Beginn der Fastenzeit

Buchloer Pfarrer zur Fastenzeit: Zuversicht ist wichtiger als Verzicht

Der Fasching ist vorbei. Nun beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Traditionelle Kässpatzenessen in großer, geselliger Runde wird es aber nicht geben. Auch die Aschermittwochsgottesdienste müssen anders gefeiert werden.

Der Fasching ist vorbei. Nun beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Traditionelle Kässpatzenessen in großer, geselliger Runde wird es aber nicht geben. Auch die Aschermittwochsgottesdienste müssen anders gefeiert werden.

Bild: B. Weizenegger, dpa (2), Uwe Zucchi, Caroline Seidel, Vielfalt21 - stock.adobe.com

Der Fasching ist vorbei. Nun beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Traditionelle Kässpatzenessen in großer, geselliger Runde wird es aber nicht geben. Auch die Aschermittwochsgottesdienste müssen anders gefeiert werden.

Bild: B. Weizenegger, dpa (2), Uwe Zucchi, Caroline Seidel, Vielfalt21 - stock.adobe.com

Die Fastenzeit beginnt – wieder während Corona. Die Buchloer Pfarrer Dieter Zitzler und Christian Fait sprechen im Interview über Zuversicht, Ostern und Impfen.
17.02.2021 | Stand: 05:12 Uhr

Am Aschermittwoch beginnt die neue, so ganz anders geprägte Zeit: die Fastenzeit beziehungsweise österliche Bußzeit im katholischen Sprachgebrauch, während die evangelischen Christen von der Passionszeit sprechen. Grund genug, an dieser kleinen Zeiten-„Wende“ mit den beiden Buchloer Geistlichen, Stadtpfarrer Dieter Zitzler (katholische Pfarreiengemeinschaft Buchloe) und Pfarrer Christian Fait (evangelische Hoffnungskirche) ein Gespräch über Freude, Verzicht, Spaß und Ostern zu führen.

Die Fastenzeit beginnt - bereits zum zweiten Mal während Corona

Wie geht es Ihnen gerade persönlich, im Jahre zwei der Corona-Pandemie und kurz nach einem ausgefallenen Fasching?

Dieter Zitzler: Mir geht es persönlich gut. Ich kann nicht klagen. Dass der Fasching heuer nicht so groß wie sonst ausfiel, hat mir nicht weh getan. Immerhin habe ich am Wochenende in Lindenberg und Honsolgen Mini-Faschings-Predigten gehalten – allerdings nicht in gereimter Form. Dazu hat mir die Zeit gefehlt.
Christian Fait: Im Großen und Ganzen geht es mir sehr gut, auch der Familie. Wir genießen, dass wir sehr viel mehr zusammen machen als sonst. Es kommt aber natürlich auch vor, dass man sich mal auf die Nerven geht. In Bezug auf die Kirchengemeinde sieht es allerdings etwas anders aus: Wir leiden sehr unter der Situation, dass Treffen im evangelischen Gemeindehaus und damit gelebte Gemeinschaft derzeit nicht möglich sind. Immerhin sind unsere Gottesdienste an den Sonntagen fast immer ausgebucht, und wir haben noch nie jemanden wegschicken müssen. Es ist aber schon schwierig, dass gegenwärtig keine Abendmahlfeiern stattfinden als Ausdruck von Gemeinschaft. Nach vorne kommen, einen Kreis bilden, sich die Hand geben – all das fehlt. Ich bin es gewohnt, nach dem Gottesdienst die Besucher mit Handschlag zu verabschieden an der Kirchentür – und in normalen Zeiten auch mal jemanden in den Arm zu nehmen, wenn es ihm schlecht geht. All das geht nun schon seit Längerem nicht, und das ist schwierig, eine Herausforderung.

Stadtpfarrer Dieter Zitzler
Stadtpfarrer Dieter Zitzler von der katholischen Pfarreiengemeinschaft Buchloe.
Bild: Claudia Goetting

Die Digitalisierung in der Kirche geht also auch in den kommenden Monaten weiter...

Zitzler: Bis auf weiteres werden alle über die Gottesdienste hinausgehenden Angebote in Präsenz – beispielsweise die „Exerzitien im Alltag“, aber auch die „Gebetsschule“, die im Herbst, kurz vor dem Lockdown, begonnen wurde – ausfallen. Und auch die Vorbereitung auf die Erstkommunion läuft natürlich in diesem Jahr anders, eben digital.
Fait: Die Corona-Beschränkungen ermöglichen es, neue Formen und Methoden zu entwickeln und auszuprobieren. Zum Beispiel halten wir unsere Kirchenvorstandssitzungen über „Zoom“ ab, und auch der Konfirmandenunterricht läuft online. Donnerstagsabends ab 18 Uhr zum Beispiel bieten wir – als Team zusammen mit meiner Kollegin, Religionspädagogin Ulrike Wappler – interaktive Andachten über „Zoom“ an, die es ermöglichen, einen Gottesdienst nicht nur – wie beispielsweise über YouTube – zu „konsumieren“, sondern sich auch aktiv zu beteiligen. Dennoch bleibt es eine schwierige, zwiespältige Situation, die auch mitunter traurig macht.

Fastenzeit
Buchloes Pfarrer Christian Fait von der evangelischen Hoffnungskirche.
Bild: Claudia Goetting

Was bedeutet Ihnen der Fasching? Und welche Bedeutung messen Sie der Freude zu – sowohl im Hinblick auf die Theologie und Seelsorge als auch psychologisch gesehen?

Fait: Auch wenn ja der Fasching zunächst eine eher katholische Angelegenheit ist, meine Frau und ich sind schon immer gerne zum Gala-Ball des Buchloer VfL gegangen. Das ging uns in diesem Jahr ab. Freude an sich – auch im Sinne von Glaube an etwas Positives – hat aber durchaus einen protestantischen Hintergrund, und so habe ich am vergangenen Wochenende auch in gereimter Form gepredigt.
Zitzler: Eigentlich bin ich kein Faschingsfan, halte mich aber dennoch für einen fröhlichen Menschen, denn Humor ist etwas Gutes und Wichtiges und hilft dabei, manches Problem zu lösen. Ich kann Ihnen versichern: Im Pfarrbüro wird viel gelacht. In den Sinn kommt mir angesichts der Fragestellung auch der Film „Der Name der Rose“ aus dem Jahr 1986, in dem es ja ganz zentral um die Frage ging, ob Jesus gelacht hat. Auch denke ich – fast protestantisch – an eine Textstelle aus dem Alten Testament (blättert in der Bibel). Im Buch Jeremiah (8,10 f.) steht: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ sowie „Seid nicht traurig und weint nicht.“ Freude ist also definitiv wichtig für die Seele.

Buchloer Pfarrer zur Fastenzeit: Zuversicht ist wichtiger als Verzicht

Was bedeutet für Sie Verzicht als ein Leitmotiv der Fastenzeit? Und: worauf? Und was macht es Ihres Erachtens mit den Menschen, wenn sie nun schon sehr lange Zeit unfreiwillig auf sehr vieles verzichten mussten und noch müssen, was gemeinhin „Leben“ ausmacht?

Fait: Zur Rolle des Verzichts in diesem Corona-Jahr habe ich mich schon geäußert (siehe Infokasten). Wir haben auch in der Familie gemeinsam überlegt: Verzicht, auch auf Grundrechte, gibt es zurzeit schon genug. Darum möchte ich – auch im gut protestantischen Sinne von der „Freiheit eines Christenmenschen“ – die Formulierung vom „Verzicht auf den Verzicht“ wiederholen, denn der Glaube sollte den Menschen (auch im Sinne von Lebensqualität) helfen – und nicht umgekehrt.
Zitzler: „Verzicht“ im religiösen Sinne ist zunächst ja etwas zutiefst Freiwilliges. Es geht dabei um die Gottesbeziehung und daran anknüpfend und darüber hinaus auch um die Beziehung zum Menschen beziehungsweise Mitmenschen. Verzicht sollte aber nicht unter dem Leistungsaspekt gesehen werden. Vielleicht könnte man sagen, dass „am Ende was übrig bleiben soll, was ich anderen geben kann“. Das kann dann ganz pragmatisch in der Pfarrgemeinde heißen, dass man hilft, wo es brennt… und das dann auch durchaus finanziell. Ganz „klassisch“ versuche ich in der Fastenzeit, die Sache mit den Süßigkeiten im Griff zu behalten (schmunzelt). Das hat aber mehr mit dem Gewicht zu tun. Eigentlich muss ich mir auch nie Süßigkeiten kaufen. Ich bekomme genug geschenkt.

Wie Ostern gefeiert werden kann, steht noch nicht fest

Wie kann in diesem Jahr Ostern gefeiert werden – zum zweiten Mal auf Distanz, auch im Gottesdienst?

Zitzler: Vieles ist daran zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar, da wir nicht wissen, wie sich die Pandemie und die damit verbundenen Regeln weiterentwickeln. Aber auf jeden Fall wird es zwei Osternachtsfeiern geben – eine am Karsamstagabend und eine am frühen Ostersonntagmorgen. Auf die traditionelle Speisensegnung in der Osternacht wird man vermutlich heuer eher verzichten müssen. Wir planen halt mit einer gewissen Zuversicht und warten ab, was erlaubt sein wird.
Fait: Uns treiben verschiedene Überlegungen um, wobei konkrete Pläne noch nicht absehbar sind. Vielleicht wird es ein Angebot auf YouTube geben, vielleicht auch andere, neue Formen, beispielsweise als (ökumenischer) Osterspaziergang in der freien Natur.

Was möchten Sie den Menschen mitgeben auf Ostern hin?

Zitzler: Schon im Alten Testament wird davon gesprochen, dass „Fasten“ zunächst nicht „Verzicht“ bedeutet, sondern meint, sich dem Nächsten zuzuwenden. In diesem Sinne könnte man für die österliche Bußzeit eher positiv formulieren: Es geht um „Sieben Wochen Zeit für...“ zum Beispiel Stille, Zufriedenheit, Gott, Achtsamkeit, Freude, die Schöpfung, den Mitmenschen und schließlich die Auferstehung. All das wird im Online-Fastenkalender der Pfarreiengemeinschaft (www.katholiken-buchloe.de/coronavirus/fastenkalender) in den Blick genommen.
Fait: Der Glaube soll dem Menschen im Sinne von etwas Gutem, Tröstendem, Aufbauenden im Leben hilfreich sein.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Fait: Ganz konkret der Blick aus dem Fenster: Wenn man rausschaut, kann man den Sonnenschein genießen, es wird Frühling, die Natur bricht auf, es wird zunehmend heller und wärmer, und das auch – das ist meine Hoffnung – im Hinblick auf die Pandemie. Und ich hoffe, dass mehr Impfungen auch mehr Freiheiten ermöglichen werden.
Zitzler: Dass da ganz viele Menschen sind, die nicht aufgegeben haben, die weiterhin da sind für andere und helfen, beispielsweise auch im Sinne des weiterlaufenden Wohnvierteldienstes (sofern dies gewünscht wird) als eine Art „Ostern konkret“. Und natürlich macht mir Hoffnung, dass wir nicht alleine sind, dass Gott ein Auge auf uns wirft.

Beide Pfarrer wollen sich gegen Corona impfen lassen

Von den Corona-Impfungen war schon die Rede, darum zum Schluss die aktuelle Frage: Werden Sie sich impfen lassen – und was halten Sie von den Impf-„Vordränglern“, auch in den eigenen Reihen beziehungsweise in der katholischen Augsburger Bistumsleitung?

Zitzler: Ich werde mich impfen lassen, wenn ich an der Reihe bin. Dass sich der Augsburger Bischof Bertram Meier hat vorgezogen impfen lassen, empfinde ich – grundsätzlich betrachtet, aber auch in der Außenwirkung – als sehr unglücklich.
Fait: Zum Impfen habe ich eine positive Einstellung. Ich habe mich bereits registrieren lassen und freue mich auf den Zeitpunkt, wenn ich an der Reihe bin. Die andere Geschichte (überlegt lange) …. nun, ich denke, Kirche hat viel mit Solidarität zu tun. Wenn Ärzte, Pflegepersonal oder Personen, die tagtäglich in der Seelsorge bei zum Beispiel Schwerkranken oder Sterbenden tätig sind, bevorrechtigt geimpft werden, dann finde ich das aufgrund der beruflichen Situation in Ordnung. Alle anderen sollten warten, bis sie dran sind.

Digitaler Fastenkalender und "Zuversicht! - Sieben Wochen ohne Pessimismus"

Pfarreiengemeinschaft Buchloe: Das Pastoralteam – neben Stadtpfarrer Dieter Zitzler und Benefiziat Dr. Ambrose Onwumere Ikwuagwu sind Schwester Helga Bernhardt, Susanne Zinth als Pastoralratsvorsitzende, die beiden Gemeindereferentinnen Anna Weber und Julia Meichelböck sowie Gemeindeassistentin Claudia Chmiel konzeptionell beteiligt – bietet online einen Fastenkalender mit 45 „Türchen“ auf Ostern hin voller geistlicher Impulse an, abrufbar über die Homepage der Pfarrei (www.katholiken-buchloe.de/coronavirus/fastenkalender). Am Aschermittwoch wird es außerdem von 12 bis 14 Uhr erstmals auf dem Bahnhofsplatz als Freiluft-Angebot „Ashes to go“ (Aschenkreuz-Austeilung) geben – zusätzlich zum Aschermittwochsgottesdienst am Nachmittag für Kinder und Familien im Haus der Begegnung ab 16 Uhr beziehungsweise der regulären Aschermittwochsabendmesse ab 19.15 Uhr in der Stadtpfarrkirche beziehungsweise Honsolgen.

Hoffnungskirche: Das Team – neben Pfarrer Christian Fait und Religionspädagogin Ulrike Wappler waren auch die beiden Prädikanten Peter Hack und Annette Elsner miteinbezogen – hat sich intensiv Gedanken gemacht, wie in diesem Jahr die Passionszeit gestaltet werden könnte – in den Fastenandachten und Predigten. Und es kam laut Fait interessanterweise Widerstand auf gegen den Begriff des „Verzichts“ – sei es auf Fleisch, auf das Autofahren, auf Alkohol, auf Plastik oder Ähnliches, wie es in den vergangenen Jahren häufig unter dem Schlagwort „Sieben Wochen ohne...“, auch in seiner Familie, praktiziert wurde. „In Corona-Zeiten wird den Menschen ohnehin schon ein so großes Maß an Verzicht abverlangt, dass es uns nicht die richtige Zeit dafür erscheint, von den Menschen mit dem moralischen Zeigefinger noch mehr zu fordern“, sagt Fait. Im Sinne eines „Verzichts auf den Verzicht“ gelte es vielmehr, den Menschen Trost und etwas Aufbauendes zu bieten. Also: durchaus eine Vorbereitung auf Ostern hin, aber eben als „Zuversicht! – Sieben Wochen ohne Pessimismus“. Unter diesem Motto wird es ab dem Sonntag „Invocabit“ (21. Februar) bis Palmsonntag (28. März) jeden Sonntagabend ab 18 Uhr in der Hoffnungskirche eine Andacht als Präsenzgottesdienst geben, der eventuell parallel über „Zoom“ gestreamt wird (www.buchloe-evangelisch.de).

Lesen Sie auch, wie Menschen in der Corona-Krise bei den Buchloer Kirchen Trost finden.