Energieversorgung

Grünes Licht für den Fuchstaler Wärmetopf

Lechrain Energiewende Fuchstal 1

Im Osten von Leeder soll der Wärmetopf, ein Energiespeicher, gebaut werden.

Bild: Andreas Hoehne

Im Osten von Leeder soll der Wärmetopf, ein Energiespeicher, gebaut werden.

Bild: Andreas Hoehne

Warum der Gemeinderat Fuchstal um ein Ergebnis so hart ringt.

Von Andreas Hoehne
29.06.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Grünes Licht gab der Fuchstaler Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung für die Verwirklichung des Wärmetopfes an dem geplanten Standort zwischen Leeder und den Holzwerken. Für den Bauantrag votierten nach über zwei Stunden Diskussion in der von Wolfram Ruoff (Neue Liste) beantragten namentlichen Abstimmung Bürgermeister Erwin Karg und neun Gemeinderäte, dagegen sprachen sich sieben aus.

Neben den fünf Vertretern der Neuen Liste Fuchstal stimmten auch Christoph Kneißl und Gerhard Linder (beide FWG Leeder) für Nein. Die Neue Liste hatte im Wahlkampf vor den Eingriffen in das Landschaftsbild durch das Bauwerk mit 16 Metern Höhe und 20 Metern Durchmesser gewarnt. Die Mehrheit der Räte stellte die Wirtschaftlichkeit des Projektes in den Vordergrund. Es sei nach dem Bau der Windkraftanlagen das wichtigste Vorhaben der Gemeinde überhaupt, hatte Karg vorausgeschickt.

5000 Kubikmeter Fassungsvermögen

Dabei sollen für 5,1 Millionen Euro neben dem Wärmetopf mit einem Fassungsvermögen von 5000 Kubikmetern zur Unterstützung des Fernwärmenetzes, ein Batteriespeicher für den Windstrom und eine „Power-to-Heat-Anlage“ errichtet werden, in der die in Zeiten negativer Strompreise erzeugte elektrische Energie in Wärme umgewandelt wird. An dem geplanten Standort befindet sich die hydraulische Weiche, von der die Stränge des Wärmenetzes abzweigen. Den Auftrag für den Bau des Wärmetopfes hatte der „alte“ Gemeinderat bei einer Gegenstimme beschlossen, die Kosten betragen über 600 000 Euro.

In seinem Vortrag ging Robert Sing vom Landsberger Ingenieurbüro für erneuerbare Energie auf die Vorgeschichte des Projekts ein, für das 2018 der Bescheid über die Förderung in Höhe von 75 Prozent eintraf. 2019 war eine Stromleitung von den Windkraftanlagen zum Standort gelegt worden, mittlerweile wurde dort für knapp 200 000 Euro in Absprache mit der LEW eine Messstation gebaut.

Der für das Fernwärmenetz zuständige Winfried Magg bezeichnete wie Sing die von Wolfram Ruoff vorgeschlagene Verlegung des Wärmetopfes nahe der Biogasanlage als technisch anspruchsvoll und zu teuer. Zudem blockiere sie mögliche Erweiterungen, die, erklärte Magg auf Nachfrage von Angelika Gast (Neue Liste), bis zu einer Versorgung von etwa 400 Haushalten möglich seien, bisher sind es 130.

Bürger stärker miteinbeziehen

Wolfram Ruoff betonte, er wolle das Projekt nicht verhindern, ihm sei es aber wichtig, die Bürger stärker mit einzubeziehen. Er forderte nicht nur einen Workshop für Gemeinderatsmitglieder, sondern auch eine Infoveranstaltung für die Öffentlichkeit. Auch wünschte er umfangreicheres Zahlenmaterial. Der in diese Richtung formulierte Antrag wurde mit neun zu acht Stimmen abgelehnt. Die von Ruoff vorgeschlagene Tieferlegung des Wärmetopfes um drei Meter koste etwa 500 000 Euro, so Robert Sing.

Nicht jeder Gemeinderat könne alles wissen, meinte Zweiter Bürgermeister Stephan Völk und man sollte sich deshalb auch auf die Experten verlassen. Josef Weber versicherte, dass sich der „alte“ Gemeinderat intensiv mit dem Projekt beschäftigt habe und zur Meinung gekommen sei, dass es sich um den besten Standort handle.

Mit je sieben Gegenstimmen wurden dann Folgeanträge gebilligt: Der Bauantrag für ein 28 Meter langes und 14 Meter breites Betriebsgebäude für 225 000 Euro, der Auftrag für die Bodenplatte (40 000 Euro) und die „Power-to-Heat“-Anlage (rund 250 000 Euro). Um in den Spitzenzeiten im Winter eine Hackschnitzelheizung einzubinden, ist eine zweite Leitung von der Biogasanlage für knapp 70 000 Euro erforderlich. Wie Robert Sing auf Nachfrage mitteilte, sei man gegenüber dem Zeitplan coronabedingt drei Monate in Verzug.