. 547