Politische Debatte

Buchloer Stadtrat stimmt Garagenneubau mit Bauchschmerzen zu

Zum Ortstermin traf sich der Ferienausschuss des Buchloer Stadtrats unter Leitung des Zweiten Bürgermeisters Herbert Barthelmes (rechts) in der Josef-Rid-Straße.

Zum Ortstermin traf sich der Ferienausschuss des Buchloer Stadtrats unter Leitung des Zweiten Bürgermeisters Herbert Barthelmes (rechts) in der Josef-Rid-Straße.

Bild: Karin Hehl

Zum Ortstermin traf sich der Ferienausschuss des Buchloer Stadtrats unter Leitung des Zweiten Bürgermeisters Herbert Barthelmes (rechts) in der Josef-Rid-Straße.

Bild: Karin Hehl

Warum die Soziale Wohnungsbaugenossenschaft in guter Innenstadtlage Garagen errichten darf. Welche Alternativen die Buchloer Mandatsträger sehen.
06.08.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Ein scheinbar unspektakulärer Bauantrag der Sozialen Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) führte zu einer ungewöhnlichen Sitzung des Buchloer Stadtrats: Der Ferienausschuss musste sich mit der Frage befassen, ob auf einem Genossenschaftsgrundstück in bester Innenstadtlage 13 Fertiggaragen errichtet werden dürfen. Mehrere Stadträte können sich dort auch eine Wohnbebauung vorstellen.

Die zusätzliche Sitzung wurde nötig, weil Bauanträge normalerweise binnen zwei Monaten behandelt werden müssen. Eingegangen war der Antrag am 2. Juli. Gibt die Stadt bis 2. September keine Stellungnahme ab, gilt der Antrag automatisch als genehmigt. Bei einer Gegenstimme befürwortete der Ferienausschuss nun zwar den Garagen-Bauantrag; die WBG hat aber die Möglichkeit, ihn noch einmal zurückzuziehen oder gar umzuplanen. Denn auch die Genossenschaft weiß, dass sich das große Grundstück auch für Wohnbebauung eignen würde.

„Es stellt sich die Frage, ob das Garagen-Projekt noch einen Aufschub duldet und wir nach den Ferien nochmals in einen intensiven Dialog treten“, brachte es Zweiter Bürgermeister Herbert Barthelmes auf den Punkt. Er leitete die Sitzung, die mit einem Ortstermin an der Josef-Rid-Straße begann. Den Fragen und Vorschlägen der Stadträte stellten sich dabei auch Michael Kiechle, Vorstandsvorsitzender der WBG, sowie Geschäftsführer Wolfram Hockauf-Sprenger.

Fläche eignet sich zur Nachverdichtung

Nach Ansicht von Rudolf Grieb (UBI) eigne sich die etwa 3500 Quadratmeter große Fläche bestens für eine Nachverdichtung: „Das ist wertvoller Grund und wir sollten überlegen, ob hier Wohnbebauung möglich ist.“ Bereits seit 2015 befasse man sich bei der WBG mit dieser Frage, erklärte Vorstandsvorsitzender Kiechle. Doch der hohe Grundwasserstand, vor allem aber die Stellplatzverordnung der Stadt, erforderten an dieser Stelle eine Tiefgarage. Denn schon jetzt seien Parkplätze an den Straßen knapp. „Wir sprechen hier von Mehrkosten von 600000 bis 800 000 Euro“, sagte Kiechle. Umgelegt auf die monatliche Stellplatzmiete liege man somit bei 150 Euro pro Monat. „Das zahlt ein Mieter bei uns nicht“, meinte er. Auch die Mieten würden bei dieser Rechnung kräftig steigen, ergänzte der Geschäftsführer: „Für 8,50 Euro pro Quadratmeter wie aktuell im Neubau an der Welfenstraße könnten wir hier nicht vermieten. Dann landen wir bei 12, 13 Euro, und das wäre nicht mehr sozial.“

Auf Stelzen bauen?

Auf Stelzen zu bauen, wie es Lothar Scholze (UBI) vorschlug, lehnten Hockauf-Sprenger und Kiechle ab: „Dann fehlt uns das begehrtste Geschoss, das Erdgeschoss, das wir immer gerne barrierefrei anbieten.“ Baue man in die Höhe, bräuchte man einen Aufzug und damit stiegen die Kosten erneut.

Dass sich die WBG am Standort zwischen Josef-Rid-Straße und Sonnenstraße durchaus Möglichkeiten offenhalte, machte Kiechle deutlich. Und er rechnete vor, dass für die Garagen lediglich etwa 500 Quadratmeter bebaut würden. „Da hätten wir noch Platz, auch für einen weiteren Block.“ Bernd Gramlich (SPD) griff den Einwand auf: „Vielleicht müssen wir als Stadt in Vorleistung gehen und die Stellplatzverordnung hier ändern.“ Statt der momentan geforderten 1,75 Stellplätze pro Wohnung könnte man die Verordnung auf einen Stellplatz senken, meinte er.

Anwohner meldet sich zu Wort

Auch ein Anwohner, der zum Ortstermin gekommen war, meldete sich zu Wort: „Den Leuten soll es auch noch Spaß machen, hier zu wohnen“, sagte der Mann mit Blick auf die Gemeinschaftsgärten.

Weil für eine Ablehnung des Bauantrags laut Zweitem Bürgermeister „jegliche rechtliche Grundlage fehlt“, stimmten die Stadträte in der anschließenden Sitzung im Rathaus zu. Die eigentlichen Planunterlagen sollen später nachgereicht werden. Und weil die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, könnte sich daran durchaus noch etwas ändern. „Wir haben gesehen, dass die WBG sehr kooperativ ist“, resümierte Barthelmes, der eingangs betont hatte: „Wir wollen hier nichts verhindern und haben eine hohe Wertschätzung für das, was Sie hier in Buchloe für die Bürger tun. Und wir freuen uns, wenn Sie uns an Ihrer Zukunftsplanung teilhaben lassen.“

 

Soziale Wohnungsbaugenossenschaft Buchloe

  • Geschichte Wegen der großen Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg, die auch in Buchloe, Kaufbeuren und den Landgemeinden immense Ausmaße angenommen hatte, wurde eine Wohnungsbaugenossenschaft mit Sitz in Buchloe gegründet. Am 5. Juli 1949 erfolgte die Eintragung ins Genossenschaftsregister beim Amtsgericht Memmingen. Zweck und Ziel der Baugenossenschaft war laut Eintrag „der Bau von Kleinwohnungen im eigenen Namen, Erwerb und Baubetreuung von Kleinwohnungsbauten, beschränkt auf den Landkreis Kaufbeuren“.
  • Entwicklung In den darauffolgenden Jahren wurden für damalige Verhältnisse große Mehrfamilienhäuser in Oberbeuren, Obergermaringen und Buchloe, kleinere Wohnhäuser in Irsee, Fuchstal-Leeder, Hirschzell und in Steinholz gebaut. In den 1950er und 1960er Jahren sowie später kamen weitere Wohnungen und Häuser dazu, zuletzt 2006 ein modernes Mehrfamilienhaus.
  • Aktueller Bestand Inzwischen sind es 359 Wohnungen (Gesamtfläche: 19 161 Quadratmeter) mit Größen zwischen 35 und 90 Quadratmetern in Oberbeuren, Germaringen, Westendorf, Steinholz (Mauerstetten), Zellerberg (Rieden) und Buchloe. Außerdem vermietet die WBG zwei Gewerbeeinheiten sowie 130 Garagen. Derzeit baut die Genossenschaft ein Haus mit 16 Wohnungen in der Welfenstraße in Buchloe. Vermietet werden die Wohnungen ab September zum Preis von 8,50 Euro pro Quadratmeter.

"www.wbg-buchloe.de