Bad Wörishofen

Vorführung im Kurtheater: Vergessene Filme aus Bad Wörishofen

Michael Scharpf hat einige Filmschätze aufgespürt, unter anderem "Die Kneippkur". Darin spielte Sebastian Kneipps Weggefährte Dr. Alfred Baumgarten (rechts) sich selbst.

Michael Scharpf hat einige Filmschätze aufgespürt, unter anderem "Die Kneippkur". Darin spielte Sebastian Kneipps Weggefährte Dr. Alfred Baumgarten (rechts) sich selbst.

Bild: Archiv Scharpf

Michael Scharpf hat einige Filmschätze aufgespürt, unter anderem "Die Kneippkur". Darin spielte Sebastian Kneipps Weggefährte Dr. Alfred Baumgarten (rechts) sich selbst.

Bild: Archiv Scharpf

Hobbyhistoriker Michael Scharpf spürt längst vergessene Filme auf, die in Bad Wörishofen entstanden. Diese werden nun für die Öffentlichkeit ausgestrahlt.
Michael Scharpf hat einige Filmschätze aufgespürt, unter anderem "Die Kneippkur". Darin spielte Sebastian Kneipps Weggefährte Dr. Alfred Baumgarten (rechts) sich selbst.
Von Helmut Bader
27.08.2020 | Stand: 19:38 Uhr

Es ist schon erstaunlich, was Hobbyhistoriker Michael Scharpf an Raritäten von Wörishofen aus früheren Zeiten zutage fördert. Passend zum Jubiläum „100 Jahre Bad“ präsentierte er nun drei Filmaufnahmen aus den Jahren 1923, 1958 und 1965. Dazu lieferte Scharpf interessante Details und Hintergrundinformationen. Für an der Historie der Stadt interessierte Bürger echte Leckerbissen. Zum Glück fand das Angebot nicht nur an diesem Wochenende statt, sondern es gibt am Samstag, 12. September und Sonntag, 13. September erneute Vorführungen im Kurtheater. Denn durch die durch Corona eingeschränkte Besucherzahl konnten wohl nicht alle Besucherwünsche erfüllt werden.

Kneippkur kann mit einfachen Mitteln von zuhause gemacht werden

Der erste Film „Die Kneippkur“, gerade einmal drei Jahre jünger als die Baderhebung Wörishofens selbst, zeigte einen stressgeplagten, von Nikotin und Morphium gezeichneten Architekten, der in dem ländlichen Bad wieder zur Ruhe und neuer Schaffenskraft findet. Der Stummfilm des Kneippbundes , der vom Kurorchester hinter der Leinwand live begleitet wurde, zeigte die ganze Palette an Kneipp’schen Anwendungen, Güsse, Wickel und Bäder auf. Alfred Baumgarten, Kneipps Weggefährte, spielte sich dabei als behandelnder Arzt selbst. Bilder vom damaligen Sonnenbüchel-Luftbad, vom Waldsee, dem legendären Mostkrügle oder anderen Wörishofer Plätzen bilden in diesem Film den spannenden Hintergrund. Auch der Hinweis darauf, dass die Kneippkur mit einfachen Mitteln auch zuhause weitergeführt werden sollte, fehlte im zweiten Teil des Films nicht. Der schwer angeschlagene Architekt blühte danach jedenfalls wieder richtig auf und machte selbst Reklame für die Kneippkur.

Beeindruckende Bilder aus dem Wörishofer Kinderasyl

Der zweite Streifen „Ein Pfarrer hilft Millionen“ war bereits mit Ton versehen und ist ein Nebenprodukt des weithin bekannten Films „Der Wasserdoktor“. Michael Scharpfs Nachforschungen nach dem Film blieben lange erfolglos, ehe eine Version von Thomas Gindhart, dem Leiter der Sebastian-Kneipp-Schule, vor der Entsorgung gerettet wurde. Michael Scharpf ließ die schadhafte Fassung mit viel Mühe wieder aufbereiten, sodass die Besucher sich daran erfreuen konnten. In dem Film werden viele Anwendungen beschrieben, einige wenige Filmsequenzen aus dem „Wasserdoktor“ mit dem nun schon moderneren Wörishofen eingeflochten und vor allem die weltweite Bedeutung von Pfarrer Kneipp herausgestellt. Besonders beeindruckend sind in diesem Film die Bilder, die im Kinderasyl gedreht wurden, das es heute ja nicht mehr gibt.

Den dritten Film „Kneipp und sein Werk“ zeigte das damals noch ganz neue, zwei Jahre alte ZDF im Rahmen seines „Gesundheitsmagazins“. Auch dazu lieferte Scharpf spannende Details. Um Bilder vom ländlichen Kurort zu zeigen, wurden Kühe eigens im April über die Kurpromenade getrieben und Georg Büchele entdeckte sich selbst als kleiner Hütebub der Herde auf dem Bild. Eine Woche lang war das Filmteam vor Ort, um eindrucksvolle Bilder zu bekommen. Dass auch hier die Kneippkur sehr gelobt wurde, versteht sich.

Zuschauer schwelgen in Nostalgie

Angetan von der Vorführung zeigten sich am Ende alteingesessene Wörishofer Bürger. So konnte sich Klaus Leinsle noch gut daran erinnern, dass, wie im Film gezeigt, die Kurpromenade am Matzberger endete. Südlich davon wurde noch Auto gefahren und dort stand auch noch die Mercedes-Werkstatt seiner Eltern mit der Tankstelle. „Es war toll, weil wir uns jetzt an so Manches wieder erinnern konnten“, sagt er. „Der mehrmals gezeigte Blitzguss wird aber heute fast nicht mehr verabreicht“, so seine Einschätzung. Werner Niklas, Inhaber des Kutschenmuseums in Bad Wörishofen, bewundert das große Engagement von Michael Scharpf und meinte dann: „Es ist schon interessant, wenn man alte Gebäude wieder erkennt, die es zum Teil schon gar nicht mehr gibt.“

Dazu gehört sicher auch das ehemalige Kurgartencafé am Bonifaz-Reile-Weg, damals ein beliebter Treffpunkt von Gästen und Einheimischen, das mehrmals zu sehen war. Und schließlich entdeckte Franz Seemüller noch, dass die Frau auf Scharpfs Einführungsbild die originale Altschwäbische Tracht trug. Kein Wunder, ist er doch schon viele Jahre Mitglied im hiesigen Trachtenverein.

Zum Abschluss nahm Michael Scharpf noch Bezug auf einen kürzlich in der Mindelheimer Zeitung veröffentlichten Leserbrief, in dem Kuren als kostenloser Urlaub bezeichnet wurden. Die Botschaft der Filme zeige deutlich, dass dies keineswegs so ist und die Kur ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitssystems sein sollte, findet Scharpf.