„Schlachthöfe: Tödlich für Menschen und Tiere“

Darum protestiert ein Sensenmann vor dem Buchloer Schlachthof

Peta-Aktivist Jens Vogt protestierte als Sensenmann vor dem Buchloer Vion-Werk.

Peta-Aktivist Jens Vogt protestierte als Sensenmann vor dem Buchloer Vion-Werk.

Bild: Klaus D. Treude

Peta-Aktivist Jens Vogt protestierte als Sensenmann vor dem Buchloer Vion-Werk.

Bild: Klaus D. Treude

Jens Vogt von der Tierrechtsorganisation Peta steht vor dem Buchloer Vion-Werk und verbreitet die Botschaft „Schlachthöfe: Tödlich für Menschen und Tiere“.
Peta-Aktivist Jens Vogt protestierte als Sensenmann vor dem Buchloer Vion-Werk.
Von Klaus D. Treude
10.08.2020 | Stand: 07:37 Uhr

Jens Vogt von der Tierrechtsorganisation Peta setzt sich seit einigen Jahren für das Tierwohl ein. Ein sehr emotionales, polarisierendes Thema, über das man spricht. Der Aktivist protestierte bei großer Hitze und im schwarzen Sensenmann-Kostüm vor der Einfahrt zum Buchloer Vion-Werk.

Seine Botschaft „Schlachthöfe: Tödlich für Menschen und Tiere“ verhallte vor Ort allerdings weitgehend ungehört. Lediglich zwei Personen verfolgten den stillen Protest aus der Entfernung. Der 34-Jährige nahm es gelassen: „Die Aktionen vor Schlachthäusern im Sensenmann-Kostüm halten wir gerade wegen Corona bewusst klein, weil wir die Infektionsschutzmaßnahmen einhalten und niemanden gefährden wollen. Außerdem müssen wir die Aktionen dann nicht versammlungsrechtlich anmelden. Wir wollen aber durch die Medien eine Öffentlichkeit schaffen und den Menschen zeigen, wie krank dieses System ist. Es ist nicht zukunftsfähig!“

Die Geschäftsführung des Schlachthofs hatte Vogt im Vorhinein nicht informiert, denn „aus der Vergangenheit wissen wir, dass die Schlachtbetriebe nicht den Kontakt mit uns suchen“.

Infektionsrisiken ernst nehmen

Der junge freundliche Mann – selbst seit dreieinhalb Jahren Veganer und seither diesbezüglich engagiert – spricht mit ruhiger Stimme. Er ist kein Eiferer, zeigt aber gleichwohl deutlich die Missstände auf. Nach den Ereignissen beim Fleischfabrikanten Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mehr als 1500 coronainfizierten Mitarbeitern warne er als Peta-Mitarbeiter im Rahmen einer deutschlandweiten Aktion nun auch vor dem Vion-Schlachthof in Buchloe vor drohenden Gefahren und weise eindringlich daraufhin, die Infektionsrisiken ernst zu nehmen.

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Vor dem Buchloer Schlachtbetrieb protestiere er, „um Vion stellvertretend als einem der größten Player auf dem Fleischmarkt den Spiegel vorzuhalten, dass Tiere und Menschen hier systematisch ausgebeutet werden“.

Alle Vion-Mitarbeiter wurden negativ auf das Coronavirus getestet

Wie berichtet waren Ende Mai die 460 Mitarbeiter in Buchloe auf das Coronavirus untersucht worden. Laut Landratsamt sind die Tests bei allen negativ ausgefallen. Die Mitarbeiter sind nicht in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Die Angestellten, die in Buchloe aufgrund eines Werkvertrags tätig seien, lebten in selbst gemieteten Wohnungen oder in Wohngemeinschaften.

Die Probleme, die in der Fleischindustrie schon vor Corona bestanden hätten, so der „Sensenmann“ weiter, würden durch Corona allerdings viel klarer. Man müsse aus Corona lernen und dieselben Fehler nicht noch einmal machen, „denn ganz viele Krankheiten wie Ebola oder HIV, Sars oder die Vogelgrippe und jetzt Covid-19 – die Liste ist ewig lang – sind von Tieren auf den Menschen übertragen worden“.

"Es kostet uns nichts, wenn wir die Tiere einfach in Ruhe lassen"

Weitere Aktionen im Sensenmann-Kostüm an deutschen Schlachthöfen sind geplant. Mit Kampagnen wie in Fußgängerzonen suchen Peta-Aktivisten gezielt den Kontakt mit dem Publikum, um gegen den Speziesismus – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen gegenüber überlegen einstuft – zu protestieren. „Jedes Tier hat ein Recht auf Leben in Freiheit und in Unversehrtheit“, mahnt Vogt, „wir haben kein Recht, Tiere auszubeuten für Ernährung, Bekleidung, Unterhaltung, Tierversuche. All das brauchen wir nicht. Damit schaden wir uns, wir schaden den Tieren und wir schaden der Umwelt. Es kostet uns nichts, wenn wir die Tiere einfach in Ruhe lassen.“

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Laut der Tierrechtsorganisation, die vor 30 Jahren in den USA gegründet wurde, gaben vor zehn Jahren 80 000 Deutsche an, vegan zu leben, heute seien es bereits 1,5 Millionen. „Das ist ein Wandel im Rekordtempo“, sagt Vogt. Man finde immer mehr pflanzliche Produkte in Supermärkten. „Der Wandel zum Veganismus lässt sich nicht mehr leugnen. Die Menschen haben Gefühle für Tiere und wir legen insofern nur offen, was sie schon im Herzen tragen.“

Keine Schlachtung, aber der Betrieb steht nicht still. Deshalb gibt es dort auch keine Kurzarbeit. Was stattdessen auf dem Tönnies-Gelände passiert.