Windkraft in Lamerdingen

Drehen sich künftig Bürgerwindräder in Lamerdingen?

Mit Bürgerbeteiligung bei Windrädern hat die Gemeinde Fuchstal gute Erfahrungen gemacht. Mit dem Modell liebäugelt nun auch der Lamerdinger Gemeinderat, erfuhren Interessierte bei einer Infoveranstaltung.

Mit Bürgerbeteiligung bei Windrädern hat die Gemeinde Fuchstal gute Erfahrungen gemacht. Mit dem Modell liebäugelt nun auch der Lamerdinger Gemeinderat, erfuhren Interessierte bei einer Infoveranstaltung.

Bild: Mathias Wild (Archiv)

Mit Bürgerbeteiligung bei Windrädern hat die Gemeinde Fuchstal gute Erfahrungen gemacht. Mit dem Modell liebäugelt nun auch der Lamerdinger Gemeinderat, erfuhren Interessierte bei einer Infoveranstaltung.

Bild: Mathias Wild (Archiv)

Die Gemeinde Lamerdingen prüft den Bau weiterer Windräder und will damit Investoren zuvorkommen. Der Rat liebäugelt mit dem Modell der Bürgerbeteiligung.
25.01.2023 | Stand: 17:32 Uhr

Derzeit gibt es im Allgäu 59 Windenergieanlagen (WEA). Bis Ende 2038 soll sich die Zahl nach dem Willen des Gesetzgebers verdoppeln. Zu diesem Thema und den Auswirkungen auf die Gemeinde Lamerdingen lud Bürgermeister Manuel Fischer Interessierte zu einer Infoveranstaltung ein.

Nordöstliches Gemeindegebiet im Lamerdingen ist Konzentrationsfläche für Windenergie

Bundesweit sollen mehr Flächen für Windräder ausgewiesen werden und der Ausbau soll schneller vorangehen. Die 10H-Regelung wurde vom bayerischen Landtag modifiziert: Sie besteht zwar weiter, wird jedoch nicht angewendet in Vorranggebieten der Regionalplanung oder Konzentrationsflächen. Seit 2013 gilt das nordöstliche Gemeindegebiet, wo zwei Windräder stehen, als Konzentrationsfläche.

„Bei Gemeinden, die bisher keine Flächen ausgewiesen haben, sind alle Flächen offen. Es kann dann auch nicht mehr aktiv von der Kommune gesteuert werden. Bei Einhaltung der derzeitigen Abstandsregeln kann überall eine WEA gebaut werden,“ sagte Fischer. Mit der vorhandenen Fläche in Lamerdingen zeigte er sich zufrieden, denn außerhalb seien nach heutigem Rechtsstand keine neuen Windräder möglich.

Zwischen den Windrädern in Lamerdingen wären zwei weitere möglich

Robert Sing vom Ingenieurbüro Sing erklärte den 60 Anwesenden, dass zwischen den bestehenden Anlagen zwei weitere möglich seien. Standorte in der Konzentrationsfläche werden aktuell geprüft. Der Abstand zur Hochspannungstrasse und die Einschränkungen des Flugplatzes Lagerlechfeld (Radarbeschattung) müssen man beachten. Jederzeit könne ein Investor in die Lamerdinger Konzentrationsfläche ein Windrad bauen – ohne Mitsprache der Gemeinde. Dem möchten die Verantwortlichen entgegenwirken.

Bis Ende 2027 sollen in Bayern 1,8 Prozent der Landesfläche als Vorranggebiete ausgewiesen werden. Für Lamerdingen ist der Regionale Planungsverband Allgäu zuständig. Bauamtsleiterin Barbara Tugemann erklärte die Bedeutung des Regionalplanes Allgäu. Dabei betonte sie, dass Ziele für den Ausbau nicht kommunal geregelt werden, sondern die Vorgaben „von oben“ kommen. „Der gesamte Süden des Freistaates ist ausgeschlossen, ebenso wie Naturschutzgebiete“, erklärte sie. Vom Planungsverband habe Fischer erfahren, dass Flächen im nordöstlichen Gemeindegebiet bei Nassenwang oder im Westen auf Flächen beim Pisterhof entstehen könnten. Der Gemeinderat werde sich intensiv damit beschäftigen. „Immerhin sind bereits drei Prozent des Gemeindegebietes mit der vorhandenen Konzentrationsfläche belegt“, bekräftigte Fischer. Weitere Flächen sehe er kritisch.

Lamerdinger Gemeinderat könnte sich Bürgerwindräder vorstellen

Sollte das Flächenziel bis 2032 nicht erreicht werden, sei das ganze Gemeindegebiet offen für WEA mit dem dann gültigen Abstand. Doch der Gemeinderat wünscht Mitgestaltungsspielraum. Es soll die bestmögliche Lösung für die Bürgerinnen und Bürger sowie die Gemeinde sein. Daher könnte sich der Rat bei weiteren Anlagen eine Bürgerbeteiligung vorstellen. Auch die Gewerbesteuer soll vor Ort eingenommen werden. „Die Gemeinde will keine Projekte durch auswärtige Investoren oder Großkonzerne“, betonte Fischer. Um ihnen zuvor zu kommen, werden Standorte in der Konzentrationsfläche geprüft. Über Ergebnisse werden die Bürger auf dem Laufenden gehalten.

Nach dem Vortrag brannten den Anwesen noch Fragen – besonders zum möglichen Bau – unter den Fingern. Auf die teils kritischen Wortmeldungen lieferte Robert Sing detaillierte Antworten. Die große Mehrheit begrüßte die Haltung des Gemeinderats und war für den Bau von Bürgerwindrädern bei regionaler Steuerung.

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