Bundesfreiwilligendienst hat Jubiläum

Geben, nehmen und etwas bewegen: So vielseitig ist Freiwilligenarbeit

Die 19-jährige Clara Würth (links) trägt mit ihrem Freiwilligendienst dazu bei, Kindern die Natur näherzubringen.

Die 19-jährige Clara Würth (links) trägt mit ihrem Freiwilligendienst dazu bei, Kindern die Natur näherzubringen.

Bild: Martina Diemand

Die 19-jährige Clara Würth (links) trägt mit ihrem Freiwilligendienst dazu bei, Kindern die Natur näherzubringen.

Bild: Martina Diemand

Seit zehn Jahren gibt es den Bundesfreiwilligendienst. Auch im Allgäu nutzen vor allem junge Menschen die Zeit nach dem Schulabschluss, um zu helfen.
22.07.2021 | Stand: 18:05 Uhr

Der Klimaschutz ist es, der Clara Würth aus Kempten ganz besonders am Herzen liegt. Deshalb hat sich die 19-Jährige nach dem Abitur für einen Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) beim Naturerlebniszentrum in Sonthofen entschieden. „Ich wollte nach der Schule etwas Praktisches machen“, sagt Würth. Auch bei der beruflichen Orientierung habe ihr der Bufdi, für den sie ein festgelegtes Taschengeld bekommt, geholfen. Zwar spielt die Kemptenerin schon länger mit dem Gedanken, Physik zu studieren, doch die Freiwilligenarbeit habe ihre Entscheidung nochmals gefestigt. Ihr Wunsch ist es, nach dem Studium im Klima- und Umweltschutz zu arbeiten.

Bundesfreiwilligendienst statt Zivildienst

Wie Clara Würth absolvieren derzeit 159 Menschen im Allgäu einen Bufdi. Am meisten, nämlich 39, leisten ihn in Kempten ab, gefolgt von Kaufbeuren mit 32 und Memmingen mit 29 Absolventen. Seit mittlerweile zehn Jahren gibt es den Bundesfreiwilligendienst in Deutschland. Er ist der Ersatz für den früheren Zivildienst. Auch Ältere können sich für den Bufdi entscheiden und ihre Lebenserfahrung einbringen. (Lesen Sie auch: Allgäuer Überflieger schafft Abitur-Schnitt von 0,69)

Im Bufdi Kindern die Natur zeigen

Neben den fachlichen Inhalten, wie dem Entwickeln von Klimaschutz-Konzepten, findet Würth auch die Organisation von Veranstaltungen und die Arbeit mit Kindern spannend. Im Juli startete beispielsweise die Öko-Rallye des Naturerlebniszentrums in Kempten und Sonthofen. Die 19-Jährige hat dafür gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen verschiedene Stationen aufgebaut, an denen sich Schulklassen zum Thema Klimaschutz informieren konnten. Ihr mache es viel Spaß, den Kindern die Natur näherzubringen. „Und es ist schön, im Team zu arbeiten“, sagt Clara Würth.

Vor allem im Bereich Naturpädagogik lerne sie während ihres zwölfmonatigen Bundesfreiwilligendienstes viel. Eine Umgewöhnung ist ihr zufolge die 40-stündige Wochenarbeitszeit gewesen. Doch damit sei sie schnell zurechtgekommen und fühle sich nun vorbereiteter – sowohl auf das Studium als auch auf die Arbeitswelt. „Ich glaube, dass es niemandem schadet, einen Bufdi zu machen“, sagt die Kemptenerin. „Es ist eine schöne Abwechslung und tolle Erfahrung.“ In ihrem Umfeld hätten alle sie ermutigt, sich für den Freiwilligendienst zu entscheiden. „Viele meinten, ich sollte mir auf jeden Fall das Jahr zur Orientierung nehmen“, sagt die junge Allgäuerin. (Lesen Sie auch: „Es ist schön, in der Krisenzeit zu helfen“ - Junge Freiwillige über ihren Dienst in der Pandemie)

Die Eckdaten zum Bundesfreiwilligendienst:

  • Der Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) ist eine Hilfstätigkeit in Einrichtungen, die dem Gemeinwohl verpflichtet sind. Infrage kommen beispielsweise Seniorenheime, Kindertagesstätten und Suchtkliniken.
  • Das entsprechende Gesetz gilt seit 1. Juli 2011.
  • Der Bufdi ersetzt den früheren Zivildienst. Der Bundesfreiwilligendienst ist nur bei anerkannten Einsatzstellen möglich.
  • Junge und auch ältere Freiwillige sollen praktische und soziale Kompetenzen erwerben und einbringen.
  • Ein Bufdi ist in Voll- oder Teilzeit möglich. Er dauert mindestens sechs und maximal 24 Monate lang.
  • Freiwillige bekommen ein monatliches Taschengeld von etwa 300 Euro. Der genaue Betrag hängt von der Einsatzstelle ab.
  • Alle fünf Jahre können Freiwillige einen Bufdi absolvieren.

Im FSJ älteren Menschen helfen

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Sich beruflich zu orientieren und gleichzeitig Gutes zu tun, ist nicht nur mit einem Bufdi möglich. Deutlich länger gibt es bereits das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) in Deutschland, nämlich seit 1964. Beim FSJ haben die Freiwilligen keine Vereinbarung direkt mit dem Bund, sondern mit einem vom Bundesland anerkannten Träger.

Der 17-jährige Danilo Spinnler absolviert sein FSJ in der Wohngemeinschaft Schloss Künersberg in Memmingerberg.
Der 17-jährige Danilo Spinnler absolviert sein FSJ in der Wohngemeinschaft Schloss Künersberg in Memmingerberg.
Bild: Ralf Lienert

So auch Danilo Spinnler aus Memmingen. Der 17-Jährige macht seit Oktober 2020 sein FSJ in der Wohngemeinschaft Schloss Künersberg in Memmingerberg. Dort ist der junge Allgäuer mit für die Betreuung der überwiegend dementen Seniorinnen und Senioren zuständig. „Man lernt so viel von ihnen, weil sie so viel Lebenserfahrung haben“, sagt Spinnler. Ihm sei es wichtig, den Menschen in dem Haus, die bis zu 70 Jahre älter sind als er, schöne Erlebnisse zu bescheren. Deswegen gehe er viel mit ihnen spazieren, lese ihnen vor oder sie spielten gemeinsam.

Das Lächeln bleibt in Erinnerung

„Eine Dame wartet jeden Tag schon am Tisch auf mich“, sagt Spinnler. Mit ihr spielt er dann zwei Stunden lang „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“. Zur Freude beider, erzählt er. „Das FSJ hat mich persönlich geformt“, sagt Spinnler. Er habe gelernt, sich zu benehmen, sogar noch mehr als in der Schule. Der 17-Jährige ist begeistert von seinem Freiwilligendienst und empfiehlt ihn jedem, der wie er nach der Schule nicht sofort einen Ausbildungsplatz bekommt.

Besonders in Erinnerung bleiben werde ihm das Verhalten einer Heimbewohnerin, sagt Spinnler. „Sie schaut meist grimmig, doch ganz plötzlich fängt sie dann zu lächeln an“, fügt der 17-jährige Memminger hinzu.

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