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Krisen in der Krise bewältigen

Christian Fait

Christian Fait

Bild: Fotos: Alexandra Hartmann

Christian Fait

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Seelsorge Grund für Kummer gibt es derzeit genug. Wie Gläubige in Corona-Zeiten Trost über das Telefon finden
08.04.2020 | Stand: 14:50 Uhr

Die Corona-Krise löst in der Bevölkerung viele Probleme aus und ist Anlass für Sorgen: finanzielle Ängste durch Kurzarbeit oder Jobverlust, Angst vor Ansteckung bei betagten und vorerkrankten Personen. Es sind Zeiten, in denen Seelsorge-Angebote besonders gefragt sind. Doch die Einschränkungen treffen nicht nur das öffentliche Leben, sondern auch die Kirche hart: Gottesdienste werden vor leeren Bänken gefeiert und die – gerade jetzt wichtigen – Seelsorge-Gespräche können lediglich über das Telefon geführt werden.

„Es melden sich mehr Leute, da sie in einer besonderen Situation sind“, sagt der evangelische Pfarrer Christian Fait. Die Telefonate seien zudem oft sehr lange, deutlich länger als die üblichen Gespräche über Sorgen und Ängste. Das bestätigt auch der katholische Stadtpfarrer Dieter Zitzler: „Für die Gespräche über das Telefon kann man sich mehr Zeit nehmen, da sie nicht terminlich sind. Für ein Treffen gibt es meistens einen Termin, der dann auch zeitlich begrenzt ist.“

Anders als Fait, stellt er jedoch keinen signifikanten Anstieg der Nachfrage fest. Das liege wohl daran, dass es vom Bistum Augsburg ein sehr breites Angebot an Telefon-Seelsorge gibt. Auf der Website(www.bistum-augsburg.de)ist ein eigenes Organigramm der Seelsorge-Offerten sortiert nach Abteilungen zu finden.

Die Geistlichen sprechen beide über ein Problem beim Telefonieren: Die nonverbale Kommunikation fehlt. „Kommunikation hat nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit den Augen zu tun“, sagt Fait. Besonders bei Krisengesprächen komme es auf die Reaktion, Mimik und Gestik des Gegenübers an. Das mache die Telefonate meist langwieriger und schwieriger.

Der evangelische Pfarrer nennt drei Themenbereiche, die den Leuten besonders oft Kummer bereiten: finanzielle Ängste, gesundheitliche Sorgen und das Alleinsein. Besonders ältere Mitbürger, die derzeit ihre Wohnungen nicht verlassen oder Besuch empfangen können, fühlten sich alleine. „Normalerweise mache ich viele Geburtstagsbesuche. Zurzeit rufe ich bei den Leuten an, um ihnen zu gratulieren. Die Gespräche dauern oft sehr lange und eins wird deutlich: Da besteht Gesprächsbedarf“, schildert Fait. Mancher erwähnte gegenüber dem Pfarrer, sich seit Tagen mit niemandem unterhalten zu haben. Besonders wichtig sei, den Leuten zuzuhören und sie ernst zu nehmen.

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Bestimmte Sprechzeiten gibt es bei den beiden Kirchengemeinden nicht. Die zwei Geistlichen sagen beide: „Ich bin da.“ Da auch sie sich an die Ausgangsbeschränkungen halten, seien beide gut erreichbar. Besondere Tipps zur Bewältigung persönlicher Krisen zur Zeit der Corona-Krise wollen sie nicht geben, da Ratschläge individuell abgestimmt werden müssen. Der einzige Tipp, den Zitzler allen Bürgern geben möchte, ist: „Wenn jemand das Gefühl hat, er braucht Hilfe, soll er sich melden. Wir sind da und geben uns Mühe.“ Mühe geben sich die beiden Kirchengemeinden auch bei der Gestaltung des Osterfests – trotz widriger Umstände. Ausgewählte Gottesdienste werden auf YouTube übertragen und die Kirchen sind feierlich geschmückt. Vor leeren Bänken zu predigen, finden die Pfarrer zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber „Ostern fällt ja nicht aus. Jesus ist auferstanden. Wir werden es in diesem Jahr nur anders feiern“, teilt Pfarrer Zitzler im Kirchenanzeiger mit. Fait hat seine Predigt ausgedruckt und in der Hoffnungskirche ausgelegt: „Ich musste schon einmal nachdrucken, weil alle weg waren.“ Zudem möchte er mit den Leuten das Abendmahl im Livestream feiern. Das Osterfeuer ist ab Sonntag in der Kirche, wo es abgeholt werden kann. Fait kommentiert: „Wir lernen in diesen Situationen Neues – und auch damit umzugehen.“