Polizei warnt vor Pyramidenspiel

Grundschüler spielen in Kettenbriefen um Geld

Feature Fotos Polizei, Kriminalität

Kettenbriefe sind zwar nicht illegal, aber die Polizei warnt dennoch: Denn lediglich die Initiatoren des Pyramidenspiels gewinnen dabei.

Bild: Archivfoto: Benedikt Siegert

Kettenbriefe sind zwar nicht illegal, aber die Polizei warnt dennoch: Denn lediglich die Initiatoren des Pyramidenspiels gewinnen dabei.

Bild: Archivfoto: Benedikt Siegert

In Buchloe kursieren unter Grundschülern Kettenbriefe. Die Kinder spielen darin um Geld. Die Polizei warnt vor den sogenannten Pyramidenspielen.
05.05.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Derzeit werden Kettenbriefe an Grundschulkinder verschickt. Darauf wurde die Polizeiinspektion Buchloe von Eltern aufmerksam gemacht. Demnach sollen die Kinder mit den Kettenbriefen „Sticker“ weiterverschicken. „Grundsätzlich sind derartige Kettenbriefe in Deutschland nicht verboten und im vorliegenden Fall auch relativ harmlos. Aber grundsätzlich sollten solche Kettenbriefe niemals weitergeschickt werden“, warnt Inspektionschef Bernhard Weinberger.

Die Bezeichnungen und die Arten dieser Pyramidenspiele seien sehr verschieden, das Prinzip aber immer ähnlich: Auf der obersten Stufe der Rangordnung stehe ein Mitspieler, der sich von einer Gruppe von neu dazugekommenen Personen der letzten Stufe Sachen oder Geld schenken lasse. Der Spieler der ersten Stufe scheide danach aus und die spielenden Personen der ursprünglich zweiten Stufe stehen dann auf der ersten Stufe und sollen von neu angeworbenen Personen beschenkt werden. (Lesen Sie auch: Rechtsextremismus-Experte kritisiert "Aktion Kinderschuhe" in Buchloe)

Nur zehn Prozent der Mitspieler profitieren

Für alle zu Beschenkenden seien wieder neue Geldgeber zu finden. Um ein Pyramidenspiel am Laufen zu halten, müssen immer mehr Teilnehmer angeworben werden, wobei die Zahl der notwendigen neuen Gastgeber immer steigt. Letztlich blieben jene übrig, die keine „Geschenkgeber“ mehr auftreiben können. Dabei ist bei allen Pyramidenspielen klar, dass etwa 90 Prozent aller Teilnehmer ihr Geld verlieren werden und nur etwa 10 Prozent – nämlich die „Spielenden“ – gewinnen können.

Werbung mit dem Lächeln der Kinder

„Diese Pyramidenspiele oder Kettenbriefe finden häufig im privaten Umfeld statt und haben manchmal auch einen esoterischen Anstrich“, erläutert Weinberger. In euphorischer, freundschaftlicher Stimmung werden die Teilnehmer durch Aussagen wie „man muss die positive Energie des Geldes nutzen“, „nur wer viel gibt, wird auch viel bekommen“ oder „die Erde hat genug Fülle für alle“ zum Schenken motiviert. Im vorliegenden Fall wirbt man mit dem „Lächeln im Gesicht der Kinder“.

Betrogene Betrüger

Nicht zu unterschätzen sei auch der soziale Druck, der gerade im Bekannten- oder Familienkreis zum Mitmachen führen kann. Kettenbriefe seien heute vor allem im Internet im Umlauf, die alte Briefpostvariante gebe es aber auch noch.

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Vor allem junge, lebensunerfahrene Personen spielen mit, da es sich um einen relativ geringen Einsatz handle. Doch letztlich profitierten nur die Initiatoren, betont Weinberger: „Alle weiteren Teilnehmenden werden selbst zu betrogenen Betrügern“.

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