Corona und Schule

Unterricht an Ostallgäuer Schulen in Corona-Zeiten: Am Lüften führt kein Weg vorbei

Die Anschaffung von CO²-Sensoren wird empfohlen.

Die Anschaffung von CO²-Sensoren wird empfohlen.

Bild: Mathias Wild

Die Anschaffung von CO²-Sensoren wird empfohlen.

Bild: Mathias Wild

Der Kreisausschuss Ostallgäu empfiehlt, keine mobilen Luftfilteranlagen für Schulen anzuschaffen. Wie das begründet wird und wie die Schulen damit umgehen.
11.12.2020 | Stand: 11:50 Uhr

Geht es nach dem Willen des Kreisausschusses, wird der Landkreis für seine Schulen keine mobilen Luftfilteranlagen beschaffen. Das Gremium sprach eine entsprechende Empfehlung für den Kreistag aus, der in dieser Sache eine Entscheidung trifft. Um sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, sollen Lehrer und Schüler die Klassenzimmer weiterhin ausreichend lüften. Dies ist nach Expertenmeinung der beste Schutz vor einer Infektion. Die Anschaffung von CO²-Sensoren wird allerdings vom Ausschuss empfohlen.

Die Verwaltung solle prüfen, wie viele Luftfilteranlagen für Klassen- und Gruppenräume in landkreiseigenen Schulen notwendig sind. Diesen Antrag hatten die Kreisräte Ilona Deckwerth, Dr. Paul Wengert (beide SPD), Roland Brunhuber und Otto Schrägle (beide ÖDP) sowie Hubert Endhardt (Grüne) gestellt. Zudem solle der Landkreis für die Schulen CO²-Sensoren bereitstellen.

„Die Schulen sind insgesamt recht gut ausgestattet“, sagte Dr. Florian Jung vom Landratsamt. An den elf landkreiseigenen Schulen verfügen knapp die Hälfte der Klassenzimmer über stationäre Lüftungsanlagen. 125 Klassenräume sind nicht mit einer Lüftungsanlage ausgerüstet. Zur Frage, ob in diesen Zimmern mobile Lüftungsanlagen als Corona-Schutzmaßnahme nötig seien, bezog sich Jung auf verschiedene Expertisen.

So stehen etwa das Umweltbundesamt und die Kultusministerkonferenz einem generellen Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte kritisch gegenüber und diese nur in Ausnahmefällen gerechtfertigt. Deren Empfehlung lautet daher auch in der kalten Jahreszeit: Die Fensterlüftung sei die „prioritäre Maßnahme, um wirksamen Schutz vor Infektionen zu gewährleisten“.

Das Bildungsministerium von Rheinland-Pfalz empfiehlt, die Klassenzimmer vor Unterrichtsbeginn und grundsätzlich während des Unterrichts nach 20 Minuten zu lüften. „Das sachgerechte Lüften von Innenräumen stellt in Schulen das Mittel der Wahl dar.“

Das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sehen mobile Raumluftreinigungsanlagen ebenfalls nur als Ergänzung zum Lüften.

Jung zog nach Auswertung der Stellungnahmen das Fazit: „Mobile Lüftungsanlagen können das aktive Lüften mit Frischluft nicht ersetzen.“ Alle landkreiseigenen Schulen verfügen laut Jung ausschließlich über Räume mit genügend großen Fenster, die auch geöffnet werden können. Daher bestehe keine Notwendigkeit, mobile Luftfilteranlagen zu beschaffen, sagte Jung. Wollte man sämtliche 125 Klassenzimmer mit derartigen Luftfilteranlagen ausstatten, müsste der Landkreis dafür knapp 560 000 Euro ausgeben. Der Kauf einer gleichen Menge von CO²-Sensoren koste 18 000 Euro. Die Kreisräte sprachen sich deshalb gegen den Kauf von mobilen Luftfilteranlagen aus.

Buchloe ist gerüstet

Die Stadt Buchloe hat bislang nicht vor, mobile Lüftungsgeräte anzuschaffen, denn nach Empfehlungen staatlicher Stellen seien diese „primär in denjenigen Räumlichkeiten einzusetzen, in denen das Lüftungskonzept nicht oder nur schwer eingehalten werden kann“, erklärt Bürgermeister Robert Pöschl. Das ist in Buchloe am Gymnasium und der Realschule zum Beispiel der Fall – allerdings nur deshalb, weil in beide Einrichtungen bereits moderne Lüftungsanlagen eingebaut sind. Einen „Jackpot“ nennt Günter Czermak, Hygienebeauftragter des Gymnasiums, die dortige Anlage. Bei der würden Zu- und Abluft nicht miteinander in Kontakt kommen, auch das Öffnen der Fenster mache nur einen unwesentlichen Unterschied bei der Belüftung und sei im Winter energetisch unsinnig, erklärt Czermak. Ähnlich sei es in der benachbarten Einrichtung: „Die Räume in der Staatlichen Realschule Buchloe werden über eine moderne Lüftungsanlage mit Frischluft versorgt. Das heißt, es findet permanent ein Luftaustausch statt. Zusätzlich werden die Fenster zum Quer- und Stoßlüften regelmäßig geöffnet“, berichtet Schulleiterin Lucia Wind.

Denn schon im Oktober erließ die Stadt ein Lüftungskonzept für alle Schulen. „Es sieht vor, dass mindestens alle 45 Minuten eine Stoß- oder Querlüftung durch vollständig geöffnete Fenster über mehrere Minuten – mindestens fünf – vorzunehmen ist, wenn möglich auch öfters während des Unterrichts“, erklärt Pöschl. Das gelte insbesondere für die Comenius- und die Meinrad-Spieß-Grundschule: „In allen 36 Räumen ist ausreichendes Lüften durch gezieltes Fensteröffnen möglich und wird auch praktiziert“, berichtet Pöschl. Das bestätigt Georg Heinecker, Leiter der Comenius-Grundschule: „Mindestens einmal pro Stunde wird gelüftet, aber bei uns wird es häufiger gemacht. Außerdem stehen die Türen zu den Gängen offen“, sagt er.

Stationäre Raumluftanlage an Mittelschule

Auch an der Mittelschule werde gelüftet, aber zusätzlich gebe es eine stationäre Raumluftanlage. „Die Klassenzimmer werden damit gelüftet. Bei der Anlage der Mittelschule ist die maximale CO2-Konzentration auf 900 bis 1000 ppm eingestellt. Die Anlage sorgt im Normalbetrieb dafür, dass dieser Wert nicht überschritten wird“, doziert Haustechniker Manfred Huber. „Die Anlagentechnik wurde auf eine erhöhte Leistung eingestellt“, ergänzt der Bürgermeister.

Obendrein ist die Mittelschule auch noch „in jedem Klassenraum mit einem CO2-Sensor ausgerüstet“, berichtet Huber. Das gelte vereinzelt auch für die Comenius-Grundschule, teilt Heinecker mit. Er befürwortet weitere Melder, vor allem für die Klassenräume, die nur Fenster nach Westen – also der Wetterseite – haben. Sein Wunsch wird wohl erfüllt werden, denn die Melder sollen bald Standard sein, kündigt der Bürgermeister an: „Die Stadt wird staatlich geförderte CO2-Messgeräte für ein optimiertes Lüftungsmanagement für alle Unterrichtsräume beschaffen“.

Aber der Bürgermeister kommt auch zu dem Schluss, der dem Vorschlag des Kreisausschusses nahe kommt: „Ein zusätzlicher Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten kann das regelmäßige Lüften nicht ersetzen. Die Schüler müssten zudem auch weiterhin Masken im Unterricht tragen oder bei Wechselunterricht auch ausreichend Abstand halten“.

Die aktuellen Corona-Regeln für Bayern finden Sie hier.