Meinung zur Wahl

Die vielen Baustellen der CSU

Bundestagswahl: Wahlplakate und Katerstimmung

Die Bundestagswahl ist gelaufen, die Plakate müssen niemanden mehr überzeugen. Vor allem für die CSU ist es abwärts gegangen: Die Christsozialen mussten in den Allgäuer Wahlkreisen zweistellige Verluste hinnehmen.

Bild: Matthias Becker

Die Bundestagswahl ist gelaufen, die Plakate müssen niemanden mehr überzeugen. Vor allem für die CSU ist es abwärts gegangen: Die Christsozialen mussten in den Allgäuer Wahlkreisen zweistellige Verluste hinnehmen.

Bild: Matthias Becker

Wahlsiege sind für die Allgäuer CSU keine Selbstläufer mehr. Bei manchen Themen kann sie mit der politischen Konkurrenz nicht mithalten, findet unser Autor.
27.09.2021 | Stand: 19:45 Uhr

Das kleine Balderschwang im Oberallgäu taugt als Sinnbild dafür, wie sehr die CSU auch in ländlichen Regionen an Zustimmung verloren hat. Früher fuhr sie dort Wahlergebnisse von über 90 Prozent ein und es kursierte der Witz, dass die Balderschwanger genau wüssten, wer als Einziger von ihnen die SPD gewählt hat. Jetzt haben die Christsozialen bei der Bundestagswahl dort gerade noch 42 Prozent der Zweitstimmen erreicht. Das Minus gegenüber der letzten Wahl: 20,7 Prozentpunkte.

Und Balderschwang ist ja nur ein Beispiel von vielen: Im Ober- und im Ostallgäuer Wahlkreis gab es insgesamt massive Verluste. Zwar haben die Christsozialen ihre Direktkandidaten Stephan Stracke und Mechthilde Wittmann durchgebracht, doch viele Einzelergebnisse lassen aufhorchen: So hat Wittmann in der Stadt Kempten nur kärgliche 23,5 Prozent der Stimmen bekommen.

Bürgerliches Lager hat mehrere Optionen

Wer die Ergebnisse in der Tourismus-Region Allgäu analysiert, könnte schnell auf den Trichter kommen, dass die Corona-Politik den Christsozialen entscheidend geschadet hat. Schließlich haben Hotels und Gaststätten stark unter den Lockdowns gelitten. Doch das kann nur ein kleiner Teil der Wahrheit sein. Denn auch in Unterallgäuer Orten, wo der Tourismus kaum eine Rolle spielt, gibt es Zweitstimmen-Verluste von über 15 Prozent.

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Mal abgesehen davon, dass ein Kanzlerkandidat Armin Laschet im Wahlkampf mehr Bürde denn Hilfe war: Die Allgäuer CSU hat das Problem, dass es für viele Menschen einfach nicht mehr selbstverständlich ist, bei den Christsozialen ihr Kreuzchen zu machen. Für Wähler aus dem bürgerlichen Lager ist die Partei inzwischen eine von mehreren Optionen – neben Freien Wählern oder FDP. Und bei den großen Zukunftsthemen, Klimaschutz und Digitalisierung, gibt es politische Konkurrenz, der viele Wählerinnen und Wähler mehr zutrauen. Hier wirkt die CSU neben Grünen und FDP fast schon altbacken. Es liegt nun an der Partei, künftig mit zäher Arbeit das Gegenteil zu beweisen. Plakativ einen Baum zu umarmen, wie es Markus Söder getan hat, hilft da nicht weiter.

SPD und Grüne profitieren vom Bundestrend

Die Allgäuer Christsozialen haben noch das Glück, dass die Konkurrenz auch nicht gerade vor Kraft strotzt. Für die Grünen in der Region gilt dasselbe wie für die Bundespartei: Ja, es gibt Gewinne bei Erst- und Zweitstimmen, aber aus dem noch vor Monaten erhofften Triumph ist nichts geworden. Und die Allgäuer SPD fristet schon seit Jahren ein Schattendasein. Die Einschätzung liegt nahe, dass jetzt erzielte Stimmenzuwächse vor allem mit dem Bundestrend zu tun haben, weniger mit Personen vor Ort.

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Auch im nächsten Bundestag wird die Region voraussichtlich mit fünf Abgeordneten vertreten sein. Neben Stracke und Wittmann sind dies Stephan Thomae (FDP), Susanne Ferschl (Die Linke) und Peter Felser (AfD). Die Vertreter der demokratischen Parteien sollten eng zusammenarbeiten, denn sie haben in der Bundeshauptstadt nicht zuletzt die Aufgabe, im Interesse der Allgäuerinnen und Allgäuer zu handeln. Die Wahlbeteiligung in der Region war mit knapp 80 Prozent sehr hoch, das ist ein gutes Signal gegen Politikverdrossenheit. Und wer gewählt wurde, hat einen Vertrauensvorschuss bekommen. Jetzt gilt es, dieses Vertrauen auch zu rechtfertigen.

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