Soziales Buchloe

Wo sind die Bedürftigen? Die Tafel Buchloe steht vor einem Rätsel

Tafel Buchloe

Obwohl nur noch wenige Bedürftige zur Tafel kommen, haben die Freiwilligen viel Arbeit: Vor der Abholung am Donnerstagnachmittag richten Barbara Gabrys (links) und Doris Kühn die Lebensmittel her.

Bild: Alexandra Hartmann

Obwohl nur noch wenige Bedürftige zur Tafel kommen, haben die Freiwilligen viel Arbeit: Vor der Abholung am Donnerstagnachmittag richten Barbara Gabrys (links) und Doris Kühn die Lebensmittel her.

Bild: Alexandra Hartmann

Immer weniger Buchloer kommen zu den Abholterminen bei der Tafel. Mitarbeiter können sich das nicht erklären. Wenn die Zahl weiter sinkt, droht die Schließung.
05.09.2021 | Stand: 20:20 Uhr

Die Buchloer Tafel hat ein ungewöhnliches Problem: Die Bedürftigen bleiben fern. Zu Beginn des Jahres hatte die Einrichtung noch damit zu kämpfen, dass nicht genug Ehrenamtliche bei der Organisation der Ausgabe geholfen haben. Seitdem hat sich die Zahl der Bedürftigen mehr als halbiert. Die Trendwende sei so weit, dass es inzwischen schon mehr Helferinnen und Helfer als Abholer gibt.

Auf die Frage, was den kuriosen Wandel veranlasst hat, antwortet Karl-Heinz Kühn von der Einrichtung: „Das fragen wir uns auch ganz verzweifelt.“ Zu Beginn der Corona-Pandemie war die Tafel für eine Weile geschlossen. In diesem Zeitraum verteilte das BRK Lebensmittel an der frischen Luft. Kühn kritisiert, dass dabei nicht gerade genau darauf geachtet worden sei, wer tatsächlich berechtigt ist. Mit Maske und Hygienekonzept ist die Ausgabe bei der Tafel inzwischen jedoch schon seit einem Jahr wieder möglich. Zu Beginn des Jahres holten noch etwa 60 Bedürftige donnerstags im Heideweg Lebensmittel ab. Stück für Stück sei die Zahl bis auf etwa 20 zurückgegangen.

Diskussion wegen Corona

Eine gewisse Fluktuation sei normal. Beispielsweise kommen Leute nicht mehr, wenn sie eine Arbeitsstelle gefunden haben, erklärt Helferin Barbara Gabrys. Doch das könne wohl kaum eine Erklärung für den starken Rückgang sein. Vielleicht haben auch die Corona-Regeln bei der Abholung manche abgeschreckt. Wegen der Abstandsregeln standen die Leute vor dem Haus Schlange – bei schlechter Witterung nicht sehr angenehm. Kühn weist auch darauf hin, dass es bezüglich der Corona-Maßnahmen die ein oder andere Diskussion gab. Doch dass die Pandemie für den Rückgang verantwortlich ist, sei nur Spekulation.

Der Bedarf ist da

Ganz sicher sind sich die beiden Ehrenamtlichen dagegen in einem Punkt: Der Bedarf in Buchloe ist da. „Das scheint nur ein lokales Problem zu sein“, sagt Kühn. Die Helfer stehen im Austausch mit Tafeln in anderen Städten. Von Kaufbeuren über Landsberg bis Augsburg steigt der Bedarf – bei der Ausgabe bilden sich dort lange Schlangen. Die Buchloer Tafel versuche deshalb immer, Lebensmittel, die bei der Ausgabe übrig bleiben, an die Nachbar-Einrichtungen zu verteilen. Übrige verderbliche Ware mussten die Helfer jedoch auch schon wegwerfen. „Das ist eigentlich nicht der Sinn der Sache“, sagt Kühn.

Leute leiden, wenn die Tafel schließt

Die wöchentlichen Abholungen zu organisieren, sei viel Arbeit für die etwa 30 Ehrenamtlichen. Laut Karl-Heinz Kühn ist klar: Wenn die Zahl der Bedürftigen bis zum Ende des Jahres nicht steige – oder gar noch weiter sinke – müsse die Tafel geschlossen werden. Der große Aufwand rentiere sich so einfach nicht. Doch das wollen die Helfer unbedingt vermeiden. „Die Leute leiden, wenn wir schließen“, sagt Gabrys. Immerhin seien die 20 Stammkunden, die weiterhin regelmäßig kommen, auf das Angebot der Tafel angewiesen. Wenn die Tafel wirklich schließen müsste, wären sie die Leidtragenden.

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Um das zu verhindern, versuchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Bedürftigen in der Verwaltungsgemeinschaft Buchloe zu erreichen. Man brauche keinen Berechtigungsschein, sondern könne sich mit einem Einkommensnachweis, Hartz-IV- oder Rentenbescheid einfach bei der Buchloer Tafel melden.

Es gibt auch ein Lieferservice

Da sich die Mitarbeiter darüber im Klaren sind, dass ältere oder gehbehinderte Personen den Weg bis in den Heideweg vielleicht nicht schaffen, bringen sie auch Lebensmittel zu den Bedürftigen. „Wir würden den Lieferservice auch gerne ausbauen“, sagt Kühn und fügt an, dass sie dafür jedoch wissen müssten, wer das Angebot brauche.

Für die Tafel sei Mundpropaganda essenziell. Darum appellieren Kühn und Gabrys an alle, das Thema unter Verwandten und Bekannten zu thematisieren. Rückfragen beantworten sie telefonisch unter 08241/960500 (Barbara Gabrys), 08241/90183 (Karl-Heinz Kühn) oder 08241/961543 (Erika Volk) oder per Mail an dietafel-buchloe@web.de.