Corona und Glaube

Trost in der Pandemie

Roman Aigner mkit der Vorsitzenden der Landvolkgemeinschaft, Maria Hussak.

Roman Aigner mkit der Vorsitzenden der Landvolkgemeinschaft, Maria Hussak.

Bild: Xaver Ostermayr

Roman Aigner mkit der Vorsitzenden der Landvolkgemeinschaft, Maria Hussak.

Bild: Xaver Ostermayr

„Da müsse man doch etwas tun!“: Roman Aigner von der Katholischen Landvolkbewegung Augsburg über den Umgang mit der Pandemie und seinem Rat
Roman Aigner mkit der Vorsitzenden der Landvolkgemeinschaft, Maria Hussak.
Von Roman Aigner
05.04.2021 | Stand: 07:00 Uhr

Hinter uns liegt ein Jahr Leben mit Corona. Wir befinden uns in der dritten Welle. Die Nerven liegen blank. Das zeigt nicht nur die Diskussion um die sogenannte Osterruhe. Strengere Maßnahmen oder mehr Öffnung? Die Hoffnung auf ein Ende dieser sich hinziehenden Unsicherheit ist noch nicht in Sicht. Auch bei Landvolkaktiven ist diese Frage offen und im privaten Umfeld ist es nicht anders. Viele von uns fühlen sich mit ihren Ängsten, so unterschiedlich diese auch sein mögen, allein. „Da müsse man doch etwas tun!“, heißt es. Doch was?

Alois Knoller schreibt in seinem Kommentar in der AZ-Ausgabe zum Palmsonntag von den „verheerenden Spätfolgen der seelischen Inzidenz“. Er beklagt, wie gerade den Kindern wertvolle Lebenszeit unwiederbringlich verloren geht. Und weiter, dass das Distanzhalten nicht die neue Art des Füreinander-da-seins sein kann. „Die Vereinzelung führt zur Entsolidarisierung. Jeder versucht auf seine Art, die Krise irgendwie zu überstehen. Und sei es mit Resignation und Rückzug.“ Das ist ein Blick auf eine der vielen Kehrseiten ein Jahr nach dem ersten Lockdown. Ich stimme dem zu und könnte noch vieles ergänzen. Doch reicht das Beklagen?

Fehler annehmen

Ich versuche ein paar Schritte: Die Situation von allen Seiten beleuchten, wie Herr Knoller es macht, ist der erste Schritt. Deshalb ist auch das Beklagen so wichtig. Denn das heißt: Da schaut jemand genau hin, da zeigt jemand auf die Wunden. Und im besten Fall heißt das auch: Wir nehmen die Herausforderung an! In den Evangelien heißt es von Jesus: Er sah Not der Menschen und sie berührte ihn.

Mit Fehlern und Widersprüchen umgehen. Von Jens Spahn stammt das Zitat vom Anfang der Pandemie: „Wir werden einander viel verzeihen müssen.“ Es weist darauf hin, dass wir Menschen Fehler machen. Dies gilt für alle Verantwortungsträger. Ein Leben ohne Widersprüche und Unzulänglichkeiten gibt es nicht. Wir sollten einander viel verzeihen und uns selber nicht ausnehmen. Auch wir täuschen uns in der Einschätzung. Doch darf dieses Bewusstsein, das zu unserem christlichen Selbstverständnis gehört, nicht alles entschuldigen. Aus den vielen Schwächen und Missständen bei der Planung und Umsetzung müssen die Beteiligten auf allen Ebenen konsequent lernen und es besser machen! Das gilt auch für uns Bürger. Nicht nur „die da oben“ machen Fehler. Allein in meinem Umfeld musste ich in den Bereichen Gesundheitsamt, Schule und Pflegeheim gravierende Mängel erleben. Es sind die vielen Kleinigkeiten, die viele Menschen an vielen Orten verbessern können.

Unterstützung für Schwache

Solidarität ist wichtig, manchmal entscheidend, kann aber nicht alles ausgleichen. Gegen Vereinzelung und gegen das Gefühl, besonders betroffen zu sein, kommen Zeichen der Solidarität nicht immer an. Trotzdem braucht es dieses Sich-gegenseitig-unterstützen. Mir geht es ein bisschen wie die Jünger am Ölberg, die müde geworden sind und immer wieder einschlafen, wo doch Wachsein gefragt wäre. Wer nicht beim Beklagen stehen bleiben will, nutzt die Möglichkeiten und Freiräume, um nah dran an Menschen zu sein. Nicht im Sinne von Gesetzen umgehen, sondern im Sinne von Kreativität und Selbstverantwortung. „Da müsse man doch etwas tun!“ Die Passionsgeschichte bietet eine Reihe von Vorbildern, wie wir uns gegenseitig unterstützen können: Simon von Zyrene, Veronika, die begleitenden Frauen, Maria und Johannes unterm Kreuz.

Leiden im Glauben und Leben

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Erfahrungen in der Krise integrieren. Nach christlichem Verständnis gehören zu unserem Leben Einschränkungen, Herausforderungen, Krisen und Leid. Dafür steht der Kreuzweg Jesu. Nicht weil wir diese Erfahrungen suchen würden, sondern weil sie uns in unterschiedlichem Maß heimsuchen. Auch hier hilft der Blick auf Jesus wieder: Er heilte viele Menschen von ihren körperlichen und seelischen Verwundungen. Deshalb stellt für Christen der Auftrag zu heilen im Mittelpunkt. Doch trotz guter medizinischer Versorgung müssen auch in unserm Land viele Menschen einen Kreuzweg durchleiden, manchmal bis zum Tod. Wenn wir Christen in der Karwoche den Leidensweg Jesu mitgehen, dann haben darin all unsere Leiderfahrungen Platz; auch alle Corona-Erfahrungen. Wir bleiben dabei nicht stehen, sondern integrieren diese Erfahrungen in unser Leben.

Lebensmut und Lebensfreude. Redakteur Knoller stellt fest, dass jeder auf seine Art versucht, die Krise irgendwie zu überstehen. „Irgendwie überstehen“ reicht wirklich nicht. Dazu dauert die Krise schon zu lang. Gegen das eigene mürbe und dünnhäutig Werden brauchen wir nicht nur den Blick auf die anderen. Für sich und seine Lieben zu sorgen, dass genügend Platz für Lebensmut und Lebensfreude ist, tut Leib und Seele gut und hilft uns, in und mit der Krise so gut zu leben wie es eben geht.