Verfolgungsjagd

Nachspiel einer Verfolgungsjagd vor dem Amtsgericht Memmingen

Vor dem Amtsgericht Memmingen wird der Fall des Rasers verhandelt.

Vor dem Amtsgericht Memmingen wird der Fall des Rasers verhandelt.

Bild: Kurt Kraus

Vor dem Amtsgericht Memmingen wird der Fall des Rasers verhandelt.

Bild: Kurt Kraus

Ein bewaffneter Raser liefert sich eine halsbrecherische Jagd mit der Polizei durch Bad Wörishofen. Dabei geht es auch um Drogen und einen Hund.
26.06.2021 | Stand: 13:41 Uhr

Eine halsbrecherische Verfolgungsjagd in Bad Wörishofen hat nun ein Nachspiel vor Gericht. Dort geht es in dieser Woche aber nicht nur um die Flucht eines Rasers, sondern auch um illegalen Waffenbesitz und Drogenhandel.

Der damals 25-jährige Unterallgäuer, dem die Staatsanwaltschaft eine lange Liste an Straftaten zur Last legt, sitzt seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft. Eine solche wird nur bei dringendem Tatverdacht angeordnet.

Es geht um einen Vorfall am 21. April 2020. Ein Polizist auf Streifenfahrt erkannte damals bei Kirchdorf ein Auto wieder, das ihm eine Woche vorher bei einer Verkehrskontrolle entwischt war. Aber auch der Fahrer des Wagens hatte offenbar ein gutes Gedächtnis. Während die Polizisten den Streifenwagen wendeten, gab der Mann bereits Vollgas und flüchtete mit hoher Geschwindigkeit.

Mit 150 km/h ins Industriegebiet Bad Wörishofen

Wie die Polizei damals berichtete, raste der Fahrer mit teils 150 km/h mit seinem BMW über die Landstraße und dann auf der Kirchdorfer Straße zum Industriegebiet von Bad Wörishofen. Die Polizei sprach damals von mehreren gefährlichen Situationen. Besonders im Gewerbegebiet habe reger Fahrzeug- und Fußgängerverkehr geherrscht. Darauf habe der Mann keine Rücksicht genommen. Im Gewerbegebiet entkam der Raser unerkannt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Polizei aus Sicherheitsgründen bereits eine Verfolgung um jeden Preis eingestellt.

Auto landet im Acker, Verdächtiger flüchtet zu Fuß

Allerdings war auch die Flucht kurze Zeit später zu Ende. Der BMW kam auf Höhe des Unteren Harts in Bad Wörishofen von der Straße ab und blieb im Acker stecken. Als die Polizei eintraf, war der Fahrer zu Fuß geflüchtet. Die Polizei suchte in der Folge mit mehreren Streifenwagen nach dem Mann. Sie trafen auf den 25-Jährigen. Dieser habe sich zunächst als Spaziergänger ausgegeben, hieß es damals. Die Polizei nahm den Mann aber fest, weil sich der Verdacht erhärtet hätte, dass er der Raser sei.

Kein Führerschein, aber eine Pistole und Drogen dabei

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Die Beamten stellten fest, dass der 25-Jährige keinen Führerschein besitzt. Die Polizei äußerte nach ersten Ermittlungen auch die Vermutung, dass der Mann unter Drogeneinfluss am Steuer saß. Im Auto fanden die Polizisten geringe Menschen Rauschgift und eine Pistole. Wie die Staatsanwaltschaft unserer Redaktion sagte, handelt es sich dabei nicht um eine scharfe Waffe, sondern und eine Gasdruckpistole. Noch am selben Tag durchsuchte die Polizei auch die Wohnung des 25-Jährigen, der im Wertachtal lebt. Auch dort wurden die Beamten fündig. Man habe insgesamt 230 Gramm Marihuana, drei Gramm Haschisch und 14 Gramm Kokain gefunden, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

Vor Gericht muss sich der vorbestrafte 25-Jährige nun wegen mehrerer Straftaten verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Gefährdung des Straßenverkehrs vor, Fahren ohne Führerschein und Verstöße nach dem Betäubungsmittel- und Waffenrecht. Vor Gericht wird es auch um den Vorwurf des Drogenhandels gehen. Während für alle anderen Vergehen im Fall einer Verurteilung Geldstraßen möglich sind, handele es sich bei der Drogenangelegenheit um ein Verbrechen, auf das Gefängnis steht. Verhandelt wird vor dem Schöffengericht des Amtsgerichtes Memmingen.

"Puma" macht die Polizei glücklich

Entscheidenden Anteil an den Drogenfunden hatte bei dem Einsatz „Puma“, ein Rauschgiftspürhund aus Neu-Ulm. Der achtjährige belgische Schäferhund erschnüffelte zunächst im Auto und dann auch auf dem gesamten Weg des Mannes immer wieder geringe Mengen von Rauschgift, das der 25-Jährige auf seiner Flucht entweder verloren oder weggeworfen hatte. Auch bei der Wohnungsdurchsuchung machte „Puma“ nach Angaben der Polizei die „noch anwesenden Polizeikräfte nahezu arbeitslos“ und fand innerhalb kürzester Zeit das Drogenversteck.