Ortsbesichtigung

Buchloer Heimatverein entdeckt Nachbarschaft neu

Die Mitglieder des Buchloer Heimatvereins ließen sich vom Ortschronisten Paul Jörg (rechts) ausführlich die kunstgeschichtlichen Details der Denklinger Kirche erklären.

Die Mitglieder des Buchloer Heimatvereins ließen sich vom Ortschronisten Paul Jörg (rechts) ausführlich die kunstgeschichtlichen Details der Denklinger Kirche erklären.

Bild: Herbert Wintersohl

Die Mitglieder des Buchloer Heimatvereins ließen sich vom Ortschronisten Paul Jörg (rechts) ausführlich die kunstgeschichtlichen Details der Denklinger Kirche erklären.

Bild: Herbert Wintersohl

Dorfchronist Paul Jörg führt zahlreiche Interessierte durch Denklingen und stellt interessante Bezüge zur Gennachstadt her.
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Von Redaktion Buchloe
03.10.2021 | Stand: 05:00 Uhr

Nach langer Corona-Pause fand wieder eine Ortsbesichtigung des Heimatvereins Buchloe statt. Bei strahlendem Sonnenschein nahm Paul Jörg, ein profunder Kenner der Denklinger Geschichte, die Besucher aus der Gennachstadt mit auf eine historische Reise in die Denklinger Kirche, die als Saalbau genügend Platz für die Gäste bot. Die exponierte Lage auf dem Berg, bei der Planung als „komodlicherer Ort“ bezeichnet, und die hohen Fenster sorgten für eine lichtdurchflutete Kirche, die mit ihren Farben, Figuren und Altären auf den ersten Blick beeindruckt.

Bedeutende Künstler am Werk

Bedeutende Künstler Schwabens haben hier ihr Können eingebracht. 1668 war die damalige Kirche beim großen Dorfbrand mit abgebrannt. Die Not nach dem Dreißigjährigen Krieg erlaubte nur einen Behelfsbau, der nach 100 Jahren wieder baufällig war. 1765 ließen die Denklinger deshalb ein neues Langhaus vom Tiroler Baumeister Franz Xaver Kleinhans errichten, „der bei der Buchloer Kirche unter Johann Georg Fischer noch als Polier arbeitete“, wie Jörg berichtete. Während es sich bei der Denklinger Kirche um Kleinhans’ letztes Werk handelte, schuf hier der Freskenmaler Johann Joseph Anton Huber sein erstes eigenes Meisterwerk. Das imposante Deckenfresko versah er selbstbewusst mit einer großen Signatur. „Zurecht“, wie Jörg bemerkte, „denn er wurde später Direktor der Augsburger Kunstakademie, und diese Malerei war sein Referenzwerk für nachfolgende Aufträge, wie man an ähnlichen Bildern in anderen Kirchen, zum Beispiel in Stockheim, sehen kann.“

Viele Verbindungen

Jörg schlug bei seinen Kirchengeschichten immer wieder Brücken Richtung Buchloe. So wurde der linke Altartisch 1797 durch den Buchloer Fassmaler M. Fröhlich gestaltet. Beide Orte hatten in der Vergangenheit auch strukturell viele Gemeinsamkeiten. Bis 1803 gehörten sie zum Bistum Augsburg. Ab 1862 gehörte Denklingen erstmals zum Bezirksamt Kaufbeuren, bis es 1972 bei der Gebietsreform mit den anderen Fuchstalgemeinden zum Landkreis Landsberg und damit zum Regierungsbezirk Oberbayern kam. Aber der Dialekt blieb schwäbisch, wie die Besucher erfreut feststellten. „Insgesamt eine gewaltige Kirche, die man auf dem Lande sonst nicht leicht findet und ein weithin sichtbares Wahrzeichen Denklingens“, resümierte Jörg.

Historisches Zentrum neu belebt

Von der Kirche ging es hinunter zum neuen Denklinger Rathaus mit dem neu erstellten Vorplatz. Jörg schilderte die wechselvolle Geschichte des wahrscheinlich ältesten Hofes von Denklingen und ehemaligen Wirtshauses an einer wichtigen Handelsstraße auf. Nach der Einstellung des Gasthausbetriebes wurde das Anwesen durch die Gemeinde gekauft und in mühevoller Arbeit in ein neues Rathaus umgewandelt. Damit sei nicht nur ein historisches Gebäude gerettet worden, sondern auch die Bedeutung des alten Zentrums mit Kirche und Gasthof neu belebt worden. Der informative Nachmittag endete mit einer Einkehr im Gasthaus Seerose in Welden.