Wiedergeltingen

Wiedergeltingen will trotz Corona-Folgen schuldenfrei bleiben

Das Haushaltsjahr 2020 trägt in Wiedergeltingen deutliche Corona-Spuren. Auswirkungen auf geplante Investitionen wird es wohl aber kaum geben.

Das Haushaltsjahr 2020 trägt in Wiedergeltingen deutliche Corona-Spuren. Auswirkungen auf geplante Investitionen wird es wohl aber kaum geben.

Bild: Regine Pätz

Das Haushaltsjahr 2020 trägt in Wiedergeltingen deutliche Corona-Spuren. Auswirkungen auf geplante Investitionen wird es wohl aber kaum geben.

Bild: Regine Pätz

Die Unterallgäuer Gemeinde gibt im Haushaltsjahr 2020 mehr aus, als sie einnimmt. Der Kämmerer sieht die Lage dennoch als solide.

Das Haushaltsjahr 2020 trägt in Wiedergeltingen deutliche Corona-Spuren. Auswirkungen auf geplante Investitionen wird es wohl aber kaum geben.
Von Regine Pätz
08.08.2020 | Stand: 07:55 Uhr

Der Haushalt der Gemeinde Wiedergeltingen stand im Mittelpunkt, als der Gemeinderat das letzte Mal vor der Sommerpause tagte. Dazu waren mit Claus-Dieter Hiemer und Christian Schöffel auch die beiden Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft (VG) zugegen – und zeigten sich dabei fast in der Manier eines „Engelchens“ und „Teufelchens“.

Schöffel verwies mit der Jahresrechnung 2019 auf ein, finanziell gesehen, überaus erfolgreiches abgelaufenes Jahr. Hiemer dagegen brachte mit dem Haushalt 2020 die Realität eines Corona gebeutelten Jahres aufs Tapet. Dennoch: Die Gemeinde ist schuldenfrei und muss wohl auch keine Neuverschuldung ins Auge fassen.

Zunächst einmal legte Schöffel das Zahlenwerk zur Jahresrechnung 2019 vor. Weil die Gemeinde im zurückliegenden Jahr deutlich weniger ausgegeben hat als vorgesehen, führte dies – neben weiteren Faktoren – zu Mehreinnahmen in Höhe von rund 55 000 Euro und damit zu einem Ergebnis im Verwaltungshaushalt in Höhe von rund 93 000 Euro über Plan. Ein stolzes Ergebnis, wie Schöffel konstatierte.

Und dies, obwohl die Gemeinde auch einige Haushaltsüberschreitungen zu verbuchen hatte, die allerdings mit freien Mitteln aus dem Haushalt ausgeglichen werden konnten. Damit konnten statt einer geplanten Rücklagenzuführung in Höhe von rund 287 000 Euro nun mehr als 490 000 Euro zugeführt werden. „Der Stand der Rücklage der Gemeinde Wiedergeltingen liegt damit zum Stichtag 1. Januar 2020 bei 1,6 Millionen Euro“, schloss der Kämmerer zufrieden.

Nicht ganz so rosige Aussichten warf im Anschluss VG-Kämmerer Claus-Dieter Hiemer auf den Haushalt 2020, der „leider nicht über Plan liegt wie 2019“. So schließt der Verwaltungshaushalt für 2020 in Einnahmen und Ausgaben mit knapp 2,5 Millionen Euro ab, der Vermögenshaushalt mit 3,5 Millionen Euro; gesamt liegt der Haushaltsplan für 2020 damit bei sechs Millionen Euro.

Tatsächlich zeige er sich damit nicht nur schwächer als sein Vorgänger, sondern auch schwächer im Vergleich zu den Schätzungen des ersten Quartals, sagte Hiemer. So stünden allein dem Verwaltungshaushalt knapp 400 000 Euro weniger zur Verfügung, was zu einer besonderen Situation führt: 2020 wird mehr Geld ausgegeben als eingenommen werden wird.

Gewerbesteuereinnahmen halbieren sich wohl

Allein die Gewerbesteuereinnahmen werden sich wohl halbieren, „Stichwort Corona“. Selbst die vom Kämmerer geschätzten Einnahmen in diesem Bereich in Höhe von 300 000 könnten womöglich wackeln. „Da darf es keine Überraschungen geben“, sagte Hiemer.

Auch in Sachen Einkommensteuer zeigt sich das Virus. Für das laufende Jahr erwartet die Gemeinde etwa 790 000 Euro Einnahmen – und liegt damit rund 100 000 Euro unter den Erwartungen. Und selbst hier hielt sich der Kämmerer etwas bedeckt. Werde der geschätzte Wert erreicht, wäre man „mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte er. Das Minus mache sich durchaus bemerkbar, sei aber verkraftbar.

Kämmer verbreitet dennoch Optimismus

Ein wenig Optimismus brachte Hiemer dann doch in den Sitzungssaal. Auf Nachfrage Jürgen Auerhammers (CSU), ob eine mögliche zweite Corona-Welle – und damit weniger Gewerbesteuer- und Einkommensteuereinnahmen – Auswirkungen auf die Rücklagen der Gemeinde hätte, beschwichtigte Hiemer. „2020 sind wir schuldenfrei und bleiben ohne Neuverschuldung trotz Investitionsprogramm in Höhe von 3,4 Millionen Euro.“

Und obschon dafür ein Großteil der Rücklagen verzehrt werde, gehe die Gemeinde mit knapp 500 000 Euro Rücklage ins Jahr 2021. Zudem könne die Gemeinde auf eine Ausschüttung aus dem Hilfspaket der Bundesregierung hoffen, das eingerichtet wurde, um ausfallende Gewerbesteuereinnahmen kompensieren zu können.

Alles in allem also ein Krisenjahr, durch das die Gemeinde Wiedergeltingen „ohne Altlasten komme und auch nicht umkomme“, wie Claus-Dieter Hiemer abschließend zusammenfasste, was ihm denn auch mit Einvernehmen seines vorgelegten Haushalts attestiert wurde. Einen Appell an das Wiedergeltinger Gremium hatte der Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft dennoch zum Schluss: „Arbeiten Sie weiterhin so gut zusammen, mit Disziplin und Augenmaß.“