Graben

Die unbekannte Seite von Amazon

GRA-Amazon

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Bild: Daniel Weber

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Soziales Das Unternehmen in Graben arbeitet eng mit der Augsburger und Münchner Tafel zusammen. Auch Fußballweltmeister Paul Breitner packt Material für Schüler. Er wünscht sich, dass solche Aktionen überflüssig wären
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Von Daniel Weber
03.09.2019 | Stand: 15:18 Uhr

Amazon taucht immer wieder in den Schlagzeilen auf – oft wegen Streiks und Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft. Wenige kennen aber die andere Seite des Unternehmens und wissen, dass Amazon eng mit den Tafeln zusammenarbeitet und so den sozial Schwachen hilft.

Weil der Schulanfang in Kürze bevorsteht, geht es bei den Tafeln derzeit viel um Schulmaterial. Damit möglichst alle Kinder gut gerüstet in das neue Schuljahr starten können, spendiert der Amazon-Standort in Graben 2550 Rucksäcke, die eine Grundausrüstung für den Unterricht enthalten. Vertreter einiger Tafeln packten zusammen mit Amazon-Mitarbeitern erst Stifte, Spitzer, Radiergummis und Geodreiecke in Mäppchen. Je eines kam dann zusammen mit einem Block, einer Tupperdose für Pausenbrote und einer Trinkflasche in einen Rucksack. Damit sich mehrere große Kartons mit Hunderten der blauen Rucksäcke füllten, legte auch Fußballweltmeister Paul Breitner mit Hand an.

Der ehemalige Profi von Bayern München und Real Madrid sowie seine Frau Hilde waren als Vertreter der Münchner Tafel nach Graben gekommen. Für ihre Einrichtung ist der größte Teil der Spende gedacht: 2000 Rucksäcke kommen den Schülern in der Landeshauptstadt zugute. 250 bekommt die Augsburger Tafel, weitere 300 werden direkt an Kinderheime und ähnliche Einrichtungen verteilt.

So sehr sich Paul Breitner über die Spende freut, so ungehalten ist er darüber, dass sie überhaupt nötig ist. „Es ist grausam, dass es in Deutschland überhaupt etwas wie die Tafel braucht“, stellt er klar. Der Bedarf werde jedes Jahr sogar noch größer, Politik und Gewerkschaften setzten sich viel zu wenig ein für die Armen. Über eine dreiprozentige Rentenerhöhung gegen Altersarmut könne er zum Beispiel nur lachen: „Das ist nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Auch Fritz Schmidt, Vorsitzender der Augsburger Tafel, packt einen Rucksack nach dem anderen. Rund 1200 Kinder und Jugendliche müsse seine Organisation versorgen, davon etwa 500 Grundschüler. „Wir haben leider nicht genug für alle und versuchen, die 250 Rucksäcke möglichst gerecht zu verteilen“, sagt er. In einer eigenen Aktion gebe die Tafel zusätzliches Material und Schultüten an die 45 Schulanfänger aus.

Dass Amazon die Augsburger Tafel unterstützt, ist keine Premiere: Schon vergangenes Jahr organisierte der Logistiker die Schulmaterial-Aktion. Auf Wunsch der Tafeln sei das Material diesmal etwas anders zusammengestellt, sagt Amazon-Pressesprecherin Irmgard Jarosch. Nun könnten nicht nur Erstklässler, sondern auch ältere Schüler etwas damit anfangen. Außerdem könnten die Rucksäcke als Schulranzen oder Sporttaschen benutzt werden.

Die meiste Zusammenarbeit zwischen Amazon und den Tafeln geschieht aber ohne großes Aufsehen: Schmidt und seine Kollegen von der Augsburger Tafel fahren im Schnitt einmal pro Woche zu den großen Lagerhallen in Graben, um dort eine bunte Mischung an Gütern abzuholen. „Hauptsächlich bekommen wir Lebensmittel, die sonst ablaufen würden“, erklärt der Vorsitzende. „Aber auch Produkte zur Körperpflege oder Tiernahrung nehmen wir mit.“ Die Artikel von Amazon würden von den Bedürftigen gerne angenommen, weil die Qualität sehr gut sei.

Mit den Münchner Kollegen arbeite die Augsburger Tafel viel zusammen, berichtet Schmidts Stellvertreter Peter Gutjahr, der ebenfalls an der Aktion teilnimmt. Die Tafeln aus der Gegend seien gut vernetzt und versorgen sich gegenseitig mit Waren. Große Unternehmen stellen nämlich oft nur ganze Paletten eines bestimmten Lebensmittels zur Verfügung. Die können kleinere Tafeln allein gar nicht rechtzeitig aufbrauchen.

Gut eine Stunde lang arbeiteten Tafel- und Amazon-Mitarbeiter in Graben, bis alle Rucksäcke gepackt waren. „Ich habe nicht gedacht, dass Fließbandarbeit so anstrengend ist“, stellt Gutjahr fest.“ Paul Breitner versucht seinerseits, seinen Rücken wieder zu entspannen. Er sei nie ein Stehgeiger gewesen, ein Fußballer, der nur auf dem Platz herumstehe, sagt er. „Ich gehe morgen eine Runde laufen, dann arbeite ich die Verspannung wieder raus.“