Buchloe

Glanzzeiten, sportliche Höhepunkte und Tiefs

FC Buchloe

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Bild: Hieronymus Schneider

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Galaabend Der FC Buchloe feiert mit prominenten Gästen sein 100. Gründungsjubiläum. Neben einem Blick in die wechselhafte Geschichte sorgt ein abwechslungsreiches Programm in der Gymnasiumsaula für beste Unterhaltung
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Von Hieronymus Schneider
09.03.2020 | Stand: 16:08 Uhr

Beim Galaabend in der Aula des Gymnasiums hat sich der hundertjährige Jubilar frisch und munter präsentiert. Eine große Bilderausstellung erinnerte an die Anfänge und an die Glanzzeiten des FC Buchloe. Wenige Tage nach dem Gründungsdatum feierte der Buchloer Fußballclub zusammen mit zahlreichen Ehrengästen seinen 100. Geburtstag.

Rückblick: Am 25. Februar 1920 wurde im damaligen Café Berchtold in der Bahnhofstraße 17 eine Fußballabteilung des Turn- und Sportvereins unter Führung des Vorsitzenden Albert Eser mit Kassier Michael Wankmüller und Schriftführer Adolf Schwarz ins Leben gerufen. Damals war der Fußballsport noch relativ neu in Deutschland – und die Spieler wurden von den etablierten Turnvereinen noch argwöhnisch beobachtet.

Doch in der Notzeit nach dem Ersten Weltkrieg fehlte das Geld für Turnhallen und da war der Sport auf der grünen Wiese, der nur einen Ball und zwei Stangen als Tore brauchte, eine günstige Möglichkeit für die Jugend. Schon am 11. April gab es das erste Spiel auf einem Platz bei den Rangiergleisen gegen den VFR Mindelheim, das 3:3 endete. Am 8. September schloss sich der junge Verein dem auch erst im Jahr 1903 gegründeten Deutschen Fußballbund (DFB) an und nahm den Punktspielbetrieb in der B-Klasse Mittelschwaben auf.

Weil dies den Hauptverein zu sehr belastete, wurde am 15. Juli 1922 der eigenständige Fußballclub FC Buchloe gegründet. An diese Anfänge und die bewegte Geschichte wurde beim Festabend nicht in langen Reden, sondern in mehreren kleinen Gesprächsrunden erinnert.

Moderator Thommi Stottrop vom RadiosenderBayern 1bat nach dem Bilderrückblick auf der Leinwand zuerst FC-Vorsitzenden Gerhard Wagner und Bürgermeister Josef Schweinberger auf die Bühne. Auf die Frage des Moderators, was aus den Anfängen noch übrig sei, präsentierte Wagner den ältesten vorhandenen Pokal aus dem Jahr 1953. Das folgende Jahr 1954 brachte gleich drei Sternstunden. Im April wurde Buchloe offiziell zur Stadt erhoben. Am 4. Juli wurde der FCB nach der politisch verfügten Zwangseingliederung in den VfL in der Mitte der 1930er Jahre wieder gegründet und einen Tag später wurde Deutschland erstmals Fußballweltmeister. Die legendäre Herberger-Elf hielt auf der Rückreise vom „Wunder von Bern“ ganze sechs Minuten im Buchloer Bahnhof. Das reichte aus, um ihnen eine Erinnerungsurkunde auszuhändigen, die von allen Spielern unterschrieben zurückgesandt wurde und bis heute im Vereinsheim einen Ehrenplatz hat.

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Erste und Zweite des FC Buchloe spielen am Wochenende

Wagner erinnerte auch an Alexander Moksel, den größten Förderer des Vereins, der maßgeblich zum Bau des nach ihm benannten Stadions an der Bergstraße im Jahr 1967 beigetragen hat. Auch das neue Stadion an der Rudolf-Diesel-Straße, das 1998 unter dem Vorsitzenden Erwin Wensauer entstand, heißt Alexander-Moksel-Stadion.

In der zweiten Talkrunde überreichten Harald Drutzel und Werner Schempp vom Bayerischen Landessportverband eine Jubiläumsurkunde mit der Bemerkung, dass 100 Jahre für einen Fußballverein schon eine Seltenheit sind. Nach einer Videobotschaft des Ministerpräsidenten Markus Söder unterhielten sich Landrätin Maria Rita Zinnecker und Karl Heinz Giegerich, Allgäuer Kreisvorsitzender des Bayerischen Fußballverbandes (BFV), über die Bedeutung des Ehrenamts. Die Landrätin, die sich als ehemalige Bezirksligafußballerin outete, sagte: „Die Ostallgäuer sind sehr aktiv, fast jeder Zweite hat irgendein Ehrenamt.“ Giegerich gab dagegen zu bedenken, dass viele Rentner doch lieber ihre Freiheit genießen statt sich an ein Vereinsamt zu binden.

Nach einer beeindruckenden Vorführung der Tanzgruppen „Akrobatik Astral“ und „One Passion“ des VfL Buchloe sprachen der evangelische Pfarrer Christian Fait, Landtagsabgeordnete Angelika Schorer und Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke über das Thema Glauben und Sport. „Auch wenn ich nicht für einen Sieg bei einem Fußballspiel beten würde, gehören Gemeinschaft und Vertrauen sowohl zum Sport als auch zum Glauben“, sagte Fait und wünschte dem FCB stets den Glauben an den Sieg.

Ein Videogruß des BFV-Präsidenten Rainer Koch leitete das abschließende Podiumsgespräch zwischen der Allgäuer Fußballlegende Franz „Bulle“ Roth und Erwin Wensauer ein. Beide erinnern sich noch genau an das Gastspiel des großen FC Bayern München beim kleinen FC Buchloe im Jahr 1975. Damals standen beide Vereine im Zenit ihrer Geschichte. Die Bayern hatten gerade zum zweiten Mal den Europapokal der Landesmeister gewonnen und die Gennachstädter waren nur knapp am Aufstieg in die Landesliga gescheitert. Das Spiel vor 4000 Zuschauern endete übrigens 8:1 für den großen FCB.

Es war aber nicht dessen einziger Auftritt in Buchloe. Schon 1959 waren die Münchner zur Eröffnung des erweiterten Sportplatzes an der Bahnlinie hier und 1980 noch ein drittes Mal. Von diesen großen Zeiten können die heutigen Spieler des FC Buchloe nur träumen, die sich in der Kreisklasse Allgäu 2 um den Wiederaufstieg in die Kreisliga bemühen.

Die Spieler der ersten und zweiten Mannschaft sangen aber mit Inbrunst die neu getextete Vereinshymne zum Abschluss des Festabends, der mit musikalischer Unterhaltung der Band „Olga and the Magic Tunes“ ausklang. Das 100. Vereinsjubiläum wird mit einem Festwochenende vom 11. bis 14. Juni im Alexander-Moksel-Stadion mit Festzelt und Jubiläumsturnier noch einmal groß gefeiert.