Türkheim

Filmfestival: Ein bisschen wie in Hollywood

Kino Kinder und Jugendliche aus Schwaben zeigen in Türkheim ihre selbst produzierten Filme
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Von Sabine Schaa-Schilbach
13.03.2020 | Stand: 16:34 Uhr

Ein Hauch von Hollywood wehte durch das Türkheimer Kino, als die Nachwuchs-Talente beim Schwäbischen Kinder- und Jugendfilmfestival ihre eigenen Werke dem Publikum vorstellten. Mit 16 Beiträgen im Jugend-Finale und 17 im Kinder-Finale gab es an zwei Tagen über Stunden für die Besucher viel zu sehen und zu entdecken. Veranstalter waren der Bezirksjugendring Schwaben in Augsburg und das Filmhaus Huber in Türkheim. Die Moderation der Preisverleihung bei der Jugend hatte Nicole Lohfink, bei den Kindern moderierten Graciette Justo und Michael Dietrich. Die fünfköpfige Jury setzte sich zusammen aus Filmschaffenden, Vertretern von Medien und des Instituts für Medienpädagogik.

Aus dem Unterallgäu waren insgesamt fünf Beiträge am Start. Einer davon: „Fußball oder Kuchen essen?“ von den Ferienkindern aus Mindelheim. Die Filme der Älteren reichten vom türkischen Musikvideo „Bu Gece“ bis zum Beitrag „Wie wäre es mit…“ der Freshwood Studios in Dirlewang. „Feind oder Freund“ von „Mind Projects“ aus Memmingerberg über das Mädchen Emma wurde verdient mit gleich zwei Preisen ausgezeichnet: mit einem der zwei Hauptpreise und mit dem „Filmhaus Huber“-Preis. Zum zweiten Mal in Folge gab es also für „Mind Projects“ diesen Erfolg, nach ihrer Auszeichnung mit zwei Preisen beim bislang letzten Festival 2018. „Bu Gece“ (türkisch: „diese Nacht“) faszinierte durch zwei toll gewählte Locations: nachts – einmal in Bad Wörishofen vor dem Kneipp-Denkmal und einmal in Mindelheim vor den historischen Fassaden der Altstadt. Alles geheimnisvoll ausgeleuchtet. Es ging um die Liebe, um den Kummer mit ihr, von Sinan, Emre, Hüseyin und Can mit Verve gerappt.

Auch die Macher von „Wie wäre es mit…“ haben Mindelheim im Bild. Zwölf Mädels und Jungs aus Dirlewang und Mindelheim und ihr Betreuer Tim Hermannsdörfer haben das Jugendhaus JiM und Jugendcafé „Frox“ des Kreisjugendrings als Hintergrund gewählt. Die Ideen für ihren Film verwirklichten sie in kurzen Clips – einmal Horror für Große und dann für Kleine, eine Glitter-Schnapsidee in der Tiefkühltruhe, eine Schüler-Liebesgeschichte und Sport für die Jungs zum Abreagieren. Alles schwebend zusammengeschnitten, wie die geheimnisvolle blaue Feder zu Anfang. Wie auch in allen anderen Filmbeiträgen des Festivals, hatten sich die Jugendlichen um Darsteller, Kamera, Ton, Location, Schneiden und Finish selbst gekümmert. Die Betreuer standen dabei natürlich zur Seite. Die Organisatoren in Türkheim boten auch für das Drumherum einigen Spaß an. Für die Regeneration nach dem stundenlangen Filmegucken gab es zwei Ballonkünstler. Die „Scarafons Streetband“, eine Basscombo aus Augsburg, ließ Boden und Luft vibrieren. Und die „Star Wars Freunde Allgäu“ brachten echtes Hollywood-Feeling nach Türkheim und einmalige Chancen für Selfies.

Das Finale für die Kinderfilme fand einen Tag später statt. Die Themen reichten vom Vampirfilm mit vielen spitzen Zähnen bis zu Abenteuern in der Schule. Auch Animationsfilme zu oft surrealen und utopischen Themen hatten es den Kindern angetan. Mit viel Humor und trotzdem eindringlich, wurde in mehreren Beiträgen für Demokratieverständnis und für mehr Umweltbewusstsein geworben: für Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren sehr bemerkenswerte Themen. Im Vampirfilm „Das Vermächtnis“ der „Moviebande“ aus Nördlingen, der den Hauptpreis erhielt, ging es um ganz reale Ängste von Kindern, in Form einer gruseligen Traumreise in Bilder gefasst. Den Preis zum Kinder-Sonderthema „Demokratie“ holte sich die „Papier-AG“ der Werner-von-Siemens-Grundschule in Augsburg mit einer Reportage über Papier, seine Herstellung und wie man sorgsam damit umgehen kann. Zwischen den Filmen durften sich auch die Jüngeren am zweiten Festival-Tag in ein paar Workshops erholen. Da war auch Ungewöhnliches dabei, etwa das Schminken von Wunden. Die Kinder konnten auch ausprobieren, wie man einen kurzen Trickfilm mit Spielfiguren erstellt, Einstellung für Einstellung. Beim Schwäbischen Kinder- und Jugendfilmfestival gab es eine Vielzahl von Geschichten in bewegenden Bildern, die alle in der Lebenswelt der Jugendlichen spielten und sie reflektierten. Preise gab es für die Älteren in fünf Kategorien, außerdem jeweils zwei „Lobende Erwähnungen“ für Filme mit dem Potenzial, beim nächsten Mal und beim nächsten Film unter den Preisträgern zu sein. Bei den Jüngeren waren zwei Preise ausgelobt. Für alle war es toll, ihre Geschichten auf der großen Kinoleinwand zu sehen. Einzig die Mädels und Jungs der Filmgruppe der Agnes-Wyssach-Schule in Kempten hatten Pech: Wegen Corona-Verdachts an ihrer Schule durften sie nicht dabei sein in Türkheim. Als Trost: Mit einem der zwei Jugend-Hauptpreise wurde ihr Beitrag „K 11 - Kommissare im Einsatz“ belohnt, und sie bekamen, in Abwesenheit, extra viel Beifall dafür.