Engagement

Bunte Kreis Allgäu hilft seit 20 Jahren: Eltern in schweren Zeiten Sicherheit geben

Seit 20 Jahren hilft der Bunte Kreis Allgäu Familien mit frühgeborenen oder schwerkranken Kindern.

Seit 20 Jahren hilft der Bunte Kreis Allgäu Familien mit frühgeborenen oder schwerkranken Kindern.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, Symbolfoto

Seit 20 Jahren hilft der Bunte Kreis Allgäu Familien mit frühgeborenen oder schwerkranken Kindern.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, Symbolfoto

Seit 20 Jahren sorgt der Bunte Kreis Allgäu dafür, dass Familien mit frühgeborenen oder schwerkranken Kindern unterstützt werden. Denn die Leistungen von Krankenkassen reichen oft nicht, um eine gute Nachsorge zu gewährleisten
02.11.2020 | Stand: 06:05 Uhr

Marlen und Hanna sind 20 Jahre alt. Die Geschwister kamen 15 Wochen zu früh auf die Welt – eine große Herausforderung für die Familie. Genau da kam der Bunte Kreis Allgäu ins Spiel. Der Übergang vom Aufenthalt in der Klinik, wo stets medizinisches Fachpersonal zur Verfügung steht, zum Alltag in den eigenen vier Wänden, ist oft nicht leicht. Der Verein kümmert sich um die Nachsorge. Denn die Angebote der Sozialversicherungsträger allein reichen dafür kaum aus.

„Ich empfinde das schon als Wunder“, sagt Marlen. Immer wieder hieß es in ihrer frühen Kindheit, dass die Feinmotorik einmal ein Problem werden könnte. Heute spielt sie Cello auf hohem Niveau. Auch ihrer Schwester Hanna ist die frühe Geburt heute kaum noch anzumerken. An die Hilfe des Bunten Kreises haben sie zwar keine Erinnerungen mehr. Aber aus Erzählungen ihrer Eltern wissen sie, wie wichtig die Unterstützung war.

Gabriele Keßler, Teamleiterin Bunter Kreis Allgäu
Gabriele Keßler, Teamleiterin Bunter Kreis Allgäu
Bild: Bunter Kreis

Und nicht nur für die beiden. In den vergangenen 20 Jahren hat der Bunte Kreis zahlreichen Familien im ganzen Allgäu geholfen, ihre Kinder zuhause zu betreuen, unbürokratische Hilfe zu bekommen, Leistungen im Behandlungs- Dschungel zu koordinieren oder auch psychisch mit allen Anforderungen fertig zu werden. Die Krankheitsbilder der Kinder sind dabei ganz unterschiedlich, sagt Teamleiterin Gabriele Keßler. Manche kamen zu früh auf die Welt, andere haben Krebs, Fehlbildungen oder chronische Krankheiten. „Wir überlegen schon im Krankenhaus zusammen mit den Familien, welche Hilfeleistungen gebraucht werden.“ (Lesen Sie auch: Danke, dass es Euch seit 20 Jahren gibt! So hilft der Bunte Kreis Allgäu schwerkranken Kindern)

Hat ein Kind beispielsweise einen künstlichen Darmausgang, steht eine Kinderkrankenschwester den Eltern mit Rat und Tat zur Seite und besucht die Familie regelmäßig. Hat der Nachwuchs Diabetes, hilft eine Ernährungsberaterin. Der Verein bietet aber auch Angebote für Geschwisterkinder, die es oft nicht leicht haben. Wenn es keine Chancen auf Heilung gibt, kommt das Palliativteam zu den Familien. „Uns ist es wichtig, die Menschen daheim zu unterstützen und uns auch Zeit für sie zu nehmen“, sagt Keßler.

Damit das möglich ist, ist der Verein auf Spenden angewiesen. „Die Krankenkassen finanzieren 20 Stunden Nachsorge über drei Monate mit der Möglichkeit einer Verlängerung von zehn Stunden“, erläutert die Sozialpädagogin. Manchmal reiche das aus, oft aber auch nicht. „Ein Drittel der Arbeit zahlen die Sozialversicherungsträger, der Rest wird über Spenden finanziert“, sagt Rolf Müller, Vorsitzender des Fördervereins. „Die Krankenkassen zahlen so viel, dass es ein ein Angebot gibt, aber nicht so viel, dass es sich auch trägt und von allein läuft.“

Rolf Müller, Vorstandsmitglied Bunter Kreis
Rolf Müller, Vorstandsmitglied Bunter Kreis
Bild: Fotohaus Heimhuber GmbH

Wie die anderen Mitglieder des Vorstands des Fördervereins ist auch Müller ein Ehrenamtlicher. Das Fachpersonal im Bunten Kreis dagegen ist hauptamtlich tätig. „Die inhaltliche Arbeit ist so komplex, das könnte man im Ehrenamt gar nicht stemmen“, sagt Keßler. Zumal die Arbeit des Vereins nicht zwangsläufig nach den ersten Lebensmonaten der Kinder aufhört. „Es ist wichtig, die Übergänge im Leben zu begleiten, zum Beispiel die Einschulung“, sagt Petra Erhart, die beim Bunten Kreis für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Doch nicht nur das. Über den Sozialfonds des Vereins bekommen Familien auch unbürokratische Hilfe, beispielsweise wenn es um Fahrtkosten oder besondere Anschaffungen geht. „Wir haben viele treue Fördermitglieder, die uns kontinuierlich unterstützen“, sagt Müller.

Die Corona-Krise erschwert Spenden-Sammeln

Dennoch seien heuer weit weniger Spenden zusammengekommen als in den Vorjahren. Das liegt auch an der Corona-Krise: „Viele Menschen stellen an Geburtstagen oder Hochzeiten Boxen auf und wünschen sich statt Geschenken eine Spende.“ Auch Weihnachtsmärkte und Basare fielen heuer weg. Den Kopf lassen die Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen des Bunten Kreises dennoch nicht hängen. Sie wollen noch viele Jahre weiter machen.

  • Spendenkonto
    BUNTER KREIS Allgäu e.V
    Sparkasse Allgäu
    Kontonummer: 22 12
    IBAN: DE49 7335 0000 0000 0022 12
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