Der Schlachthof in Buchloe

Strukturwandel in der Fleischbranche

Stephan Stracke (zweiter von links) tauschte sich mit Bernd Stange, Armin Trinkwalder und Roger Legath von der Geschäftsführung von Vion in Buchloe aus.

Stephan Stracke (zweiter von links) tauschte sich mit Bernd Stange, Armin Trinkwalder und Roger Legath von der Geschäftsführung von Vion in Buchloe aus.

Bild: Abgeordneten-Büro

Stephan Stracke (zweiter von links) tauschte sich mit Bernd Stange, Armin Trinkwalder und Roger Legath von der Geschäftsführung von Vion in Buchloe aus.

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Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke im Gespräch mit der Vion-Leitung in Buchloe. "Das Geschäftsmodell muss sich ändern".

Stephan Stracke (zweiter von links) tauschte sich mit Bernd Stange, Armin Trinkwalder und Roger Legath von der Geschäftsführung von Vion in Buchloe aus.
Von Buchloer Zeitung
20.08.2020 | Stand: 07:00 Uhr

Über den Strukturwandel in der Fleischindustrie sprach der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke (CSU) mit Bernd Stange, Armin Trinkwalder und Roger Legath von der Geschäftsführung der Vion GmbH in Buchloe. Vor dem Hintergrund der jüngsten Berichte über die Arbeitsbedingungen auf Schlachthöfen und dem geplanten Arbeitsschutzkontrollgesetz für die Fleischwirtschaft hatte Stracke um dieses Gespräch gebeten. „Die derzeitige Corona-Lage hat den Blick geschärft auf die oftmals prekären Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten in den Schlachthöfen“, erklärte der Bundestagsabgeordnete. Und führte weiter aus: „Das Beispiel Tönnies hat gezeigt, wie rasch sich das Virus ausbreiten kann. Aber es hat auch in geradezu toxischer Weise eine ganze Branche in Verruf gebracht.“

Doch seit Jahren stehen große Schlachthöfe insbesondere aufgrund ihres Einsatzes von zumeist osteuropäischen Werkvertragsbeschäftigten in der Kritik. Das geschieht meist über Subunternehmerketten, deren Beschäftigte deutlich länger arbeiten und schlechter bezahlt werden. Wie Stange ausführte, werde das im neuen Arbeitsschutzkontrollgesetz beinhaltete Verbot von Werkverträgen für die Fleischindustrie von Vion ausdrücklich begrüßt. Schon seit Jahren reduziere das Unternehmen die Anzahl der Mitarbeiter mit Werkverträgen an den deutschen Standorten. Stracke, der auch arbeitsmarktpolitischer Sprecher der CSU im Bundestag ist, begrüßte ausdrücklich, dass Vion das gesetzliche Verbot nicht abwarte, sondern bereits ab dem 1. Januar 2021 keine Mitarbeiter mehr über Werkverträge beschäftigen will.

Bundeseinheitlicher Tarifvertrag gefragt

Allerdings habe der Beschluss auch Folgen für das Unternehmen, berichtete die Geschäftsführung. So werde es nicht einfach, das notwendige Personal zu gewinnen. Anders als etwa bei Tönnies würden bei Vion alle Mitarbeiter nach Tarifvertrag bezahlt – was höhere Personalkosten verursache. Wenn dann die bisher über Werkverträge beschäftigten Mitarbeiter ins Unternehmen integriert werden, dann gelten auch für sie Tarifverträge. Damit entstehe für Vion ein gravierender Nachteil im Wettbewerb. Ein Gleichgewicht könne nur dann wieder hergestellt werden, wenn entweder der Tarifvertrag im Unternehmen aufgekündigt werde oder ein bundeseinheitlicher Tarifvertrag für die Fleischindustrie verhandelt werde. Stracke bekräftigte, dass ein branchenweiter Tarifvertrag die beste Lösung sei. Er mahnte jedoch, dass es dazu auch eines Arbeitgeberverbandes auf Bundesebene bedürfe – dann werde auch deutlich, ob die Mitbewerber gleichfalls auf eine tarifvertragliche Lösung setzen.

Einzelhandeskonzerne setzen auf billige Ware

Als Konsequenz des Verbots von Werkverträgen würde Fleisch aus deutscher Produktion deutlich teurer werden, so die Einschätzung der Geschäftsführung von Vion. Man könne davon ausgehen, dass der starke Preiswettbewerb bei den Einzelhandelsriesen dazu führen werde, dass noch mehr Fleisch als bisher aus dem Ausland importiert werde – mit niedrigeren Standards beim Tierwohl und den Arbeitsbedingungen. Stracke bestätigte, dass der Preisdruck vermutlich auch zu Lasten der Landwirte gehen werde – und bei denen die Entwicklung der Betriebsaufgaben beschleunige.

Vielfach angemahnt wurden in der jüngsten Debatte auch Mindeststandards bei der Unterbringung von Mitarbeitern in Gemeinschaftsunterkünften. Bei Vion sei der Großteil der ausländischen Mitarbeiter in privat angemieteten Wohnungen untergebracht, wie die Geschäftsführer erklärten, die zugleich betonen: „Wir werden die angestrebten Verbesserungen beim Arbeitsschutz und in der Wohnsituation von Mitarbeitern an allen Vion-Standorten in Deutschland schnellstmöglich umsetzen“. Stracke erklärte: „Das Geschäftsmodell der Fleischindustrie insbesondere bei der Schlachtung und Fleischzerlegung muss sich verändern.“