Demonstration gegen Steico-Ansiedlung

Leeder oder Fliegerhorst in Penzing als Steico-Standort? Das sagen die betroffenen Parteien

Sägewerk Pröbstl

Bei einer Demonstration im Penzinger Weiler Stillern wurde vorgeschlagen, dass sich die Firma Steico auf einer aufgelassenen Fläche der Firma Pröbstl in Leeder (im Bild) oder auf dem Penzinger Fliegerhorst ansiedeln soll.

Bild: Julian Leitenstorfer

Bei einer Demonstration im Penzinger Weiler Stillern wurde vorgeschlagen, dass sich die Firma Steico auf einer aufgelassenen Fläche der Firma Pröbstl in Leeder (im Bild) oder auf dem Penzinger Fliegerhorst ansiedeln soll.

Bild: Julian Leitenstorfer

Bei einer Demonstration gegen die Ansiedlung des Dämmstoff-Herstellers Steico in Stillern werden alternative Standorte genannt. Das spricht für Steico gegen sie.
10.07.2021 | Stand: 07:03 Uhr

Bei der Demonstration beim Weiler Stillern (Gemeinde Penzing) wurde nicht nur gegen die Ansiedlung der Firma Steico an dem Standort auf Penzinger Flur demonstriert: Es wurden auch zwei Alternativvorschläge genannt, unter anderem von Peter Satzger, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. Unsere Redaktion hat bei Steico, der Gemeinde Fuchstal und der Firma Pröbstl aus Leeder nachgefragt, was sie von den angeregten Standorten halten und ob es dort umsetzbar ist.

Das Unternehmen Steico – Hersteller von Dämmstoffen aus Holz – sucht offenbar schon länger nach einem geeigneten Standort im Landkreis Landsberg, verrät Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg auf Nachfrage. Eine Ansiedlung war für genau den Standort im Gespräch, den auch Satzger anregte: eine Brachfläche im Besitz der Holzwerke Pröbstl, auf der sich früher ein Sägewerk befand. „Die Gespräche sind aber schon etwa zwei Jahre her. Das Thema hat sich erledigt. Wir hätten zwei Bebauungspläne ändern müssen, das hätte ungefähr zwei Jahre gedauert. Das war Steico offenbar zu lange“, sagt Karg.

Brachfläche der Holzwerke Pröbstl war Steico zu klein

Geschäftsführer Helmut Pröbstl bestätigt, dass es Gespräche gab. Die Fläche sei Steico wohl aber auch zu klein gewesen, sagt er. Diese habe eine Größe von acht Hektar. Beim Weiler Stillern sollen zehn Hektar Ackerboden verwendet werden, um das Werk zu errichten. Die Synergien zwischen seinem Unternehmen und Steico wären auch überschaubar gewesen, äußert Pröbstl. „Die Holzplatten, die wir herstellen, brauchen dann auch noch Isolierungen. Man hätte vielleicht bei Großbaustellen den Kunden gemeinsam beliefern können“, nennt der Geschäftsführer einen denkbaren Vorteil. Aktuell treiben den Chef von 120 Mitarbeitern aber andere Themen um. „Wir bauen gerade eine neue Presse auf und können auf dem Gelände, auf dem sich das Plattenwerk befindet, nicht mehr erweitern. Die Brachfläche brauchen wir also wohl selber als Lagerfläche.“

Demonstranten im Penzinger Weiler Stillern sind gegen eine Ansiedlung der Firma Steico an dem Standort auf Penzinger Flur.
Demonstranten im Penzinger Weiler Stillern sind gegen eine Ansiedlung der Firma Steico an dem Standort auf Penzinger Flur.
Bild: Julian Leitenstorfer

Wie auch in Stillern, hätte Leeder den Vorteil gehabt, dass die Lastwagen von Steico nicht durch Wohngebiete hätten fahren müssen. Das Werk von Pröbstl liegt nahe der B 17. Verkehrlich gut angebunden ist auf dem Papier auch der Fliegerhorst in Penzing mit Bahnanschluss und kurzem Weg zur A 96. Laut Günther Hartmann, Sprecher von Steico, ist die dortige Anbindung für das Unternehmen mit Sitz in Feldkirchen bei München aber nicht unbedingt ein Vorteil. „Die Bahn zu benutzen, ist sinnvoll, wenn man sein Produkt über lange Distanzen transportieren will. Wir wollen uns aber hier ansiedeln, weil es in Schwaben und Oberbayern viel Wald gibt und die Wege kurz sind. Auch viele unserer Kunden sind hier beheimatet.“

Fliegerhorst in Penzing ist näher an Wohnbebauung

Den Fliegerhorst bewertet Steico noch aus zwei weiteren Gründen kritisch. „Wir sind viel näher an der Wohnbebauung dran als beim Weiler Stillern und Westwind ist die vorherrschende Windrichtung, dann bekommen die Penzinger den gesamten Lärm – der lässt sich beim Sägen nicht vermeiden – ab, das ist nicht in unserem Interesse“, sagt Hartmann. Das Unternehmen betreibt ein Werk in Frankreich und zwei in Polen. Zudem werde in Polen gerade eine weitere Produktionsstätte errichtet. „Wir wollen noch ein fünftes Werk errichten, vorzugsweise in Bayern, stehen aber noch am Anfang des Prozesses und haben auch kein konkretes Zeitfenster, bis zu dem eine Entscheidung gefallen sein muss.“

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