Wilderei in der Region

Immer wieder Angriffe von Hunden: Jäger muss verletztes Reh erlösen

Max Baumgartner ist Jäger. Er appelliert an Hundehalter, ihre Tiere auch im Wald an die Leine zu nehmen, wenn sie nicht abrufbar sind.

Max Baumgartner ist Jäger. Er appelliert an Hundehalter, ihre Tiere auch im Wald an die Leine zu nehmen, wenn sie nicht abrufbar sind.

Bild: Carmen Janzen

Max Baumgartner ist Jäger. Er appelliert an Hundehalter, ihre Tiere auch im Wald an die Leine zu nehmen, wenn sie nicht abrufbar sind.

Bild: Carmen Janzen

Rund um Langerringen häufen sich die Fälle von getöteten Wildtieren. Max Baumgartner appelliert an Hundehalter, ihre Tiere auch im Wald an die Leine zu nehmen.
Max Baumgartner ist Jäger. Er appelliert an Hundehalter, ihre Tiere auch im Wald an die Leine zu nehmen, wenn sie nicht abrufbar sind.
Von Carmen Janzen
06.09.2020 | Stand: 10:02 Uhr

Ein unbekannter Hund jagt in Langerringen ein Reh, erwischt es und zerfleischt es. Das schwer verletzte Tier liegt in der Wiese, schreit vor Schmerzen. Ein faustgroßes blutiges Loch klafft am Hinterlauf des Tieres, der Körper ist von Bisswunden gezeichnet. Spaziergänger machen Max Baumgartner auf das leidende Tier aufmerksam, er hört die Schreie bis zu seinem rund 600 Meter entfernten Wohnhaus.

Der 65 Jahre alte Jäger fasst sich ein Herz und erlöst das Reh mit einem Schuss von seinen Qualen. Dieses Szenario spielte sich vergangenen Sonntag in Langerringen ab. Doch diesmal informierte Baumgartner die Schwabmünchner Polizei, denn solche Übergriffe auf Wildtiere häufen sich in jüngster Zeit. „Es war ein Fall von absoluter Tierquälerei“, sagt er.

Gerissenes Reh ein "brutalter Anblick"

Wie viele Tiere genau durch Wilderei im Landkreis jährlich ums Leben kommen, ist nicht bekannt. Die untere Jagdbehörde führe keine Statistik darüber, ob „Fallwild“ nun durch Wilderei oder Krankheit verendet ist, informiert die Pressestelle des Landratsamtes. Allein in den vergangenen vier Wochen hat Baumgartner jedenfalls drei tote Rehe gefunden. Eine Geiß war trächtig, die Kitze wurden ihr aus dem Bauch gerissen und lagen neben der toten Mutter.

„Das ist ein brutaler Anblick“, sagt Baumgartner. Ein anderes totes Reh hatte ein Gesäuge, die Kitze sind wohl ohne Mutter verhungert. Wildernde Hunde sind zunehmend ein Problem, auf das Baumgartner aufmerksam machen möchte. Etwa 15 bis 20 Rehe kämen im Revier rund um Langerringen jedes Jahr ums Leben, durch Krankheit, Autos oder eben wildernde Hunde, sagt er. Dass ein Wolf die Rehe reißt, kann der Förster ausschließen, denn der Wolf würde den Tieren an die Kehle gehen. Eine solche Verletzung wies aber keines der toten Rehe in den vergangenen Wochen auf.

Verantwortungslose Hundehalter

Die schlimmsten Hundehalter seien jene, die bei Dunkelheit mit dem Auto kommen, den Kofferraum öffnen und drei oder vier große Hunde frei und quer durch den Wald laufen lassen, die nicht auf ihre Halter hören. „Manche kommen aus der Stadt und fahren extra aufs Land. Jeden Tag in einen anderen Ort“, erzählt Baumgartner. Ein Hund müsse abrufbar sein, andernfalls gehöre er an die Leine, besonders im Wald. „Es gibt mittlerweile so Schlepp- oder Flexi-Leinen, die dem Tier trotzdem genug Freiraum bieten, es aber auch unter Kontrolle halten.“ Im Sinne des Tier- und Naturschutzes bittet er auch die Halter von kleinen Hunden, darauf zu achten, dass die Tiere nicht ausdauernd an den Uferzonen der Bachläufe stöbern. „Hunde beißen Frösche, Echsen, Molche und fressen die Eier.“

Baumgartner ist ein absoluter Tierfreund, hat unter anderem sechs Hunde, Katzen und Hasen. Als Jäger sei er im Wald „einer von der Sorte Heger und Pfleger, nicht der Schießer-Typ“, sagt er. Baumgartner weiß, dass sich die meisten Hundehalter vorbildlich verhalten und ihre Tiere gut erziehen. Und wenn er einen von den anderen trifft, versucht er zunächst stets, ein vernünftiges Gespräch zu führen.

Baumgartner will keinen Hund erschießen müssen

Der Gang zur Polizei sei das letzte Mittel. „Jäger und Hundebesitzer sollten aufeinander zugehen und miteinander reden. Mit Hass und Wut erreicht man nichts“, sagt er und erinnert sich an einen Fall in Königsbrunn vor zwei Jahren, als ein Jäger im Süden der Stadt zwei wildernde Hunde erschoss, einen vor den Augen der Besitzerin. Das Drama endete letztlich vor Gericht.

Wildernde Hunde dürfen zwar nach bayerischem Jagdrecht durch Jagdaufseher erschossen werden, in der Praxis ist das unter Jägern aber verpönt. „Einen Hund zu erschießen, das geht gar nicht. Das kommt keinesfalls infrage. Das eigentliche Problem befindet sich schließlich am anderen Ende der Leine. Das Tier kann nichts dafür und folgt nur seinem Instinkt“, sagt Baumgartner. Das schlechte Image der Jäger hält er für unbegründet. Schwarze Schafe seien die absolute Ausnahme.

„Ich habe einen großen Respekt vor allen Wildtieren. Wir Jäger sind verpflichtet, einen gesunden Artbestand zu erhalten und zu pflegen. Ich sehe Rehe lieber laufen als sterben. Mir bricht es das Herz, wenn ich ein angefahrenes oder verletztes Tier erschießen muss. Aber wer sollte es sonst tun, wenn nicht ein Jäger?“