Buchloe

Wie ein Märchen für Buchloe wahr wurde

Seehofer Ehrenbürger Buchloe

Seehofer Ehrenbürger Buchloe

Bild: Mathias Wild

Seehofer Ehrenbürger Buchloe

Bild: Mathias Wild

Festakt Bürgermeister Josef Schweinberger ernennt Horst Seehofer zum Ehrenbürger und geht auf die lange Vorgeschichte zur Errichtung des Gymnasiums ein. Dabei spielen auch eine böse und eine gute Fee eine Rolle
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Von Claudia Goetting
10.01.2020 | Stand: 17:24 Uhr

Ein Märchen – mit einem guten Ende für die Stadt Buchloe und die Umlandgemeinden Waal, Jengen und Lamerdingen und vor allem die dort lebenden Kinder – hat Bürgermeister Josef Schweinberger gestern bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den amtierenden Bundesinnenminister und Ministerpräsidenten a. D. Horst Seehofer erzählt. Der 70-Jährige erhielt die höchste Auszeichnung der Stadt für seinen Einsatz für das Buchloer Gymnasiums und sagte: „Das war mehr als ein Märchen, das war ein Wunder.“

In den rund 50 Jahren seiner bisherigen politischen Laufbahn habe er viel erlebt, darunter seien auch einige außergewöhnliche Fälle – „und Buchloe war ein besonders außergewöhnlicher Fall“. Seehofer blickte auf die damalige politische Situation zurück. Die CSU hatte 2008 bei der Landtagswahl 17 Prozent an Stimmen eingebüßt, somit die absolute Mehrheit verloren und ist mit der FDP eine Koalition eingegangen. „Ich wurde nicht gerade mit offenen Armen als Ministerpräsident empfangen“, erinnerte er sich. Zum „großen Spannungsbogen“ in dieser Angelegenheit habe zudem beigetragen, dass das Kultusministerium kurz nach seinem Amtsantritt die Errichtung eines Gymnasiums in Buchloe abgelehnt hatte.

Bei einem Bürgergespräch mit Seehofer im Medienzentrum derAugsburger Allgemeinenim Februar 2009 hatte die Buchloerin Doris Ballon – Schweinberger bezeichnete sie in seinem Märchen als gute Fee – mit eindringlichen Worten die Argumente für das Gymnasium vorgebracht. „Das war der Zündfunke“, sagte Seehofer dazu. Danach habe er das Thema auf seinen Tisch geholt, Delegationen aus dem Ostallgäu sowie dem Unterallgäu eingeladen, um sich beide Seiten persönlich anzuhören. Aus dem Nachbarlandkreis hatte es teils heftigen Gegenwind gegeben. „Die böse Fee war unterwegs“, sagte Schweinberger dazu. Und Seehofer nannte es einen „Kampf mit fragwürdigen Methoden“. Ihn habe beeindruckt, dass die Buchloer nicht mit Radau, sondern mit starken Argumenten für eine wichtige Sache eingetreten seien. „Ein Gymnasium bedeutet Bildung, und Bildung ist der Schlüssel“, sagte der Bundesinnenminister. Im Nachhinein habe er überprüft, ob seine Entscheidung richtig war. Sein Fazit: „Die positiven Argumente sind alle in Erfüllung gegangen, von den negativen keines. Die Freude über das Gymnasium ist bis heute sichtbar und spürbar.“

Für Schweinberger ging das schöne Märchen 2019 weiter. „Im vergangenen Jahr haben die Pioniere, der erste Jahrgang des neu gegründeten Gymnasiums, ihre Abiturzeugnisse erhalten. Ich glaube, dass ich mich bei der Abiturfeier mehr gefreut habe, als die jungen Damen und Herren“, sagte er. Mit den Worten „Sie haben sich mit Ihrer persönlichen Entscheidung um die Stadt Buchloe und weit darüber hinaus außerordentliche Verdienste erworben“ überreichte das Stadtoberhaupt den Ehrenbürgerbrief, eine Flasche Sassicaia (Jahrgang 2015) aus dem Alpina-Weinkeller sowie einen Geschenkkorb.

Nicht nur mit Worten, sondern auch mit seinem Eintrag ins Goldene Buch sicherte Seehofer weiterhin seine Unterstützung zu. „Wir haben nur eine begrenzte Zeit auf dieser Erde und in der sollten wir uns bemühen, es uns gegenseitig leichter zu machen und nicht das Leben zu erschweren.“ Sein Ziel sei immer gewesen, „berechtigten Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen“.

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An dem Festakt nahmen etwa 90 Personen teil, die die Ehrung und auch die Reden immer wieder mit Beifall quittierten: amtierende und frühere Abgeordnete wie Stephan Stracke, Angelika Schorer, Dr. Paul Wengert, Staatsminister a. D. Josef Miller, Landrätin Maria Rita Zinnecker, Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse, die Bürgermeister sowie Stadt- und Gemeinderäte aus Buchloe, Waal, Jengen und Lamerdingen, Ehrenbürger Hubert Müller, Altbürgermeister Franz Greif, die drei Träger der Goldenen Bürgermedaille, die sich ebenfalls mit großem Engagement für das Gymnasium eingesetzt hatten (Doris Ballon, Altlandrat Johann Fleschhut und Studiendirektor a. D. Alexius Batzer) sowie Vertreter der Kirchen und natürlich des Gymnasiums. Zur Begrüßung spielten die Lindenberger Alphornbläser vor dem Rathaus. Den Festakt umrahmte ein Bläserensemble aus Schülern und Lehrern des Gymnasiums – Franziska Lippoldt (Querflöte), Veronika Seidl (Oboe), Heidi Wörle (Klarinette), Jürgen Herrmann (Horn) sowie Raphael Pitzl (Fagott und Leitung) – mit drei Stücken aus dem Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Die Auszeichnung Seehofers ist in der Stadt aber wohl nicht unumstritten. In einer nicht repräsentativen Umfrage in der Facebook-Gruppe „Du kommst aus Buchloe, wenn Du...“ stimmten bis gestern Nachmittag 97 Personen ab – 84 sagen „Finde ich nicht so toll und bin dagegen“, nur 13 „Finde ich gut, bin auch dafür“.