"Geschenk mit Herz"

In der Weihnachtspäckerei: Humedica trotzt Corona

Humedica Päckchen kontrollieren

Ehrenamtliche überprüfen an 28 Arbeitsplätzen in der Humedica-Zentrale in Neugablonz die "Geschenke mit Herz". Die Packstationen sind voneinander abgegrenzt, Helfer bleiben an ihren Tischen.

Bild: Mathias Wild

Ehrenamtliche überprüfen an 28 Arbeitsplätzen in der Humedica-Zentrale in Neugablonz die "Geschenke mit Herz". Die Packstationen sind voneinander abgegrenzt, Helfer bleiben an ihren Tischen.

Bild: Mathias Wild

Humedica verschickt auch während der Pandemie „Geschenke mit Herz“ nach Osteuropa. Die Waalerin Inge Schuster hat selbst ganze 70 Päckchen zusammengestellt.
17.12.2020 | Stand: 11:59 Uhr

Im Haus von Inge Schuster stapelten sich die Weihnachtsgeschenke fast bis zur Decke. Das Nähzimmer wirkte wie die Zentrale des Christkinds. Die 70-jährige Waalerin hat dieses Jahr knapp 70 Päckchen für die Humedica-Aktion „Geschenk mit Herz“ gespendet. Bayernweit packen Ehrenamtliche Weihnachtsgeschenke für bedürftige Kinder in Moldawien, Ukraine, Serbien, Albanien, Kosovo oder Rumänien. So können sich die Kinder in Osteuropa zu Weihnachten über Süßigkeiten, Hygieneartikel, Schreibutensilien, Kuscheltiere, Spielzeug und warme Kleidung freuen.

Waalerin engagiert sich schon lange ehrenamtlich

Inge Schuster erzählt, sie engagiere sich schon lange ehrenamtlich – für verschiedene Hilfsorganisationen und für Humedica. Sie habe jedoch noch nie so viele Päckchen gepackt wie in diesem Jahr. „Ich habe auf Facebook die Leute angeregt, mir Sachen für die Geschenke zu spenden“, sagt die Rentnerin. Daraufhin hätten ihr viele 20 Euro gegeben – der veranschlagte Wert eines Päckchens – mit der Bitte, davon eines zusammenzustellen. Aber auch Artikel für die „Geschenke mit Herz“ habe sie bekommen. „Die Leute sind wahnsinnig großzügig und die Spendebereitschaft war, wider Erwarten sehr hoch“, berichtet Schuster erfreut. Sie hätte gedacht, dass coronabedingt mehr gespart werde.

Die gefragten Artikel hat Schuster in mit Geschenkpapier beklebte Kartons verpackt – für Buben und Mädchen in allen Altersklassen. Dann mussten Schusters Geschenke nach Neugablonz zur Humedica Zentrale gebracht werden. „Normalerweise lasse ich sie von Humedica abholen, aber dieses Jahr hab’ ich sie einem Bekannten mitgegeben“, erzählt Schuster. Für die 70 Päckchen der Waalerin musste es ein großes Auto sein – damit alle auf einmal in den Kofferraum passten.

Ehrenamtliche überprüfen die Päckchen

Nachdem Inge Schusters Geschenke in der Humedica-Halle abgeladen waren, wurden sie – zusammen mit vielen anderen Päckchen – von Ehrenamtlichen überprüft. Mitarbeiterin Carina Freudig erklärt, warum das wichtig ist: „Es soll für die Kinder gerecht sein. Deshalb gibt es acht Grundzutaten.“ Spielzeug, Süßigkeiten, Artikel für Körperpflege und Zahnpflege, Kleidung, Schulhefte, Schreibwaren und ein individuelles Geschenk. Außerdem gebe es auch Artikel, die nicht verschickt werden dürfen. Dazu zählen beispielsweise verderbliche Lebensmittel. Coronabedingt läuft das Päckchen-Überprüfen heuer anders ab. Nur wer sich online oder telefonisch angemeldet hat, kann bei der Geschenke-Kontrolle mitmachen.

Vor der Humedica-Halle in Neugablonz steht ein Desinfektionsmittelspender für die Helfer. Am Eingang überprüft ein Mitarbeiter den Namen, bevor es losgeht. In Hochregalen stapeln sich Kartons bis zur Decke. In den Gängen dazwischen stehen massenhaft Einkaufswagen voll mit verpackten Geschenken. Die bringen weihnachtliches Ambiente in die kühle Lagerhalle. Dort ist es ziemlich ruhig, man hört einen Gabelstapler brummen. Zwischen den Hochregalen sind 28 einzelne Arbeitsplätze für die Ehrenamtlichen eingerichtet. Mit Plexiglas sind die Arbeitszellen voneinander abgetrennt.

In Einkaufswagen stapeln sich verpackte Geschenke

Nach einer kurzen Einweisung geht es an den Einzelarbeitsplatz. Ein kurzes Nicken und Grinsen unter der Maske zu den Pack-Nachbarn, los geht’s. Ein Schild mit der Aufschrift „Desinfiziert“ liegt auf dem Tisch. Links stauen sich die Wagen voller Päckchen, die noch kontrolliert werden müssen – vielleicht sind ein paar von Inge Schuster dabei. Auf jedem davon klebt ein Aufkleber, auf dem Junge, 0 bis 4 Jahre angekreuzt ist. Auf der rechten Seite steht schon ein leerer Einkaufswagen für die fertigen Geschenke bereit. Auf Augenhöhe an der Plexiglaswand klebt eine Liste der acht „Grundzutaten“. Was fehlt, ergänzen die Helfer aus Humedica-Spenden. Damit sie dafür nicht durch die Halle laufen müssen, fahren Mitarbeiter mit Einkaufswagen voller Artikel durch die Gänge. „Bringservice“, nennt Freudig dieses Vorgehen. „Wollmützen! Wer braucht Wollmützen?“, ruft eine Frau durch die Halle. Wochenmarkt-Stimmung macht sich breit.

Dass die Geschenke nochmals kontrolliert werden müssen, wird schnell deutlich. In einem Paket ist eine Flasche Sekt „für die Oma“. In einem anderen ein deutschsprachiges Buch. Was moldawische Kinder damit anfangen sollen, bleibt offen. „Es kann auch zolltechnische Probleme geben, wenn zum Beispiel Lebensmittel dabei sind“, erklärt Freudig. An den Grenzen werden die Laster stichprobenartig kontrolliert. Wenn in einem Paket verbotene Gegenstände sind, kann es sein, dass alle geöffnet werden.

Tor auf bei eisigen Temperaturen

Damit in der Halle ein Luftaustausch stattfindet, wird regelmäßig das große Tor geöffnet. Im Dezember kann es dann durchaus kalt werden. Deshalb stehen die Helfer mit warmen Klamotten an ihren Arbeitsplätzen. „Ich fühl’ mich nirgendwo so sicher wie bei euch“, sagt eine ältere Frau zum „Bringservice“. Auf die Einhaltung von Corona-Auflagen und Hygienemaßnahmen hat die Hilfsorganisation heuer großen Wert gelegt.

Normalerweise ist das Päckchen-Kontrollieren ein geselliger Akt, bei dem die Helfer zusammenstehen und ratschen. Da dies derzeit coronabedingt nicht möglich ist, arbeitet jeder für sich. „Wir sind nicht ausgebucht, haben aber einen guten Zulauf. Die Leute wollen helfen“, teilt Freudig mit.

Nach zwei Stunden ist die Schicht vorbei, am Eingang warten bereits die nächsten Helfer auf ihren Einsatz. Die kontrollierten Geschenke werden versandfertig gemacht und in Lastwagen verladen. Darin fahren auch Inge Schusters Päckchen zwischen vielen anderen nach Moldawien, in die Ukraine, nach Serbien, Albanien, in den Kosovo oder nach Rumänien. Pünktlich am 24. Dezember dürfen sich dann Kinder aus bedürftigen Familien über Päckchen aus Waal und anderen Orten in Bayern freuen.