Buchloe

XXL-Konzert zum emotionalen Abschied

BSW-Männerchor Konzert

BSW-Männerchor Konzert

Bild: Lucia Buch

BSW-Männerchor Konzert

Bild: Lucia Buch

Aufführung Der BSW-Männerchor Buchloe musiziert zusammen mit dem Akkordeon-Ensemble „just air“ und den „Bidinger SängerInnen“ ein letztes Mal für seine Leiterin Christine Freudenthaler-Brosch
18.10.2019 | Stand: 15:09 Uhr

2019 wird ganz sicher in die Annalen der Stadt Buchloe eingehen als ein Jahrgang mit außergewöhnlich vielen Umbrüchen. Ende August hat sich die sehr beliebte Kirchenmusikerin Christine Freudenthaler-Brosch nach vier Jahren in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt verabschiedet, nicht weniger emotional folgte nun der Abschied vom Buchloer BSW-Männerchor, den sie ebenfalls leitete.

Der passende Rahmen dafür war das Herbstkonzert. Die Organisatoren hatten zusätzlich das Akkordeon-Ensembles „just air“ der Mindelheimer Musikschule und die „Bidinger SängerInnen“ eingeladen, die das dreistündige Gesamtprogramm durch interessante weitere Klangfarben ergänzten.

Trotz der Länge wurde dem Publikum in der Aula der Mittelschule nie langweilig. Das Programm hatte nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ außergewöhnlich viel zu bieten – vor allem auch Humor, musikalische Einsatzfreude und Können sowie Abwechslungsreichtum.

Im Vordergrund stand natürlich an diesem Abend der BSW-Chor selbst. Sein empfindsam und konzentriert vorgetragenes Repertoire aus Männerchorsätzen reichte vom auf’s Gennachtal abgewandelten Sängergruß „Wir grüßen euch mit frohem Klang“ über eine klingende Weltreise „Froh gelaunt als Musikanten“ und nachdenklich-besinnlichere Nummern wie „Nimm dir Zeit, werde still“ sowie „Abendfrieden“ bis zu den fröhlicheren Nummern – mit Reinhold Geiger am Akkordeon - „Hans, bleib da“ beziehungsweise „Wir sollten uns viel öfter seh’n“.

Gerade der letztgenannte Liedsatz wirkte wie ein melancholischer Gegenentwurf zu dem, worum es an diesem Abend ging: Nach vier Jahren Zusammenarbeit müssen die zurzeit etwa 30 Sänger mit einem herzlichen Vergelt’s Gott, vor allem aber großem Bedauern ihre scheidende Dirigentin Christine Freudenthaler-Brosch, die „neuen musikalischen Schwung“ in den Chor gebracht habe, Richtung München zu neuen Aufgaben ziehen lassen. Vorsitzender Fritz Baumann sagte in seiner Laudatio, dass die Chorleiterin in der Probenarbeit mit ihrer positiven, ruhigen und menschlichen Art viel Geduld bewiesen habe, sodass es zahlreiche schöne und erfolgreiche Auftritte gegeben habe.

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Neben einer Blumenprozession aller BSW-Chorsänger, in deren Verlauf sich alle mit einer Blume bei ihrer Dirigentin bedankten, gab es noch ein weiteres, „wunderbares, persönliches Geschenk“, wie es die Chorleiterin gerührt formulierte: ein Abschiedslied „Nun heißt es Abschied nehmen“, dirigiert von ihrem Vorgänger Reinhold Geiger und textlich angepasst von Martha Geiger mit so treffenden Zeilen wie „Vier Jahre hast du dirigiert, wir ham viel profitiert“.

Auch die Beiträge der beiden anderen Ensembles waren durch und durch hörenswert: Die Bidinger SängerInnen – mal zu dritt, mal zu sechst, mal zu neunt zu hören – zeigten sich unter Leitung von Thomas Schweiger ausgesprochen heimat- und mundartverbunden. Regelrechte gesungene Rezepte waren das „Wurstlied“ und die „Dampfnudl“. Als eine mit Allgäuer Lebensklugheit in Musik verpackte Textaufgabe präsentierte sich „Drei Äpfl hot mei Muatr“. Der halbszenisch gestaltete Höhepunkt war schließlich „Frühschoppen“, in dem es deftig und humorvoll um diese soziale Gepflogenheit aus männlicher und aus weiblicher Sicht ging.

Weniger ironisch-humorvoll, dafür umso temperamentvoller und bisweilen auch sehr virtuos war das Akkordeon-Ensemble aus Mindelheim unter Leitung von Helga Knoll-Zettl unterwegs. Die acht Akkordeonspieler begeisterten zusammen mit einer Schlagzeugerin, welch stilistische Vielfalt man den im Volksmund oft Quetschn oder Ziach genannten Instrumenten entlocken kann: Das Spektrum reichte von Operettenklängen, Rondo-Veneziano-Farben über das würdevolle, großangelegt gesteigerte Pathos von „Highland Cathedral“ in der ersten Konzerthälfte. Nach der Pause präsentierte das Ensemble charmant-verschrobene old-fashioned Krimi-Filmmusik von „Miss Marple“, den Seventies-Glitzer-Sound von „ABBA Gold“ sowie Michael-Jackson- und John-Miles- Hits.

Inge Zeller moderierte fundiert die Darbietungen der Mindelheimer. Adi Kremayr berichtete Interessantes zu den Männerchorsätzen. Alle Mitwirkenden gemeinsam intonierten schließlich „Kein schöner Land“, bevor die „Irischen Segenswünsche“ – ebenfalls unter Leitung von Christine Freudenthaler-Brosch – als offizielles Schlusslied auch das Publikum miteinbezogen, das allerdings schon längst mitgesungen hatte.Lucia Buch