Junge Frau gestorben

Canyoning-Unfall in der Starzlachklamm: 27-jährige wird von Wasser mitgerissen und stirbt

Nach einem Starkregen verwandelte sich die Starzlachklamm bei Sonthofen im Allgäu am Samstagnachmittag in ein gefährliches Gewässer und riss drei Canyoning-Sportler mit: Zwei Männer wurden gerettet, eine junge Frau starb.

Nach einem Starkregen verwandelte sich die Starzlachklamm bei Sonthofen im Allgäu am Samstagnachmittag in ein gefährliches Gewässer und riss drei Canyoning-Sportler mit: Zwei Männer wurden gerettet, eine junge Frau starb.

Bild: Andrea Liss/dpa

Nach einem Starkregen verwandelte sich die Starzlachklamm bei Sonthofen im Allgäu am Samstagnachmittag in ein gefährliches Gewässer und riss drei Canyoning-Sportler mit: Zwei Männer wurden gerettet, eine junge Frau starb.

Bild: Andrea Liss/dpa

Tragischer Unfall in der Starzlachkamm bei Sonthofen nach Starkregen: Eine 27-jährige ist nach einer Canyoning-Tour tot. Wie konnte es zu dem Unglück kommen?
05.09.2022 | Stand: 13:23 Uhr

Schock in Sonthofen-Winkel: Eine Canyoning-Sportlerin ist am Samstag in der Starzlachklamm im Oberallgäu ums Leben gekommen. Die Wassermassen im Gebirgsbach unterhalb des Grüntens waren plötzlich, nach einem Regenguss am Samstagnachmittag, binnen 15 Minuten stark angestiegen. Einige Sportler kamen nicht mehr selbständig aus der teils engen Schlucht. Sie riefen um 15.30 Uhr um Hilfe.

Dutzende Rettungskräfte rückten aus. Am Abend wurden zunächst zwei Verletzte geborgen, eine dritte Person wurde vermisst. Die freiwilligen Helfer, unter anderem von der Feuerwehr, der Bergwacht und der DLRG, brachen am Samstagabend bei Dunkelheit die Suche nach der vermissten 27-Jährigen ab. Neben 150 Menschen waren auch Drohnen und zwei Hubschrauber im Einsatz. Die Sicht in dem normalerweise klaren Wasser sei nach dem Gewitter jedoch schlecht gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Am Sonntag gegen 7 Uhr rückten die Rettungskräfte wieder zur Starzlach aus - die Retter entdeckten die vermisste 27-Jährige dann tot im Bachbett.

Unfall in der Starzlachklamm im Allgäu: 27-Jährige tot gefunden

Polizeipressesprecher Holger Stabik sagte, die Verunglückten seien Teil einer geführten Canyoninggruppe gewesen. Ob den Verantwortlichen ein Vorwurf zu machen ist, müssten die Ermittlungen klären (Lesen Sie dazu auch: War der Canyoning-Unfall in der Starzlachklamm fahrlässige Tötung? Alle Entwicklungen zu den Ermittlungen hier).

Das Wasser in der teils engen, felsigen Starzlachklamm war laut David Kempter, stellvertretender Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamts, rasend schnell nach einem Starkregen am Samstagnachmittag gestiegen. Im Hochwassernachrichtendienst Bayern ist nachzulesen: Der Durchfluss der Starzlach in Winkel betrug um 15 Uhr 0,105 Kubikmeter pro Sekunde. Eine Stunde später waren es 2,66 Kubikmeter. Weil die Schlucht teilweise sehr eng ist, geht Kempter davon aus, dass von oben sehr schnell reißende Wassermassen die Schlucht hinabgestürzt waren.

Starkregen ließ Wasser in Minuten ansteigen

Ein Insider sagt: „Wenn man in der Klamm ist, gibt es auch nicht überall eine Ausstiegsstelle.“

Am Samstagnachmittag war laut Polizeisprecher Stabik „ordentlich was los in der Klamm“. Sechs geführte Canyoninggruppen waren unterwegs. Einige dieser Gruppen wurden offenbar nach dem Starkregen binnen 10 bis 15 Minuten vom rasch ansteigenden Pegel durch die Wassermassen vom weiteren Fortkommen abgeschnitten, informiert die Polizei.

Der Blick in die Starzlachklamm am Sonntag. Das Wasser war am Tag zuvor nach Starkregen extrem schnell angestiegen.
Der Blick in die Starzlachklamm am Sonntag. Das Wasser war am Tag zuvor nach Starkregen extrem schnell angestiegen.
Bild: Davor Knappmeyer

Ein 31-Jähriger, der leicht verletzt am Samstag aus der Klamm geborgen worden war, konnte am Sonntag das Krankenhaus wieder verlassen. Ein 49-jähriger Schwerverletzter wird laut Polizei weiterhin behandelt.

Polizei ermittelt nach Canyoning-Unglück in der Starzlachklamm

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Geklärt werden soll unter anderem, ob der plötzliche starke Pegelanstieg in der Starzlach angekündigt worden war, ob also dem Veranstalter ein Verschulden anzulasten ist oder nicht. Im Einsatz waren die Bergwacht Sonthofen, die Bergwachtcanyonrettungsgruppe, die Wasserwacht, die DLRG, die Feuerwehr, der Rettungsdienst, die Hubschrauber Christoph 17 und Edelweiß 2, die Alpine Einsatzgruppe der Polizei, die Polizeiinspektionen Sonthofen, Immenstadt und Kempten, das KIT Berg und Land und das THW mit insgesamt rund 150 Einsatzkräften an beiden Tagen.

Drama bei Sonthofen: Was ist Canyoning?

Canyoning ist eine relativ neue Sportart, die immer beliebter wird. Mit Seil gesichert geht es von oben durch Bachschluchten. Die Sportler, in Neoprenanzügen und mit Helm, rutschen durch schmale Rinnen, überqueren Felsformationen und springen in Wildwassergumpen.

Die Einsatzkräfte in der Starzlachklamm suchen am Samstag nach der vermissten Sportlerin.
Die Einsatzkräfte in der Starzlachklamm suchen am Samstag nach der vermissten Sportlerin.
Bild: Andrea Liss

Beim Canyoning durchquert man Schluchten, indem man klettert, schwimmt oder springt. Die Sportart ist beliebt, allerdings kommt es immer wieder zu Unfallen, beispielsweise Ende August im Ötztal. Auch bei Naturschützern stößt das Canyoning nicht immer auf Verständnis: In den Stuibenfällen bei Reutte beispielsweise soll das Canyoning ab Oktober eingeschränkt werden, um den Naturraum zu schützen.

Starzlachklamm bei Sonthofen: Beliebtes Ausflugsziel im Allgäu

Die Starzlachklamm ist eine der beliebtesten Klammen im Allgäu. Sie bietet mehrere Rundwege und liegt nahe des Sonthofener Ortsteils Winkel, nicht weit vom Grünten. Die Klamm ist auch bei Familien mit Kindern und Touristen ein beliebtes Ausflugsziel.

Allerdings kommt es dort auch immer wieder zu Unfällen: Erst Ende Juli 2022 brach sich eine Frau einen Wirbel, ebenfalls bei einem Canyoning-Unfall. Im Juni 2021 wurde ein Vermisster tot in der Klamm gefunden, der 28-Jährige wurde seit April vermisst.