Artenvielfalt im Ostallgäu

Was mit dem Naturschutzprojekt "Arche Noah" erreicht werden soll

Heimenkirch Blumenwiese

Mit dem Wiesenprojekt „Arche Noah“ möchte der Bund Naturschutz eine Fläche zwischen Bronnen und Waal zu einer Blühwiese verwandeln.

Bild: Matthias Becker (Symbolbild)

Mit dem Wiesenprojekt „Arche Noah“ möchte der Bund Naturschutz eine Fläche zwischen Bronnen und Waal zu einer Blühwiese verwandeln.

Bild: Matthias Becker (Symbolbild)

Der Bund Naturschutz setzt mit vielen Unterstützern das Projekt „Arche Noah“ auf einer knapp ein Hektar großen Fläche in Waal um. Was damit erreicht werden soll.
28.05.2021 | Stand: 05:47 Uhr

Artenreiche Wiesen sieht man bei uns nur noch selten. In der „Roten Liste gefährdeter Arten“ gelten in Deutschland bereits 28 Prozent der Farn- und Blütenpflanzen entweder als bereits ausgestorben oder sie sind vom Aussterben bedroht. Um dieser Entwicklung des Artensterbens entgegenzuwirken, hat die Ortsgruppe Gennach-Singold des Bund Naturschutz (BN) vor zwei Jahren eine Wiesenfläche in Waal von knapp einem Hektar aus Kirchenbesitz gepachtet.

Projekt "Arche Noah" wird mehrere Jahre dauern

Robert Eiler, Beisitzer in der BN-Ortsgruppe und Mitglied im Obst- und Gartenbauverein Waal-Emmenhausen, betreut das Projekt. Die Wiese liegt zwischen Bronnen und Waal und grenzt auf der Nordseite an einen Feldrain der Marktgemeinde Waal. „Es ist ein sehr ehrgeiziges Vorhaben, und es wird viele Jahre dauern, bis die Fläche im Sinne des Artenschutzes verbessert werden kann“, sagt Robert Eiler. In einem größeren räumlichen Verbund könnten solche kleinen Areale wie die Pachtfläche „Trittsteine“ werden, um eine allgemeine Artenzunahme, wie Insekten und Vögel, zu fördern, ergänzt Eiler.

Hauptgrund für den Rückgang vieler Arten ist laut BN der über Jahrzehnte massive Eingriff des Menschen in die Natur und die zunehmend intensiv genutzten Flächen durch die Agrarwirtschaft. (Lesen Sie auch: "Kuh pro Klima" im Oberallgäu: Mit Rindern das Klima retten)

In Kooperation mit der Gemeinde Waal und mit Unterstützung von Andrea Vögele, Landwirtin aus Emmenhausen, wird das Wiesenprojekt „Arche Noah“ bewirtschaftet und vom BN begleitet. Der von der Gemeinde Waal zur Verfügung gestellte Feldrain stelle dabei eine sehr wichtige und wertvolle Ergänzung dar. Initiator Werner Zizlsberger brachte den Stein 2019 ins Rollen. Dieter Frisch, ehemaliger Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde, Norbert Kempf, Robert Eiler, Gerhard und Christa Ruf und viele weitere Helferinnen und Helfer der BN-Ortsgruppe Gennach-Singold sind seither an der Umsetzung und Betreuung beteiligt. (Lesen Sie auch: Hilfe für Kiebitze und Artgenossen durch Wiesenbrüter-Projekt auf dem Lechfeld)

Artenvielfalt als großes Ziel

Ziel des Projektes ist, das Grundstück langsam zu einer artenreichen Blühwiese zu entwickeln und damit den so dringend benötigten Lebensraum für eine Vielzahl von Insekten und anderen Tieren zu schaffen.

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Blühwiesen: Zu schön, um gemäht zu werden?

Die an das Grundstück angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Flächen weisen keine nennenswerten Vorkommen der erwünschten Pflanzen auf. Deshalb sei eine Ansiedlung durch Menschenhand unerlässlich. Und der erste Schritt ist schon getan: Es wurde bereits Saatgut aus eigener Sammlung ausgebracht. Eine Mähgutübertragung aus einer noch bestehenden artenreichen Blühwiese der näheren Umgebung wurde bereits versucht. Hier muss aber ein weiterer Anlauf genommen werden, sobald der Boden nach einiger Zeit weiter abgemagert ist.

Conrad Alt hat das Vorhaben tatkräftig unterstützt. Nun können sich Margerite, Wilde Möhre, Wiesen-Glockenblume, Klappertopf & Co. über die Zeit langsam ausbreiten. Ein Verzicht auf jegliche weitere Düngung, eine zweischürige Mahd und das Entfernen des Mähguts, das als Tierfutter genutzt wird, seien dabei weitere wichtige Bausteine. Am Feldrain nördlich der Pachtfläche wurden zusätzlich Nistkästen für verschiedene Vogelarten, Fledermäuse und Siebenschläfer aufgehängt und Wurzelstöcke als Unterschlupf für diverse Tiere aufgehäuft. Weitere ergänzende Maßnahmen wie ein Steinhaufen als Rückzugsgebiet auf dem Gelände sind geplant.

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